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1.1 Mangelndes Problembewusstsein und Unsicherheit im Umgang mit Gefährdeten und Erkrankten

Im Arbeitsalltag werden psychische Belastungen und Störungen in der Tat noch weitgehend ignoriert und gelten als Tabuthema (vgl. Kleinschmidt 2011, 26; Hoyer und Leist 2011, 30 f.). „Wir verlieren in Deutschland sehr viel Zeit und sehr viel Geld, bis in den Betrieben erkannt wird, dass es nicht nur um Migräne oder psychisch bedingte Rückenleiden geht“, äußerte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen diesbezüglich in der Frankfurter Rundschau. „70 % aller Betriebe machen hier kaum etwas und stehen dem Problem häufig noch hilflos gegenüber“ (vgl. Sauer 2012). Nach wie vor kommt es zur Stigmatisierung psychisch Kranker, diese stoßen auf Ablehnung und Vorurteile, wodurch das persönliche Leiden vergrößert und die soziale Ausgrenzung verschärft wird (vgl. Mendel et al. 2010, 23 f.). Experten verweisen vor diesem Hintergrund auf hohe Dunkelziffern im Hinblick auf die tatsächliche Zahl der Erkrankten. Führungskräfte wüssten meist nicht, wie sie Symptome erkennen könnten, und seien hilflos im Umgang mit Betroffenen. Erkrankte, die nach ihrer Rekonvaleszenz an ihren Arbeitsplatz zurückkehrten, würden nicht selten von Kollegen und Vorgesetzten ausgegrenzt (vgl. Mendel et al. 2010, 23 f.; Kissling und Mendel 2010, o.S.). Die Initaitive Gesundheit und Arbeit (iga) nennt eingeschränkte oder gänzlich fehlende Akzeptanz im Arbeitsumfeld insbesondere bei psychischen Erkrankungen als Ursache dafür, dass Beschäftigte trotz Erkrankung zur Arbeit gehen (vgl. Kramer 2013, 6 sowie Kap. 4.2.2).

Nach Angaben einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP) ist das Bewusstsein für psychische Beanspruchungen am Arbeitsplatz vor allem bei Führungskräften nach wie vor gering ausgeprägt (vgl. Sedlacek 2011, 20 f.). Wie Abb. 1.1 zeigt, sind 85 % der befragten Führungskräfte nach eigenen Angaben nicht in der Lage, psychische Beanspruchungen ihrer Mitarbeiter zu erkennen. 87 % wissen nicht, wie sie mit Erkrankten umgehen sollen, und mehr als die Hälfte (56 %) zieht es vor, über das Thema nicht zu sprechen.

Aus Abb. 1.1 verdeutlicht ebenso, dass Personalabteilungen im Hinblick auf psychische Erkrankungen im Arbeitsalltag besser informiert und sensibilisiert sind als Führungskräfte. Einer aktuellen Erhebung der DGFP zufolge führen Personalleiter

Abb. 1.1 Schwierigkeiten im Umgang mit psychisch beanspruchten Mitarbeitern. (Quelle: Sedlacek, Bronia (2011): Psychische Beanspruchung von Mitarbeitern und Führungskräften. Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGFP)(Hrsg.))

das Thema psychische Gesundheit als eines von zehn Trendthemen auf, mit welchen sie sich in den kommenden drei Jahren vorrangig beschäftigen werden (vgl. DGFP 2013, 11, Abb. 8). 68 % der befragten Personalmanager sind der Meinung, dass der Umgang mit psychischen Belastungen von Beschäftigten zukünftig sehr stark bis stark an Bedeutung gewinnen wird.

Ob sich die Diskrepanz zwischen dem Problembewusstsein der Personalmanager und dem tatsächlichen Umgang mit Erkrankten im Arbeitsalltag insbesondere durch Führungskräfte in näherer Zukunft erkennbar ändern wird, bleibt abzuwarten. Aktuelle Entwicklungen zeigen jedoch wie eingangs erwähnt, dass das Risikopotenzial psychischer Erkrankungen von Politik und Sozialpartnern offenbar erkannt wurde.

 
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