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2 Burnout als Fokusthema der Medien und der Öffentlichkeit

Das Thema psychische Erkrankungen im Zusammenhang mit der Arbeitswelt wird in der Fachöffentlichkeit seit mehr als zehn Jahren dokumentiert und diskutiert. Seit dem Jahr 2010 greifen sog. Meinungsführermedien (vgl. Wilke 1999, 302; Kepplinger 2010, 199) wie überregionale Tageszeitungen, Magazine sowie etablierte Hörfunk- und TV-Sendungen die Problematik in verstärktem Maße auf.

Als meinungsführend gelten Medien, die neben der breiten Öffentlichkeit Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft sowie Journalisten zu ihren Rezipienten zählen und damit nicht nur eine starke Multiplikatorenfunktion ausüben, sondern im Rahmen des sog. Agenda Setting auch Themen setzen (vgl. Bonfadelli und Friemel 2011, 181), die in der Öffentlichkeit diskutiert werden und damit soziale Relevanz erhalten. Zudem nehmen Meinungsführermedien Einfluss auf die Bewertung dieser Themen (Framing). Die Anzahl der Artikel und Beiträge zum Thema psychische Erkrankungen im Zusammenhang mit der Arbeitswelt hat seit dem Jahr 2010 stark zugenommen – dies zeigt eine Analyse der Berichterstattung von Meinungsführermedien der Jahre 2009 bis 2012, die im Fachbuch ausführlich dargestellt ist. Der Tenor der Berichterstattung für Arbeitgeber ist überwiegend negativ. Häufig verwenden die Medien den Begriff „Burnout“ als Pars pro Toto für eine stark reduzierte Darstellung des eingangs geschilderten komplexen Sachverhaltes.

Das manager magazin veröffentlicht z. B. im Mai 2012 als Titelthema ein Burnout-Ranking der DAX 30 und führt auf, welche Unternehmen die meisten Betroffenen vorweisen. Die überregionalen Magazine Spiegel, Stern und Focus setzen das Thema Burnout im Jahr 2011 innerhalb weniger Monate insgesamt fünfmal auf den Titel. Die Süddeutsche Zeitung spricht von „Arbeitssklaven“ oder einer „modernen Form der Ausbeutung durch Unternehmen“ (Oechsner 2011), der Spiegel von Firmen, „die ihre Spitzenkräfte verbrennen“ (Marquart 2011).

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet von der „Volkskrankheit Burnout“ und der „ausgebrannten Republik“ (Astheimer 2012), nach Auffassung der Süddeutschen Zeitung tickt mit der rasanten Zunahme von Burnout eine „gesell-schaftliche Zeitbombe“ (SZ 2011). Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF besetzen das Thema in Nachrichtensendungen wie in prominenten Talkshows. Maybrit Illner, Anne Will und Frank Plasberg lassen ebenso wie Sandra Maischberger Erkrankte und Experten zu Wort kommen. Auftrieb geben dem Thema in diesem Zusammenhang Äußerungen prominenter Betroffener, die ihren Zusammenbruch und damit vorübergehenden Rückzug aus dem Arbeitsleben öffentlich schildern – so u. a. der Trainer des FC Schalke Ralf Rangnick und der Vorstandsvorsitzende des Bertelsmann-Konzerns, Hartmut Ostrowski.

Eine vergleichsweise sehr geringe Anzahl von Beiträgen kritisiert die Art der Medienberichterstattung (vgl. Weber 2011) und argumentiert, das Thema werde überbewertet und übertrieben dargestellt (vgl. Krohn 2011). Psychische Erkrankungen in der Arbeitswelt erlangen durch die Medienberichterstattung Relevanz in der sozialen Wirklichkeit einer breiteren Öffentlichkeit und werden somit zum gesellschaftlichen Issue (vgl. Bonfadelli und Friemel 2011, 181).

 
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