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1.2 Begriffsdefinitionen

Termini, die im Beitrag häufig verwendet werden wie psychische Gesundheit, Burnout-Syndrom und Mitarbeiter, bzw. Beschäftigte sind im Folgenden in Ihrer Verwendung kurz erläutert.

1.2.1 Gesundheit

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert in ihrer Verfassung aus dem Jahr 1946 Gesundheit als einen Zustand des körperlichen, sozialen und geistigen Wohlbefindens (vgl. WHO 1946). Diese Definition wurde 1986 von der WHO in der Ottawa-Charta erweitert – Gesundheit umfasst hiernach die Fähigkeit jedes Einzelnen, Gesundheitspotenziale auszuschöpfen und damit auf Herausforderungen der Umwelt entsprechend zu reagieren (vgl. WHO 1986). Gesundheitspotenziale sind individuelle Ressourcen zur Bewältigung von Belastungen (vgl. Riechert 2011, 44). Auf diesem ganzheitlichen Gesundheitsverständnis der WHO basieren nationale wie internationale gesetzliche Regelungen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes, so z. B. das deutsche Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG). Dennoch dominiert in der breiteren Öffentlichkeit bislang ebenso wie bei einer Vielzahl von Unternehmen ein Verständnis von Gesundheit im Sinne der Abwesenheit von Krankheit (vgl. Badura 2010, 15).

1.2.2 Psychische Gesundheit: Erkrankungen, Störungen, Belastungen, Beeinträchtigungen oder Behinderungen

Im Zusammenhang mit der Debatte über psychische Gesundheit in der Arbeitswelt wird eine Vielzahl unterschiedlicher Fachbegriffe verwendet. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass sich verschiedene Disziplinen mit dem Thema befassen und bislang keine Vereinheitlichung der Termini stattgefunden hat. Den Begriff der psychischen Gesundheit definiert die WHO als Zustand des Wohlbefindens, in dem der Einzelne seine Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv und fruchtbar arbeiten kann und imstande ist, etwas zu seiner Gemeinschaft beizutragen (vgl. WHO 2011). Mit psychischen Erkrankungen bezeichnet die WHO psychische Gesundheitsprobleme und -belastungen sowie diagnostizierbare psychischen Störungen wie Schizophrenie und Depression (vgl. WHO 2012).

Der betriebliche Gesundheits- und Arbeitsschutz verwendet in diesem Zusammenhang die Termini psychische Belastungen und Beanspruchungen: Die Norm DIN ISO 10075-1 definiert psychische Belastungen wertneutral als Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken (vgl. Joiko et al. 2010, 8; Riechert 2011, 20). Als psychische Beanspruchung gelten nach o. g. Norm die Auswirkungen psychischer Belastungen auf das Individuum einschließlich seiner individuellen Bewältigungsstrategie. Sind die individuellen Ressourcen zur Bewältigung der Belastungen nicht ausreichend und damit die psychische Beanspruchung zu groß, kommt es zu psychischen Fehlbeanspruchungen, die sich z. B. in Form von Stress, psychosomatischen und psychischen Störungen oder dem Burnout-Syndrom äußern können (vgl. Joiko et al. 2010, 8; Riechert 2011, 22).

Die Sozialgesetzgebung spricht wiederum im Zusammenhang mit psychischer Gesundheit von Beeinträchtigungen oder Behinderungen (vgl. Riechert 2011, 7). Aufgrund der dargelegten Heterogenität der Termini wird der Begriff „psychische Erkrankungen“ in diesem Beitrag nach Definition der WHO als Oberbegriff für Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit in Form von Ängsten, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen und Erkrankungen verwendet, die als Folge arbeitsbedingter psychischer Fehlbelastungen zu Arbeitsunfähigkeit führen können (vgl. Riechert 2011, 46 f.).

 
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