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5.7 Zusammenfassung

Um herauszufinden welches potentielle Einflussfaktoren für Innovation sind wurden 732 leitende Angestellte international agierender Unternehmen befragt. Sie haben online einen Fragebogen mit 164 geschlossenen und einigen offenen Items beantwortet. Insgesamt kamen die Befragten von 69 Unternehmen und 84 Geschäftsbereichen aus aller Welt. Dabei wurde sichergestellt, dass die Verteilung nach Regionen und Abteilungen möglichst breit gefächert war und die Industrien möglichst gleichwertig nach Befragten repräsentiert waren.

Es wurde durch sichergestellt, dass alle Items hatten die statistische Güte, um ohne Bedenken für eine Faktoranalyse genutzt werden zu können. Es wurde jedoch ent-schieden, noch höhere Maßstäbe an Itemkennwert (fehlende Werte, Kurtosis und Schiefe, Kreuze in der Skalenmitte, Mittelwerte, Standardabweichungen) und Zusammenspiel (Korrelationen, Measure of Sample Adequacy) anzusetzen und so die Ergebnisse der folgenden Faktoranalyse zu optimieren. Die 85 am Ende selektierten Items entsprechen in allen Dimensionen dem Optimum, das die Literatur für Faktoranalysen empfiehlt. Durch Imputation fehlender Datenpunkte wurde die Qualität der Datenbasis nochmals erhöht.

Mittels einer Hauptachsen-Faktoranalyse wurden die Daten verdichtet, wobei das Kaiser-Meyer-Olkin Kriterium von 0,95 auf ein hervorragendes Ergebnis der Faktoranalyse hindeutet (vgl. Field, 2005). Da anzunehmen ist, dass die einzelnen Erfolgsfaktoren nicht vollständig unabhängig voneinander sind, wurde eine oblique Rotationsmethode gewählt. Dabei hat sich ein stabiles Ergebnis bei sieben Faktoren eingestellt, welches sich sogar durch Anwendung anderer Rotationsmethoden im Kern nicht geändert hat. Dieses stabile Ergebnis deutet auf sieben unterschiedliche potentielle Erfolgsfaktoren für Innovation in Unternehmen hin.

Die potentiellen Erfolgsfaktoren sind klar voneinander abgrenzbar und haben eine eigene inhaltliche Interpretierbarkeit. Es sind: (1) eine zukunftsgerichtete, unterstützende Unternehmenskultur, (2) eine klar definierte und kommunizierte Innovationsstrategie, (3) eine koordinierte Markt- und Kundenorientierung, (4) eine klare Organisation und Rollenverteilung, (5) eine gelebte Ziel- und Erfolgsorientierung, (6) ein gut organisiertes Ressourcen- und Portfoliomanagement und (7) eine bewusste Bereitschaft, sinnvolle Risiken einzugehen.

Die sieben potentiellen Erfolgsfaktoren werden jeweils durch fünf Items der Datenbasis beschrieben, welche unterschiedliche Facetten der Faktoren darstellen. Bei dem Faktor „Innovationsstrategie“ reichen die Items beispielsweise von der Definition der Strategie über die Priorisierung von Themen bis hin zur Kommunikation der Strategie innerhalb des Unternehmens.

Alle sieben Dimensionen werden in der Innovationsforschung als Erfolgsfaktoren für Innovation in Unternehmen genannt. Es gibt Argumente für jeden dieser Faktoren, warum dieser ein innovatives von einem weniger innovativen Unternehmen unterscheidet. Die quantitative Analyse im Kapitel 7 wird Aufschluss geben, welche dies auf Basis der erhobenen Daten sind. Interessant ist, dass Themen wie „Führungskräfte“ nicht als eigene Dimension ausgeprägt sind, sondern in verschiedenen Dimensionen aufgehen; beispielsweise in der siebten Dimension durch Vorleben der Risikobereitschaft, oder auch mittelbar in der ersten Dimension als Mediatoren von Inspiration und Passion. Ein anderes Thema in diesem Sinne wäre „Ideen über externe Netzwerke“, das vielfach unter dem Schlagwort „Open innovation“ in der Fachwelt diskutiert wird (vgl. Faber, 2008). Auch dieses Thema findet sich wieder.

Potentiell ist es möglich, die sieben Dimensionen als Globaldimensionen zu begreifen, die wiederum Facetten haben. Ein Ansatz wäre, die sieben Dimensionen aufzuspalten in weitere Subdimensionen (vgl. Becker, 2005). Im vorliegenden Kontext ist dies aber nicht sinnvoll, da diese Subdimensionen hoch miteinander korrelieren, was bei der weiterführenden Regressionsanalyse zu Multikollinearität führt und eine Interpretation unmöglich macht. Wenn man sich die Globaldimensionen aber genauer ansieht, findet sich beispielsweise das Thema „Ideen über externe Netzwerke“ als Facette oder Unterdimension der dritten Dimension „Marktorientierung“ wieder. Die „Ideenentwicklung“ ist dabei beispielsweise eine Facette der zweiten Dimension

„Innovationsstrategie“. Festzuhalten ist, dass sieben Dimensionen sich als dominante Dimensionen herausgebildet haben und die Herausforderung im Folgenden besteht herauszufinden, welche dieser Dimensionen im Besonderen Erfolgsfaktoren für Innovation in Unternehmen sind. Dazu muss im nächsten Schritt aber erst einmal erfasst werden, welche der betrachteten Unternehmen als innovativ und welche als weniger innovativ zu bezeichnen sind.

 
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