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8.5 Die Küste des Stadtlandhybriden: Ozean, Strand, Siedlung und ein Luxusliner

Die Strände der Agglomeration von Los Angeles bilden eine zentrale physisch-räumliche lebensweltliche Bezugsgröße der Bewohnerschaft Dabei ist Strand so John Fiske (2003: 51) eine anomale Kategorie zwischen Land und Meer, die weder das eine noch das andere ist, aber Merkmale beider enthält, womit sich Strand auch als MeerLand-Hybrid beschreiben lässt. Er wird in differenzierten Gesellschaften als eine OrtZeit-Verschränkung außerhalb der profanen Normalität (Fiske 2003: 51) genutzt, die weder Zuhause noch Arbeit darstellt.. Dabei überlagert der Mensch Fiske (2003: 53) zufolge den mächtigen Gegensatz von Land und Meer aus Gründen der Bequemlichkeit und Angstvermeidung [] mit der sozialen Struktur Natur/Kultur, in der er vermittelnde Kategorien schaffen kann. Land wird im Falle der Agglomeration von Los Angeles zur kultürlichen Stadt, das Meer zur Natur, ungezähmt, unzivilisiert, roh (Fiske 2003: 52). Der ästhetische Reiz des Strandes liegt in der Möglichkeit des Erfahrens dynamischer Erhabenheit aus der involvierten Distanz. Die Dynamik des Ozeans wird basierend auf Grundlagen sozial vermittelter Deutungs- und Erlebnismuster kognitiv fassbar, bisweilen auch kontemplativ erfahrbar, jedoch von einer physischen Struktur des randhaften Übergangs zwischen Ozean und Festland (hier stark anthropogen überformt und symbolisch besetzt) aus, die bei Zunahme der Wirkmächtigkeit des Dynamischen einen Rückzug in die (scheinbar) vertraute Sicherheit zulässt.

Der Natur-Kultur-/Meer-Land-Hybride Strand verortet sozial attraktiv geltende Tätigkeiten (wie baden, sonnenbaden, surfen, nackte-Haut-zeigen; vgl. auch Löfgren 2002), so dass der Mensch technische Maßnahmen ergriffen hat, um diesen Hybriden sowohl land-/kulturals auch see-/naturwärtig auszudehnen: Strandpromenaden und Strandcafés auf der einen und Piers auf der anderen Seite implizieren eine weitere Differenzierung des doppelten Hybriden Strand. Die große Bedeutung des Strandes für die Jugendkultur erwächst laut Fiske (2003: 68) zufolge aus dieser Hybridität, weil auch die Jugend selbst eine anomale Kategorie [oder einen Hybriden; Anm. O. K.] darstellt, jene zwischen Kind und Erwachsenem, eine Bedeutung, die medial rekursiv verfestigt wird (vgl. Abschnitt 9.2.6 Die Perspektive des Suburbiums: Die Serie O. C. California).

Als weiteres physisches Manifest dieser Handlungsnorm (des Versuchs) der Darstellung der Besonderung lässt sich die Überführung des Luxusliners Queen Mary von Southampton nach Long Beach im Jahre 1967 interpretieren (vgl. Olessak 1981; Abbildung 75). Der Luxusliner stellt ein Symbol der großen Vergangenheit des transatlan-

Abbildung 75 Die zum Hotel umgebauteQueen Mary in Long Beach (Aufnahme: März 2011).

tischen Personenschiffsverkehrs auf der klassischen Nordatlantikroute SouthamptonCherbourg-New York dar und versinnbildlicht das (vermeintliche?) Selbstbewusstsein Südkaliforniens gegenüber den Städten der Ostküste (insbesondere New Yorks). Dabei stellt der Umgang mit dem Schiff nahezu idealtypische Bezüge zur Postmoderne dar: Erstens wird das Historische gewürdigt, nicht jedoch das Historische, dem eine gewisse Authentizität zu unterstellen wäre, sondern zweitens ein historisches Objekt, das lediglich eine rudimentäre symbolische Verbindungen zu dem aktuellen Liegeplatz hat und drittens fand eine Umnutzung als Hotel und Restaurant vollgepumpt mit Stimulanzien (Morris 2002: 611, zuerst 1976) statt, nicht etwa eine Restaurierung nach Originalplänen.

 
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