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4.2 Ökonomische Relevanz des Themas psychische Gesundheit für Unternehmen und Gesellschaft

Die Gesundheit von Mitarbeitern hat entscheidenden Einfluss auf die Leistungs- und Innovationsfähigkeit von Unternehmen und damit auf die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland. Unternehmen werden durch meist langwierige psychische Erkrankungen von Mitarbeitern mit einer ganzen Reihe von Auswirkungen konfrontiert, die sich direkt wie indirekt negativ auf die wirtschaftliche Leistung auswirken. Durch unbesetzte Arbeitsplätze kann es zu Produktionsausfällen, Lieferschwierigkeiten und Terminverzug und damit zur Unzufriedenheit von Kunden und sinkender Wettbewerbsfähigkeit kommen. Es entstehen Kosten für Lohnfortzahlungen sowie für Neueinstellung und Einarbeitung von Mitarbeitern, die die Erkrankten ersetzen. Fallen qualifizierte Mitarbeiter durch psychische Erkrankungen vollständig aus, verliert das Unternehmen wertvolles Fachwissen (vgl. Joiko 2010, 15).

4.2.1 Verlust durch Fehlzeiten und Frühverrentungen

Nach Angaben der vom Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) jährlich veröffentlichten Erhebung zur Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit entfielen 2011 auf jeden von insgesamt 36,6 Mio. pflicht- und freiwillig Versicherten 12,6 AUTage. Dies entspricht insgesamt 460,6 Mio. Fehltagen. 59,2 Mio. Tage hiervon sind psychischen Erkrankungen zuzuschreiben. Damit haben diese einen Anteil von insgesamt 12,9 % an allen Diagnosegruppen und stehen mittlerweile als Verursacher von Fehltagen auf Rang drei (vgl. BMAS und BAuA 2013, 41). Dies zeigen die Tab. 4.1 und 4.2.

Arbeitsunfähigkeitstage verursachten im Jahr 2011 laut BMAS Kosten von insgesamt 39 Mrd. Euro durch Lohnfortzahlung, auf das Konto psychischer Erkrankungen gehen 5,1 Mrd. Euro (vgl. Brenscheidt 2012, 43). Der Ausfall an Bruttowertschöpfung durch Verlust von Arbeitsproduktivität wird auf insgesamt 80 Mrd. Euro geschätzt (vgl. BMAS und BAuA 2013, 41; Tab. 4.1). 10,3 Mrd. Euro hiervon entfallen auf psychische Erkrankungen. Folglich ist 2011 durch offiziell gemeldete psychische Erkrankungen von Erwerbstätigen ein Produktions- und Wertschöpfungsverlust von 16,2 Mrd. Euro zu verzeichnen (vgl. BMAS und BAuA 2013; Tab. 4.2).

Volkswirtschaftliche Kosten durch Verlust an Arbeitsproduktivität durch Arbeitsunfähigkeit in 2011: 80 Mrd. Euro

Tab. 4.1 Verlust an Arbeitsproduktivität durch Arbeitsunfähigkeit. (Quelle: BMAS und BAuA (2013): Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (2011))

Schätzung der volkswirtschaftlichen Produktionsausfallkosten und der ausgefallenen Brutto-

wertschöpfung durch Arbeitsunhigkeit 2011

36.625 Tsd. Arbeitnehmer mal 12,6 Arbeitsunfähigkeitstage

Þ 460,6 Mio. Arbeitsunfähigkeitstage, beziehungsweise 1,3 Mio. ausgefallene Erwerbsjahre

Schätzung der Produktionsausfallkosten anhand der Lohnkosten (Produktionsausfall)

1,3 Mio. ausgefallene Erwerbsjahre mal 36.200 € durchschnittliches Arbeitnehmerentgelt

Þ ausgefallene Produktion durch Arbeitsunfähigkeit

46 Mrd. €

Þ Produktionsausfall je Arbeitnehmer

1.247 €

Þ Produktionsausfall je Arbeitsunfähigkeitstag

99 €

Þ Anteil am Bruttonationaleinkommen

1,8 %

Schätzung des Verlustes an Arbeitsproduktivität (Ausfall an Bruttowertschöpfung)

1,3 Mio. ausgefallene Erwerbsjahre mal 63.000 € durchschnittliche Bruttowertschöpfung

Þ ausgefallene Bruttowertschöpfung

80 Mrd. €

Þ Ausfall an Bruttowertschöpfung je Arbeitnehmer

2.171 €

Þ Ausfall an Bruttowertschöpfung je Arbeitsunfähigkeitstag

173 €

Þ Anteil am Bruttonationaleinkommen

3,1 %

Direkte Kosten in Form von Behandlungskosten sind hier nicht mit eingeschlossen. Diese betrugen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes, der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (GBE) und des Landesverbands der BKK Baden Württemberg (BKK BW) für das Jahr 2012 rund 33 Mrd. Euro (vgl. Statista 2013). Das Statistische Bundesamt beziffert die Gesamtkosten für Prävention, Behandlung, Rehabilitation und Pflege im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen für das Jahr 2008 noch auf 28,7 Mrd. Euro (vgl. Statisches Bundesamt o. J.) und sagte einen Anstieg Behandlungskosten bis zum Jahr 2030 auf ca. 32 Mrd. Euro jährlich voraus (vgl. Kleinschmidt 2011, 9).

Psychische Erkrankungen stehen seit 2008 an erster Stelle innerhalb der Diagnosegruppen für Frühverrentungen (vgl. BMAS und BAuA 2013, 58). Im Zeitraum 2008 bis 2011 haben Frühverrentungen auf Basis dieser Diagnose stetig zugenommen und mittlerweile einen Anteil von 41,4 % im Spektrum aller Diagnosegruppen erreicht. Im Jahr 2000 lag dieser Anteil noch bei 24,2 % (vgl. BMAS und BAuA 2013, 58). Das Durchschnittsalter derjenigen, die frühzeitig in Rente gingen, betrug im Jahr 2011 48 Jahre (vgl. BMAS 2013a). Die IG Metall bezeichnet psychische Erkrankungen aus diesem Grund mittlerweile als Arbeitsunfall der Moderne (vgl. IG Metall 2012b). Die Zunahme der Frühverrentungen verdeutlicht Tab. 4.3.

Volkswirtschaftliche Kosten: Produktionsausfall und Ausfall an Bruttowertschöpfung durch Arbeitsunfähigkeit in 2011 bedingt durch psychische und Verhaltensstörungen: 16,2 Mrd. Euro

Tab. 4.2 Produktionsausfall und Ausfall an Bruttowertschöpfung durch Arbeitsunfähig keit. (Quelle: BMAS und BAuA (2013): Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (2011))

 
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