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2.6 Covenants

In der Regel wenig Beachtung findet das in den Anleihebedingungen enthaltene

„Kleingedruckte“. Gerade Privatanleger wenden sich dem eigentlichen Wertpapierprospekt nur selten ausführlich zu und konzentrieren sich meist auf ein beigegebenes „Factsheet“. Tatsächlich verfügten die meisten Mittelstandsanleihen zu Beginn im Gegensatz zu klassischen High Yield Anleihen kaum über Schutzklauseln (Covenants) für die Investoren, allerdings scheint hier langsam ein Umdenken der Unternehmen – sicherlich nicht zuletzt durch die begleitenden Emissionsberater angestoßen – einzutreten.

Die wichtigste Covenant-Regelung ist eine Kontrollwechselklausel (Change of Control), die dann eintritt, wenn sich die Besitzverhältnisse des Unternehmens grundlegend ändern. Das tritt ein, wenn ein Dritter plötzlich beherrschenden Einfluss auf das Geschehen erhält. Bei einer Kontrollwechselklausel wird dem Gläubiger in diesem Fall ein Kündigungsrecht eingeräumt, er erhält die Anleihe zurückbezahlt (Fälligstellung).

Eine weitere übliche Klausel ist die Negativerklärung, die besagt, dass der Kreditnehmer künftig keinen Gläubigern Kreditsicherheiten gewährt, die er nicht oder mit gleichwertigem Ersatz auch den Gläubigern der Anleihe gibt.

Die Drittverzugsklausel besagt, dass der Anleihegläubiger kündigen darf, wenn der Emittent Dritten gegenüber in Verzug geraten ist. Denn dann ist davon auszugehen, dass er auch die Anleihe nicht bedienen kann. Ob er dann allerdings in der Lage sein wird, die Anleihe vorzeitig zurückzuzahlen, steht auf einem anderen Blatt.

Die europäischen Staatsmänner machen es vor: Die Vereinbarung einer Verschuldungsgrenze auch bei Anleiheemittenten ist möglich. So soll eine mögliche Überschuldung verhindert werden. Des Weiteren kann zum Beispiel eine Verkaufsgrenze für Assets eingebaut werden, damit der Emittent nicht sein Tafelsilber verscherbelt.

Nachdem in der Anfangseuphorie der Mittelstandsanleihen kaum Covenants ausgewiesen wurden, können diese inzwischen auch gezielt als ein Teil der Platzierungsstrategie eingesetzt werden. Denn viele Mittelstandsanleihen sind, was ihr Rating und den Kupon betrifft, noch am ehesten mit High-Yield-Bonds zu vergleichen, bei deren Ausgestaltung Covenants Standard sind.[1] Für institutionelle Investoren stellt ein stringentes Covenants-Korsett sogar eine Voraussetzung dafür dar, dass der betreffende Emittent einer Fundamentalanalyse unterzogen wird und damit überhaupt die Chance auf Fremdmittel erhält.[2] Es ist aber davon auszugehen, dass der Anteil institutioneller Investoren, die auf der Suche nach renditeträchtigen Anlagemöglichkeiten sind, eher zu als abnehmen wird. Für diese bilden die entsprechenden Covenants ein bedeutendes Auswahlkriterium und werden so immer mehr mitentscheidend für eine erfolgreiche Platzierung.

  • [1] Vgl. Kuthe, T und Zipperle, M.: Investorenschutz und Convenants, in: Bond Yearbook 2011/12, Wolfratshausen 2011, S. 82f
  • [2] Vgl. Walchshofer, M.: Die Bedeutung von Convenants von Mittelstandsanleihen aus Sicht institutioneller Investoren, in: Bösl, K. Hasler, P.T. (Hrsg.): Mittelstandsanleihen. Ein Leitfaden für die Praxis, Wiesbaden 2012, S. 57
 
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