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Schritt 5b: Gewichtung mit Hilfe der Paarvergleichsmethode

Die Gruppierung von Kriterien ist ein probates Mittel, um einer Ergebnisverzerrung bei einer großen Anzahl von Kriterien vorzubeugen. Allerdings beseitigt sie einen anderen Schwachpunkt der Nutzwertanalyse nicht: Die subjektive bzw. bewusst oder unbewusst interessengeleitete Gewichtung von Kriterien bzw. Kriteriengruppen. Aber auch hierfür gibt es ein Gegenmittel: Die Paarvergleichsmethode. Die Idee ist wie bei der Nutzwertanalyse insgesamt die Fragmentierung der Gesamtaufgabe in Einzelentscheidungen.

Zu Beginn werden alle zu gewichtenden Kriterien in einer Kreuztabelle aufgelistet (Tab. 2.6).

Anschließend werden alle Verfahrensteilnehmer aufgefordert, nacheinander und jeweils für sich zu entscheiden, ob im direkten Vergleich Kriterium A wichtiger sei als Kriterium B, Kriterium A wichtiger als Kriterium C, Kriterium A wichtiger als Kriterium D usw. bis zur letzten Entscheidung, ob Kriterium F wichtiger sei als Kriterium G. Die Gegenfrage ist nicht erforderlich: Wenn bewertet wurde, dass A wichtiger als B ist, muss B unwichtiger als A sein. Der Vergleich eines Kriteriums mit sich selbst ist sinnlos und darum werden diese Felder – hier dunkel hinterlegt – nicht ausgefüllt.

In die Kreuztabelle wird nun eingetragen, von wie vielen Teilnehmern das zuerst genannte Kriterium als wichtiger als das als zweites genannte Kriterium eingeschätzt wurde. Jeder Teilnehmer muss sich entscheiden, ein Unentschieden – Kriterium A und F sind gleich wichtig – darf es nicht geben. Eine etwas andere, aber mathematisch gleichwertige Möglichkeit, eine Kreuztabelle zum Paarvergleich in einer Gruppe zu erstellen, zeigt Tab. 5.3 im Anwendungsbeispiel zwei.

Tabelle 2.7 gibt ein mögliches Ergebnis wieder, wobei hier die Anzahl der Teilnehmer an der Nutzwertanalyse mit 10 angenommen wurde. Hier wurde

Tab. 2.7 Kreuztabelle zur Gewichtung von Kriterien mit „Ist-wichtiger-als“-Stimmen

von sieben Verfahrensteilnehmern das Kriterium A wichtiger als Kriterium B eingeschätzt, von acht das Kriterium F wichtiger als Kriterium G und so fort. Die letzte Spalte addiert, wie of ein Kriterium als wichtiger als das jeweils mit diesem verglichene eingeschätzt wurde.

Den letzten Schritt der Paarvergleichsmethode zeigt Tab. 2.8. Proportional zur Summe aus „Ist-wichtiger-als“-Stimmen werden mittels Dreisatz die Gewichte verteilt.

Tab. 2.8 Ergebnis der Gewichtung anhand der Kreuztabelle

In der betrieblichen Praxis angewendet, ist nun die Versuchung groß, eine Korrektur, oder vornehmer ausgedrückt: eine Justierung der Werte vorzunehmen. Es könnte sich sogar die Mehrheit der Teilnehmer darüber einig sein kann, dass beispielsweise Kriterium E mit einem Bedeutungsgewicht von gerade einmal 8,1 % unterrepräsentiert ist. Jedoch ist dringend davon abzuraten, eine Anpassung „aus dem Gefühl heraus“ vorzunehmen.

Nun kann es passieren, dass ein Kriterium nie wichtiger ist als eines der anderen der mit diesem verglichenen Kriterien. Es erhält dann das relative Gewicht 0 und scheidet aus dem weiteren Verfahren aus, obwohl es möglicherweise trotzdem eine absolute Bedeutung hat. In der Praxis erweist sich dieser methodische Mangel jedoch als umso unbedeutender, je mehr Kriterien mittels der Paarver- gleichsmethode miteinander verglichen werden. Sind es mehr als 10, empfiehlt es sich erfahrungsgemäß, das Ausscheiden des Kriteriums zuzulassen, denn es darf dann davon ausgegangen werden, dass es tatsächlich relativ unbedeutend für die Bewertung der Problemstellung ist. Fehlt der Mut, so kann es mit einem marginalen Gewicht von vielleicht 0,01 % weiter geführt werden.

 
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