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5.2 Zur Ankündigung des Vorgehens in der Schulstunde

Die Schüler werden über den Inhalt und das Vorgehen in dieser Geschichtsstunde so informiert: „Wir werden heute einen Großteil des Films anschauen, dass er nicht immer so unterbrochen ist. Ich werde aber alle zehn Minuten bis Viertelstunde (.) abschalten (.) und ihr habt dann fünf Minuten Zeit. Und nehmt die Hefte heraus, bitte. {SS holen ihre Unterlagen heraus}. Um euch (.) […] Notizen zu machen. Und schaut bitte auf zwei Schwerpunkte, die ich euch (jetzt) angebe“ (Z 132-139).

Nach einer Phase der Organisation der Filmvorführung (Z 141–164) gibt sie die Schwerpunkte bekannt:

„dass ihr auf zwei Schwerpunkte jetzt achtet. Auf der einen Seite (…) die Entwicklung (.) dieser nationalsozialistischen Strömungen und dadurch (..) die (.) gesellschaft Veränderung den Juden gegenüber. (..) Auf der anderen Seite (..) die Entwicklung (.) der Freundschaft, Edi, hörst du zu? Schreibst des mit! […] Die Entwicklung der Freundschaft unter diesen (.) Jugendlichen. (..) Und auf diese zwei Schwerpunkte schaut ihr ganz besonders. Vielleicht macht ihr euch, ich weiß nicht, wie ihr das unterteilt im Heft, (.) eine (.) Spalte, dass ihr auf der einen Seite Nationalsozialismus Juden schreibt, auf der anderen Seite Freunde, äähh (.) und da das Augenmerk drauflegt bitte“ (Z 165-175).

Das Betrachten des Films soll durch einen Arbeitsauftrag angeleitet werden, der mündlich gegeben wird und von den Schülern mitgeschrieben werden soll. Der Arbeitsauftrag ist unpräzise gefasst: die Lehrerin spricht von „einer“ Spalte, statt von zwei Spalten. Der Arbeitsauftrag suggeriert eine Parallelität und einen inneren Zusammenhang beider Entwicklungen. Das organisierende Dritte für diesen Zusammenhang müsste von der Lehrerin benannt oder es müsste danach gefragt werden. Anders als durch den Arbeitsauftrag nahe gelegt, entwickeln sich die Protagonisten (vor allem Peter und Thomas) nach dem Eintritt in die Hitlerjugend und unter ihrem Einfluss und aufgrund ihrer je unterschiedlichen Verarbeitung der Erfahrungen (und nicht durch äußerlich bleibende nationalsozialistische Strömungen) auseinander. Der Arbeitsauftrag der Lehrerin gibt also nicht nur eine falsche Richtung für Beobachtung und Analyse vor; er kann auch, auf der Grundlage der in dieser Unterrichtsstunde gezeigten Filmszenen, nicht sinnvoll bearbeitet werden. Darüber hinaus scheint es mir unter einer fachlichen Perspektive problematisch, im Jahr 1939 von der Entwicklung nationalsozialistischer Strömungen zu sprechen, wurden doch in diesem Jahr „Durchführungsverordnungen zum ‚Gesetz über die Hitlerjugend vom 1.12.1936' am 25. 3. 1939“ erlassen (vgl. Klönne 1995, S. 36). Mit der Formulierung des Arbeitsauftrages ist für die Lehrerin die Aufgabenstellung und Anleitung des Filmbetrachtens beendet. Sie nimmt einen Klassenbucheintrag vor (Z 176-177).

 
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