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9 Der virtuelle Raum und rekursive Produktion der Stadtlandhybriden von Los Angeles

Für die Los Angeles School verkörpert die Agglomeration in ihrem Spannungsfeld von Globalisierung, Segmentierung, Ethnisierung, Suburbanisierung und Umweltbelastung die Zukunft des Städtischen schlechthin. Die Stadt, oder vielmehr der Stadtlandhybrid, steht dabei in einer unauflöslichen Beziehung mit dem Film, der Filmkultur und der Produktion von Selbstbildern (Huber/Stern 2002: 24). Filme erschaffen Landschaften,

indem sie Städte, Länder und Regionen thematisieren sowie Geschichten und Begebenheiten erzählen (Escher/Zimmermann 2001: 228; vgl. auch Bollhöfer 2003). Sie tragen gerade in Los Angeles zum Branding, als die Durchsetzung einiger dominanter Lesarten einer Stadt, welche Besuchern wie auch Einheimischen den Eindruck vermitteln, dass man die Stadt kennen kann (Löw 2010: 84), bei. Der Stadtlandhybrid Los Angeles stellt dabei etwas zwischen vermachtetem Trugbild einer Stadt, als Erzeugung der Medien, ein Simulacrum eben, und einer Fiktion mit räumlicher Dimension und Verortung dar. Landschaften in medialen und virtuellen Welten stellen eine Erweiterung des im physischen Raum verankerten architektonischen Hyperspace (Jencks 1977) in der Dimension des secondspace von Soja (1996) dar (Fröhlich 2003). Mediale und virtuelle Stadtlandhybride des secondspace wirken dabei sowohl auf den physischen Raum (als Teil des firstspace) und auf die alltagsweltlichen Raum- und insbesondere Landschaftsbezüge zurück (thirdspace; Fröhlich 2003).

Eine wesentliche Eigenlogik der Entwicklung des Stadtlandhybriden Los Angeles ist seine Mystifizierung und Selbstmystifizierung, die Buntin (2009: ix) stark kontrastierend fasst: Andere Städte haben Geschichten. Los Angeles hat Legenden. Diese Legenden sind auch mit Namen von Schriftstellern und Regisseuren wie Raymond Chandler und Billy Wilder, Roman Polanski, David Lynch, James Elloy und Paul Haggis verbunden (Buntin 2009), die historische Aspekte der Entwicklung des Stadtlandhybriden aufgriffen und wirkmächtig zu einem Simulacrum von Los Angeles verdichteten. Im Folgenden werden nach einigen einführenden Worten zur medialen Inszenierung des Stadtlandhybriden Los Angeles Filme aus unterschiedlichen Genres sowie eine Fernsehserie in Bezug auf ihre expliziten und impliziten Aussagen über den Stadtlandhybriden Los Angeles untersucht. Daran anschließend verschiebt sich der Fokus von professionell gestalteten Medieninhalten in Richtung einer bisweilen stärker laienhaften Konstruktion von Los Angeles am Beispiel von YouTube-Videos und ihrer Kommentierung durch Dritte im Internet.

 
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