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8.6 Kompartimente des postmodernen Stadtlandhybriden: ein vorläufiges Fazit

Die in diesem Kapitel dargestellten Ergebnisse zeigen differenzierte in der Logik der Entwicklung des Stadtlandhybriden Los Angeles eingelagerte Eigenlogiken seiner Kompartimente auf unterschiedlichen Maßstabsebenen (vgl. Löw 2010). Sieht sich der Stadtlandhybrid Los Angeles in Gänze im Wettbewerb mit Global Cities wie insbesondere New York, aber auch London, Paris und Tokyo, schrumpft diese Maßstabsebene bei seinen Kompartimenten auf regionalen Maßstab zusammen: Hier konkurrieren Riverside, Irvine, Santa Ana, Santa Monica, Anaheim etc. Siedlungen, die wiederum völlig unterschiedliche Entwicklungspfade mit unterschiedlichen Abfolgen verschiedener Akteurs- und Machtkonstellationen beschritten haben.

t In Chinatown basiert diese eigenlogische Entwicklung einerseits auf der spezifischen Verteilung sozialen Kapitals, aus dem insbesondere ökonomisches Kapital generiert wird, und andererseits und mit der ersten Entwicklung rückgekoppelt der lange Zeit vorherrschenden Stigmatisierung durch den Diskurs Hegemonialkultur.

t Orange County stellt ein Konglomerat sich materialisierter Illusionen einer postfordistisch-demokratischen und nachhaltigen Gesellschaft mit ländlichen Strukturen bei gleichzeitiger Simulation von Urbanität dar (vgl. Graham 1997, Starr 2006)[1]. Orange County bildet mit seinen Edgless Cities eine andere postmoderne Polarität zur restrukturierten Downtown von L. A.: Wenige Kristallisationspunkte intergenerationeller und verortbarer Identifikationsmöglichkeiten (wie das Angeles Stadium oder Disneyland) sind hier ausgebildet.

t Twentynine Palms versinnbildlicht den (gescheiterten?) Versuch das Wachstum des Stadtlandhybriden mit einer neuen Frontier gegen die Mojave-Wüste zu versehen.

t Ein Pol der Dauerhaftigkeit (in dem sich rasch physisch wandelnden Stadtlandhybriden) ist der Strand, er ist zu einem wesentlichen Bezugspunkt südkalifornischer Kulturen geworden und ist (in Teilen) als anomal kategorisierter und damit besonderer öffentlicher Raum erhalten geblieben.

Infolge des raschen Wachstums des Stadtlandhybriden Los Angeles im 20. Jahrhundert und der damit verbundenen Dominanz der Migration (weil zahlreiche Zuwanderer auch wieder abwandern) aus unterschiedlichsten Kulturkreisen gegenüber autochthonem Bevölkerungswachstum werden nur wenige bedeutsame Objekte generationenübergreifend lebensweltlich symbolisch in der gesellschaftlichen Landschaft als bedeutsam verankert (Hayden 1997; vgl. allgemein zu amerikanischen angeeigneten physischen Landschaften Körner 2010). Insofern sehen sich physische Objekte mit einem stärkeren Veränderungsdruck konfrontiert, als dies in städtischen Siedlungen mit längerer Historie und stabilerer Bevölkerung zu finden ist. Die Konstruktion besonderer Orte in Los Angeles erfolgt somit in vergleichsweise geringem Maßstab durch lebensweltliche Aneignung (in Form der Konstituierung durch Beobachtung und Vermittlung durch signifikante Andere (Kühne 2011) einer heimatlichen Normallandschaft) als durch mediale Inszenierung. Welche Objekte hier differenziert einer symbolischen Aufladung unterliegen, wird im nächsten Kapitel thematisiert.

  • [1] Jean Baudrillard (2004) charakterisiert Orange County als künstliches Paradies und primitive Kultur der Zukunft, geprägt durch Konservatismus, egomane Hausfrauen mit einem ausgeprägten Hang zum Konsumismus und Kindern, deren Handlungen im Wesentlichen von repressiver Entsublimierung geprägt sind (so eine sarkastische Charakterisierung von Schoenkopf 2007).
 
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