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4.3 Soziale Aspekte der Zunahme psychischer Erkrankungen

Unternehmen können als Teil der Gesellschaft im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeit zu gesellschaftlichem Wohlstand beitragen. Sie profitieren von einer sozial stabilen und gesicherten Gesellschaft ebenso wie von deren Ressourcen, i.e. von Humanressourcen und natürlichen Ressourcen gleichermaßen (vgl. Brandl 2006, 141). Die Zunahme psychischer Erkrankungen kann sich vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung und dem immer größer werdenden Missverhältnis zwischen sozial- und rentenversicherungspflichtigen Erwerbstätigen und Empfängern von Leistungen negativ auf den sozialen Frieden innerhalb der Gesellschaft auswirken.

Sofern Leistungsträger der Gesellschaft in verstärktem Maße für längere Zeit oder ganz ausfallen, verschärft sich das Problem, dass eine immer kleiner werdende Gruppe von Erwerbstätigen eine immer größere Gruppe von sozial Schwachen alimentieren muss. Für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall kommen qua Gesetz bis zu einem Zeitraum von maximal sechs Wochen die Arbeitgeber auf, einige Unternehmen haben sich auf freiwilliger Basis selbst zu einer längeren Lohnfortzahlung verpflichtet. Bei längeren Ausfallzeiten oder dauerhafter Arbeits-unfähigkeit durch Verschleiß und Beeinträchtigung der Gesundheit erfolgt eine Externalisierung der Kosten auf die gesamte Gesellschaft durch die Unternehmen (vgl. Senghaas-Knobloch 2008, 30; Brandl 2006, 55). Denn die Gesellschaft trägt den volkswirtschaftlichen Produktivitätsverlust ebenso mit wie Kosten, die durch Krankheit und Frühverrentung entstehen, da die Betroffenen durch soziale Sicherungssysteme und sozialpolitische Maßnahmen aufgefangen werden. Somit ist Gesundheit als öffentliches, schützenswertes Gut im Interesse der Gesellschaft. Durch die Multikausalität von psychischen Erkrankungen insbesondere beim BurnoutSyndrom ist wie eingangs dargelegt eine eindeutige Zuweisung der Kosten nach dem Verursacherprinzip nicht möglich – auch dann nicht, wenn Arbeitsumfeld und Arbeitsbedingungen in nicht unerheblichem Maße zu psychischen Erkrankungen beitragen (vgl. Kap. 3).

Eine an Nachhaltigkeit orientierte Unternehmenspolitik zeichnet sich durch einen verantwortungsvollen Umgang mit menschlichen ebenso wie natürlichen Ressourcen aus (vgl. Kumbruck 2008, 185). Soziale Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit Arbeit bedeutet einen schonenden Umgang mit der Ressource Mensch und damit ihrer körperlichen und psychischen Gesundheit (vgl. Becke 2008, 84). Verantwortungsbewusstsein und Engagement von Unternehmen im Hinblick auf Prävention, Früherkennung, Betreuung von Erkrankten sowie Reintegration sind folglich Bestandteil einer nachhaltigen Unternehmensführung.

 
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