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1.2.3 Burnout-Syndrom

Psychische Erkrankungen in der Arbeitswelt werden vor allem in der Medienberichterstattung häufig als Pars pro Toto mit dem sog. Burnout-Syndrom gleichgesetzt. Entsprechend der Definition des Begriffs „Syndrom“ lässt sich das Burnout-Syndrom als eine charakteristische Konstellation einer Vielzahl verschiedener Symptome mit ihren bi- und multilateralen Wechselwirkungen beschreiben, die im Komplex auftreten (vgl. Cassel-Gintz und Harenberg 2002, 7; Jung 2011, 22). Im Zusammenhang mit dem Burnout-Syndrom sind dies Symptome wie z. B. Schlafstörungen, eine Schwächung des körperlichen Immunsystems, Gereiztheit, Ermüdung und soziale Isolation, die kumuliert zu einem Zustand völliger körperlicher und seelischer Erschöpfung führen (vgl. Riechert 2011, 67).

Im Unterschied zu anderen psychischen Erkrankungen tritt das Burnout-Syndrom vor allem im Zusammenhang mit der Arbeitswelt auf (vgl. Riechert 2011, 68). Allerdings ist Burnout nach dem Klassifikationssystem für Krankheiten der WHO in seiner zehnten Überarbeitung (ICD 10) bis heute nicht offiziell als Krankheit anerkannt, da weder Begriff noch Krankheitsbild eindeutig definiert sind (vgl. Lanz 2010, 61). Die WHO ordnet Burnout als Einzeldiagnose Z 73 der Gruppe von Faktoren zu, die zu Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung führen (vgl. Riechert 2011, 67), und nicht der Gruppe der psychischen und Verhaltensstörungen.

Die bislang fehlende Definition und Abgrenzung wirkt sich erschwerend auf eine einheitliche Diagnostik und damit auch einheitliche Erhebung des Verbreitungsgrades von Burnout aus (vgl. Jung 2011, 23). Die Statistiken der Krankenkassen sind auf eine einheitliche Diagnostik der Ärzte angewiesen, um hier in valider Form Auskunft geben zu können. Die Erhebungen der Krankenkassen zeigen mit wenigen Ausnahmen meist das gesamte Spektrum psychischer Erkrankungen auf und fokussieren nicht auf die Diagnose Burnout.

1.2.4 Mitarbeiter und Beschäftigte

Die Termini werden in diesem Beitrag im Sinne des ArbSchG für abhängig Beschäftigte verwendet. Damit sind Angestellte mit unterschiedlichen Beschäftigungsverhältnissen wie Teilzeitkräfte oder befristet Beschäftigte ebenso wie Führungskräfte eingeschlossen. Letzteres ist aufgrund der Tatsache relevant, dass v. a. die untere und mittlere Führungsebene in starkem Maße Belastungsfaktoren ausgesetzt ist, die zu psychischen Erkrankungen führen können (vgl. Sedlacek 2011, 11).

Freie Mitarbeiter fallen nach § 5,1 Arbeitsgerichtsgesetz (ArbGG) nicht unter die Definition abhängig Beschäftigter, sondern gelten nach § 2,1 Heimarbeitsgesetz (HAG) als Heimarbeiter und profitieren damit nicht von den Schutzbestimmungen des ArbSchG. Dies ist angesichts der nachfolgend erläuterten Wandels der Arbeitswelt und der damit verbundenen Zunahme selbständiger und befristeter Beschäftigungsverhältnisse bemerkenswert und weist auf Schutzlücken für eine immer größere Gruppe von Erwerbstätigen hin.

Die nachfolgenden Kapitel dieses Beitrags zeigen, dass sich die eklatante Zunahme psychischer Erkrankungen in den letzten Jahren zu einem ökonomisch wie sozial gleichermaßen relevanten Thema entwickelt hat, welches nicht zuletzt durch eine intensive Medienberichterstattung auch von der breiteren Öffentlichkeit als gesellschaftliches Issue wahrgenommen wird. Insbesondere Unternehmen der Privatwirtschaft stehen unter zunehmendem Legitimitätsdruck, da sie als Mitverursacher gelten und entscheidend dazu beitragen können, einen großen Teil der Belastungsfaktoren zu reduzieren, die psychische Erkrankungen im Zusammenhang mit der Arbeitswelt fördern.

 
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