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2 Problemstellung und Zielsetzung

Innovationen sind für die Entwicklung und den Fortschritt von Unternehmen und Volkswirtschaften von fundamentaler Bedeutung (vgl. Drezner, 2001). Dies ergibt sich bereits aus der Definition von Innovation, als „Entwicklung, Einführung und Anwendung neuer Ideen, Prozesse, Produkte oder Vorgehensweisen, von denen Einzelne, Gruppen oder ganze Organisationen profitieren“ (Maier & Frey et al., 2001). Erfolgreiche Unternehmen wie Apple und Google halten sich seit Jahren an der Spitze der innovativsten Unternehmen (vgl. Business week, 2007-9) und konnten so ihren Marktwert trotz Wirtschaftskrise deutlich steigern; Apple in den letzten vier Jahren beispielsweise um fast 250% (Deutsche Börse AG, Aktienkurs von 01. 11. 2005 bis 01. 11. 2009). Dass Innovation ein wichtiges Thema für ihr Unternehmen ist, erkennen auch Führungskräfte. Bei einer Umfrage unter 820 Führungskräften aus verschiedenen Branchen und Regionen stufen 86% Innovation als wichtig für ihr Unternehmen ein und 92% denken, dass Innovation in den kommenden Jahren noch wichtiger werden wird.

Die herausragende Bedeutung von Innovation beschränkt sich aber nicht nur auf Unternehmen. Auch Volkswirtschaften und Staaten profitieren von gezielten Investitionen in Innovation, wie neue Studien zeigen (vgl. Business week, 2009). Singapur beispielsweise hat sich durch gezielte Förderung der Innovation im Bereich Bildung und von spezifischen Industriezweigen trotz lediglich knapp 5 Mio. Einwohnern als wirtschaftlicher Leitstaat in Asien etabliert und hat eines der höchsten Bruttoinlandsprodukte der Welt (Imf, 2008).

Auch in der psychologischen Innovationsforschung dominiert die Sicht, dass innovatives Handeln wünschenswert ist und gefördert werden sollte, weil Kreativität und Innovationen zu einer Verbesserung von Prozessen innerhalb von Organisationen und zu einer Verbesserung von Produkten führen (vgl. Maier et al., 2007). Allgemein gilt eine Innovationsorientierung in Unternehmen als Voraussetzung für die Sicherung der unternehmerischen Existenz und den Erhalt einer überlegenen Wettbewerbssituation (vgl. Abernathy, 1978). Im & Workman (2004) konnten beispielsweise zeigen, dass die Kreativität neuer Produkte und der Marketingmaßnahmen den wirtschaftlichen Erfolg der Produkte, gemessen anhand von Verkaufszahlen und Rendite, deutlich beeinflussen.

Dabei entspringen die meisten Innovationen weniger einem genialen Geistesblitz, sondern sind das Ergebnis bewusster und absichtsvoller Suche nach Verbesserungs-möglichkeiten (Drucker, 1985). Innovationsaktivitäten sind zudem mit erheblichen Aufwendungen an Ressourcen, mit Unsicherheiten und Risiken verbunden. In der Literatur wird die Misserfolgsquote für Innovationsprojekte auf durchschnittlich 50% beziffert. Dies bedeutet für die Unternehmen ein nicht unerhebliches Risiko für Fehlallokation der Investitionen (vgl. Sammerl, 2008) und fördert das Interesse an den Gründen für Innovationserfolg und -misserfolg.

So ist es nur konsequent, dass Wissenschaftler aus Psychologie, Soziologie, Betriebswirtschaftslehre aber auch Ingenieurwissenschaften sich mit der Frage beschäftigen, was Innovation ist und wie Unternehmen es schaffen, innovativer als andere zu sein. Sie versuchen somit zu ergründen, was Erfolgsfaktoren für Innovation sind. Innovation und Innovationsfähigkeit als Maß dafür, wie innovativ ein Unternehmen ist, stellen einen interdisziplinären Forschungsgegenstand dar. Dem entsprechend stammen theoretische und empirische Untersuchungen aus verschiedenen Forschungsgebieten und Zweigen.

Verallgemeinernd kann gesagt werden, dass „in der Psychologie […] Innovationen meist als kreative Prozesse und/oder als Gruppenprozesse betrachtet“ werden (Scholl, 2009). Betriebswirte und Volkswirte betrachten hingegen vermehrt Ressourcen, betriebliche Routinen und organisationale Netzwerke. Gemeinsamkeiten finden sich besonders auf der Ebene der Organisationen bei der Betrachtung der Führung, der Unternehmenskultur und der Rolle der Promotoren.

Derzeit gibt es Wenige umfassende und noch weniger interdisziplinäre Ansätze. Meist werden einzelne Aspekte herausgegriffen, die potentiell einen Einfluss auf Innovation haben, was zu einem fragmentierten Bild in der Innovationsforschung führt. Des Weiteren kritisieren beispielsweise Weiss & Neyer (1990) in einer Metaanalyse über verschiedene statistische Arbeiten zum Thema Innovation, dass mehrheitlich zu kleine Samples verwendet werden, die keine Verallgemeinerung erlauben.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es daher, im Gegensatz zu der bisherigen meist fragmentierten Innovationsforschung einem holistischen Ansatz zu folgen, der keine potentiellen Erfolgsfaktoren im Vorfeld ausschließt. Dazu wurde das Ziel verfolgt, ein breites Sample zu generieren, welches eine möglichst weitgehende Verallgemeinerung zulässt und bei der Auswahl und Anwendung statistischer Methoden hohe Kriterien anzusetzen.

Die Untersuchung von Erfolgsfaktoren für Innovation von der Ebene der Person bis hin zu den von Volkswirten betrachteten nationalen Innovationssystemen ist ein zu breites Feld für eine einzelne Studie. Daher wird die vorliegende Forschungsarbeit die Perspektive der Organisation beleuchten; im Speziellen die Perspektive größerer, international agierender Unternehmen.

Zunächst wird der Begriff der Innovation und der Innovationsfähigkeit definiert und ein Überblick über die aktuelle Forschung gegeben. Daraufhin werden Ziel und Aufbau des neuen empirischen Modells diskutiert und das empirische Vorgehen dargestellt; beginnend mit der Erstellung einer hochwertigen, breiten Datenbasis und der strengen Auswahl der verwendeten Items, über die Extraktion der einzelnen potentiellen Erfolgsfaktoren und deren statistische und inhaltliche Validierung. Im Anschluss wird die Innovationsfähigkeit für die Unternehmen aus Eigen- und Fremdperspektive erhoben und darauf basierend getestet, welche der extrahierten Faktoren einen direkten Einfluss auf die Innovationsfähigkeit der Unternehmen haben und somit einen Erfolgsfaktor für Innovation in Unternehmen darstellen. Abschließend werden die gefundenen Faktoren in den Kontext der aktuellen Forschung gesetzt, um zu zeigen, dass das Modell geeignet ist, dem Anspruch des holistischen, umfassenden Modells gerecht zu werden.

 
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