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Start arrow Ökonomik arrow Mittelstandsanleihen – ein Erfolgsmodell für alle Parteien

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1.2 Die Bedürfnisse der Anleger

Die Zinsen für fest angelegtes Geld sind derzeit minimal und aufgrund der anhaltenden Staatsschuldenkrise steht zu befürchten, dass sich daran mittelfristig wenig ändern wird. Doch auch Staatsanleihen bringen dem Anleger kaum Zinserträge. So gab es 1995 noch immerhin 7 % auf eine 10jährige deutsche Staatsanleihe – jetzt muss sich ein Anleger mit etwa einem Prozent zufrieden geben. Staatsanleihen mit hoher Verzinsung hingegen bergen gerade für den Privatanleger kaum einschätzbare Risiken, wie der Fall Griechenland mit seinem Haircut bewies. Die Aktienmärkte sind volatil wie selten und führen zu einer zusätzlichen Verunsicherung. In dieser Situation suchen Anleger Produkte, die eine hohe Rendite mit einem vertretbaren Risikoprofil verknüpfen. Mittelstandsanleihen bieten sich hier als Beimischung im Depot an.

Allerdings gilt für Mittelstandsanleihen das Gleiche wie für ein Investment in eine Einzelaktie: eine genaue Analyse des Unternehmens, des Geschäftsmodells und der Zukunftsaussichten ist erforderlich. Doch aller Erfahrung nach lesen 99 % der Privatanleger die von den Unternehmen pflichtgemäß erstellten und von der BaFin geprüften Wertpapierprospekte nicht, so eine Schätzung der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Eine jüngere Studie von Deloitte im Auftrag der Börse Stuttgart kommt unter Einbeziehung professioneller Anleger zu dem Ergebnis, dass 70 % der Anleger den Prospekt als Informationsquelle nutzen – er sei damit nach direkten Informationen von den Börsenplätzen die wichtigste Quelle[1]. Die Wahrheit dürfte in der Mitte liegen und vor allem sagen die Zahlen wenig darüber aus, wie intensiv der Prospekt tatsächlich studiert wird. Als Motive für den Erwerb von Mittelstandsanleihen nennen die Anleger – Privatanleger wie Institutionelle gleichermaßen – Renditeverbesserung, regelmäßige Erträge und eine Reduzierung beziehungsweise Diversifikation des Risikos.

Allerdings lässt sich beobachten, dass bei den Zeichnern von Anleihen eine Verschiebung von Privatanlegern hin zu institutionellen Anlegern erfolgt, ein Prozess, der durch die ersten Zahlungsausfälle von Anleihen sicher noch beschleunigt werden wird. Während nach Marktstudien rund 60 % der deutschen Mittelstandsanleihen von Privatkunden gezeichnet werden und nur 25 % von Family Offices und weniger als 15 % von institutionellen Investoren[2], nimmt das Interesse von Privatanlegern – das zeigten schon die Anleihenemissionen im zweiten Quartal 2013, zunehmend ab. Dieser Prozess wird eine weitere Professionalisierung der Anleihebedinungen nach sich ziehen – doch dazu später mehr.

Für Anleger ist im Einzelnen bei den Mittelstandsanleihen folgendes zu beachten:

Vorteile von Anleihen für Anleger:

• Feste Verzinsung zu deutlich höheren Konditionen als bei Festgeld

• Die Erträge fließen zu vorher genau festgelegten Zeitpunkten

• Trotz fester Verzinsung jederzeit handelbar

• Chance von Kursgewinnen sind möglich Risiken für Anleger:

• Überzeichnung während der Zeichnungsfrist und vorzeitige Beendigung der Zeichnung ist möglich, es gilt grundsätzlich first come, first serve

• Emittentenrisiko: bei Insolvenz des Unternehmens geht der Anleger meist leer oder mit deutlichen Abschlägen aus – immerhin liegt die Ausfallquote derzeit bei etwa 5 %!

• Vorzeitige Kündigung der Anleihe durch den Emittenten ist unter bestimmten Umständen ebenfalls möglich

  • [1] Mittelstandsanleihen – Eine echte Alternative? Eine Studie der FH Münster, der Börse Stuttgart und Deloitte, 2012, Abb. 13: Informationsquellen privater Anleger für Anlageentscheidungen in Mittelstandsanleihen, S. 16
  • [2] Rüdiger Holzhammer und Michael Neisis: Mittelstandsanleihenmarkt bedarf der weiteren Professionalisierung, in: Börsen-Zeitung, Ausgabe 90, 14.05.2013, S. 19
 
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