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3 Psychische Gesundheit als gesellschaftliches Issue – ökonomische und soziale Relevanz

Der Begriff „Issue“ ist aus betriebswirtschaftlicher Perspektive ein strategierelevantes Ereignis. das Einfluss auf die Unternehmensleistung haben kann (vgl. Ansoff und McDonnell 1990, 369). Aus der Sicht der Kommunikationswissenschaft stellen Issues Sachverhalte dar, die in Öffentlichkeit und Medien kontrovers diskutiert werden. Medien nehmen hierbei eine zentrale Rolle als Treiber im Prozess der öffentlichen Meinungsbildung ein (vgl. Kap. 2). Ist genügend Druck seitens der Medien und der Öffentlichkeit mobilisiert, sehen sich staatliche Organe veranlasst, sich ebenfalls dieses Problems anzunehmen (vgl. Liebl 2001, 30).

Hierin liegt das Konfliktpotenzial von gesellschaftlichen Issues, denn werden sie im Zuge eines öffentlichen Meinungsbildungsprozesses durch regulatorische Mittel geregelt, kann dies negative Auswirkungen auf eine Organisation oder ein Unternehmen haben (vgl. Lütgens 2002, 27). Je höher der Aufmerksamkeitswert eines Issues und der betroffenen Anspruchsgruppen, desto größer ist das Krisenpotenzial. Sofern sich in der Öffentlichkeit eine vorherrschende Meinung zum Thema gebildet hat und relevante Anspruchsgruppen Handlungsdruck erzeugen, nimmt der Handlungsspielraum für Unternehmen und Organisationen ab. Zugleich steigen Zeitdruck und Bewältigungskosten (vgl. Ansoff und McDonnell 1990, 383).

Im konkreten Fall des Themas psychische Gesundheit in der Arbeitswelt sind alle entscheidenden Kriterien für ein gesellschaftliches Issue vorhanden. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen hat sich mehrfach dahingehend geäußert, dass das Problem psychischer Belastungen in der Arbeitswelt bislang viel zu kurz gekommen sei und die Mehrheit der Unternehmen das Thema schleifen ließe (vgl. BMAS 2011; Sauer 2012). Die IG Metall forderte den Gesetzgeber wie in der Einleitung dargelegt auf, Unternehmen im Hinblick auf psychosoziale Gefährdungen stärker in die Pflicht zu nehmen (IG Metall 2012b) und legte im Juni 2012 den Entwurf einer „Anti-Stress-Verordnung“ vor, die verbindliche Vorgaben zur Vermeidung psychosozialer Gefährdungen für Arbeitgeber aller Branchen enthält.

Die SPD-Fraktion initiierte parallel hierzu eine Gesetzesinitiative zum Schutz der Beschäftigten im Bundestag. Sämtliche Vorhaben zielen darauf ab, Arbeitgeber im Hinblick auf die Gestaltung von Arbeitsbedingungen und -organisation sowie die Dokumentation und Reduktion von Gefährdungspotenzial verstärkt in die Pflicht zu nehmen und Fehlverhalten diesbezüglich zu sanktionieren. Risikofaktoren, die die Gesundheit von Beschäftigten negativ beeinflussen können und im Gestaltungsbereich der Arbeitgeber liegen, sind in den folgenden Kapiteln kurz dargestellt.

 
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