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5.5 Das Zeigen weiterer Filmsequenzen

Nachdem der Aufbau des Fernsehers (unter Berücksichtigung der Kameras) beendet wurde, werden weitere Filmszenen abgespielt und von Zeit zu Zeit der Spielfilm unterbrochen, um die agierenden Personen, die Konstellationen und Ereignisse durch die Schüler zusammenfassen zu lassen.

Die Lehrerin stoppt den Film und fordert die Schüler auf: „So, versucht amal, die St| die Szene festzuhalten“ (Z 496). Die Fragen der Schüler zielen auf die Namen der handelnden Personen (Frau Müller, Peter Müller; Blockwart Heinz, Jens, …), wobei die Lehrerin die Namen nicht genau nennen kann, sich dann korrigiert und einen falschen Namen angibt (Z 499-511). Sie weist auf eine weitere Person hin: „Der andere Herr, (..) der spielt noch ein-e (.) relativ bedeutende Rolle im Film“ (Z 512). Sie fragt an dieser Stelle nach den Gefühlen: „Vielleicht geht´s auch ein bissl auf die Gefühle ein, die jetzt schon beginnen, da (…) eine besondere Rolle zu spielen?“ (Z 514-515). Will die Lehrerin hier andeuten, dass eine besondere Beziehung zwischen Peters Mutter, Frau Müller, und Herrn Knopp beginnt? Dann müsste sie davon ausgehen, dass schon aus der ersten Begegnung eine sich anbahnende besondere Beziehungskonstellation erahnt werden kann. Die Schüler haben bis dahin aber vor allem eine Szene des Übergriffs, der Drohung und Gewalt zwischen dem Blockwart Hinz und Frau Müller und ihren Söhnen gesehen. Edi reagiert auf ihren Aufruf mit der Nachfrage: „Soll´n wer a Watsch'n schreiben?“ (Z 517) und Veit führt aus: „Ich hab geschloag'n g´schrieben“ (Z 518). Die Lehrerin lässt sich auf die Angebote der Schüler kaum ein und führt aus: „Ich glaub nicht, dass die Watsch'n das Wichtige is, sondern eher d-i-e (.) Situation, die der Herr Blockwart (..) verbreitet (.) und was der macht.“ (Z 522-523). Sie gibt jedoch keine weiteren Hinweise, die es ermöglichen, die Konstellationen in dieser Situation zu erfassen. Indem sie den Gestapo-Mann als „Herrn“ bezeichnet, hebt sie auf seinen Habitus ab, ohne Hilfe zu geben, die hinter ihm stehende Organisation (Gestapo), ihre Gefährlichkeit und seine Position

in dieser einschätzen zu können.

Die Schüler werden aufgefordert, sich beim Betrachten der weiteren Szenen individuell Notizen zu machen. Während der Stillarbeit fragt Veit die Lehrerin unter Bezugnahme auf den zu Beginn des Unterrichts gegebenen Arbeitsauftrag und den Hinweis auf die Tabelle: „Was haben Sie g´meint mit den Juden beim Nationalsozialismus? Wie hätt´ mer das dazu schreiben können?“ (Z 534-535). Die Lehrerin beantwortet die Nachfrage so: „Noch goar nix. Weil da hast ja jetzt noch nix sagen können.“ (Z 537) und präzisiert: „Aber wenn, dann ob die verfolgt werden ( ) oder was da passiert“ (Z 539). Ihre Nachfragen an die Klasse, ob es schon geht, alle fertig sind, werden je unterschiedlich beantwortet und die Lehrerin entscheidet, den Film weiter abzuspielen. Bei weiteren Szenen stoppt die Lehrerin nicht und setzt gelingende Informationsverarbeitung voraus. So werden z. B. die Familienkonstellation von Peter, Willi, Oma Klara und Frau Müller und die Bedeutung des Verlusts des Vaters nicht wirklich geklärt. Die Frage, die Peters Bruder im Film aufwirft: „Er hatte uns lieb, oder? (.) Oder nicht?“ (Z 650), wird von einigen Schülern belacht (Z 651-652). Das im Verlauf des Spielfilms sichtbar werdende moralische Dilemma, dass sich Peters Vater gegen Unterdrückung der Juden wandte, damit aber das Wohl seiner Familie und sein eigenes Leben riskierte, wird nicht geklärt.

Die Lehrerin spielt einige weitere Szenen ab und greift erst nach der Szene im Café Bismarck ein (Z 868). „Passt auf, das ist jetzt eine Schlüsselszene. (.) Ah ich spiel euch das noch amal vor und zwar deshalb, we-i-l ihr auf des Gespräch besonders achten sollt (.) Ähm“ (Z 868-870).

Die Schüler fassen – trotz entsprechender Aufforderung ‒ die Szene nicht zusammen, sondern fragen nach dem Namen des in der Szene mitwirkenden Mädchens und unterhalten sich über die Schauspielerin. Während die Szene noch einmal läuft, stellt die Lehrerin Fragen und beantwortet diese selbst: „Was sagt der Thomas? Erstens: Diese verdammten Kontrollen.“ (Z 908). Sie betont, als die Kamera Emil zeigt: „Das ist der Emil“ (Z 927) und „Der war auch Swing Kid“ (Z 930).

Die Brisanz dieser Aussage wird von den Schüler/innen durch Nachfragen nach der Schreibweise des Namens Emil und der Bezeichnung Hepcat in ihrer Bedeutung relativiert. Die Lehrerin beharrt noch einmal: Diese Gespräche sind viel wichtiger“ (Z 951), ohne dass sie diese explizit in ihrem Gehalt rekonstruieren lässt. In der nächsten Szene hebt die Lehrerin hervor, dass ein Junge in Uniform die Swing Kids-Melodie pfeift: „Das war jetzt einer in Uniform, der aber die Swing Kids-Melodie gebracht, gepfiffen hat“ (Z 965-966).

Die Lehrerin lässt den Film weiter laufen und stoppt ihn mit der Aufforderung:

„So. (.) Vielleicht könnt ihr diese letzten Szenen jetzt (.) noch einmal reflektieren. Das Gespräch zwischen diesem Herrn (.) Köpp und dem (.) Peter.“ (Z 1207-1208).

Die Schüler klären noch einmal Namen der Protagonisten im Film. Edi gibt an, fertig zu sein und erhält den Auftrag, dann den Videorekorder „rüber(zu) führen“. Die Lehrerin gibt, während einige noch schreiben, Hinweise, die Klasse aufzuräumen, Papiere aufzuheben. Die Schüler stellen die Stühle hoch (Z 1242) und werden für Interviews in Empfang genommen.

 
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