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7.4.2 Die weniger urbanen Teile des Stadtlandhybriden: Von Homeowners Associations, Shopping Malls, Gated Communities und Angst

Die Aktivitäten der symbolischen und physischen Absonderung der Träger eines höheren Bestandes an symbolischem Kapital gegen die Träger geringerer Kapitalbestände manifestieren sich auch außerhalb von Downtown. Dabei wird die immer weiter ausgreifende Siedlungstätigkeit in der Agglomeration von Los Angeles mit der selektiven Wanderung von Personen mit höherem symbolischem Kapitel (auch) durch die Steuern der verbliebenen und zuziehenden Bevölkerung mit einem geringeren Bestand symbolischen Kapitals subventioniert: Die Kraftstoffsteuern werden für den Bau neuer Umgehungsstraßen verwendet, und die höheren Wasserpreise dienen dazu, die hohen Kosten des California-Aquäduktes für die Versorgung der neuen Vorstädte wieder hineinzuholen (Davis 2004: 108). Zugleich passen die Developer auf Grundlage von sozialwissenschaftlichen und psychologischen Untersuchungen ihre neu entwickelten sub- und desurbanen Siedlungen den (stereotypen) Vorstellungen von potenziellen Kunden an, die sich auf Naturnähe und zahlreiche Freizeit- und Unterhaltungsmöglichkeiten ohne Kriminalität und ohne die Monotonie fordistischer Vorstädte beziehen (Davis 2004). Vorstellungen, die ihren eigenen ständigen Erosionsprozess produzieren und mit der Errichtung weiterer sub- und desurbaner Siedlungen rückgekoppelt sind. Diese Siedlungen wiederum werden vielfach in ökologisch sensiblen Gebieten bzw. in solchen Gebieten errichtet, die für die Gesellschaft aus ökologischer Sicht sensibel sind, wie an den feuergefährdeten Hängen der Santa Monica Mountains oder in Malibu, wobei auch hier die (vielfach nachträgliche) Sicherung gegen das Übergreifen von Buschbränden[1] und die Wiederaufbauhilfe aus regionalen und nationalen Haushalten und somit von den residualen Bevölkerungsteilen aus den Innenstadtbereichen von Los Angeles wie den älteren Suburbiumssiedlungen finanziert werden.

Die Suburbiumswohnsiedlungen sind im Wesentlichen durch das Kalkül ihrer Bewohnerschaft geprägt, symbolisches Kapital zu erhalten bzw. zu mehren (Cronon 1996a, Starr 2006, Davis 2004). Mike Davis (2004) subsumiert dieses Bestreben in drei wesentlichen Dimensionen:

1. Das ökonomische Kapital in Form der Grundstückswerte ist zu sichern.

2. Die Gemeinschaft der Gleichen (als Community bezeichnet) als Grundlage sozialen und ökonomischen Kapitals heißt in Los Angeles Homogenität von Rasse, Klasse und besonders Marktwert des Hauses (Davis 2004: 156).

3. Diese Community organisiert sich unter symbolischem Rückgriff auf historische (bzw. historisch scheinende), administrativ allerdings bedeutungslose Siedlungsbezeichnungen, die an Straßenrändern angebracht sind und eine Demarkationslinie der Systembildung darstellen (sollen).

Dieser sich auch im Physischen, durch die Bemühung um sensorisch wahrnehmbare Trennung zum Außen z. B. durch spezifische Architektur, manifestierende Drang zur Besonderung im Privaten steht im Gegensatz zur Gestaltung der größten Teile der Gewerbegebiete im Stadtlandhybriden. Hier manifestiert sich der Drang (und Zwang) zur Flexibilität in Gebäuden, die hinsichtlich einer Maximierung möglicher Nutzungen und somit architektonisch wenig auf Spezifität (z. B. im Sinne eines form follows function) ausgerichtet sind, wodurch nach kurzem Umbau aus einer Lagerhalle für Getränke eine Produktionshalle für Textilien, aus einem Anglo-Supermarkt eine koreanisch-amerikanische christliche Kirche (Hayden 1997: 85) werden kann, Objektnutzungsverschiebungen also, die Instabilität symbolisieren und durch geringe spezifische Wiedererkennbarkeit gekennzeichnet sind.

Die mächtigste soziale Bewegung in Südkalifornien sind wohlhabende Eigenheimbesitzer, die sich unter Nutzung dieser Siedlungsbezeichnungen organisieren, um den Wert ihrer Grundstücke aufrecht zu erhalten oder zu steigern (wenn es beispielsweise einer Community gelingt, sich symbolisch durch einen anerkannten Siedlungsnamen von dem übrigen Siedlungsgebiet abzusondern). Das Ziel der Sicherung des symbolischen Kapitals durch wohlhabende Hauseigentümer impliziert auch Ansprüche an die Strukturierung des physischen Raumes: Homeowners Associations sind wesentliche Kräfte in der Slow Growth-Bewegung, die sich für ein verhaltenes Wachstum der Agglomeration einsetzt. Das Kalkül dieser Bewegung ist weniger ein ökologisches oder ästhetisches, sondern vielmehr ein ökonomisches (Agnew 1981, Gottdiener/Nieman 1981, Gayk 1995, Olin 1995, Blakely/Snyder 1997, Purcell 1997, Pincetl 1999, SchneiderSliwa 2005, Davis 2004): Durch ein die Nachfrage nach Wohnraum nicht befriedigendes Angebot steigen die Immobilienpreise und damit der Bestand ökonomischen Kapitels der Hauseigentümer. Im Zuge des Ausbaus des Straßennetzes sinken prinzipiell die Transportzeiten (und -kosten), was wiederum weitere Suburbanisierung erleichtert, bis die neu errichteten Straßen wiederum durch hohe Verkehrsbelastung geprägt sind (in Anspielung auf diesen Zusammenhang nannte sich eine Slow Growth-Bewegung in Newport Beach, die sich in den 1980er Jahren mit der Irvine Company erbitterte Auseinandersetzungen lieferte, bezeichnenderweise Gridlock; vgl. 8.3.1 Irvine der mittlere Geschmack und seine Edge-City). Infolge ihres hohen Organisationsgrades sind diese Homeowners Associations auch von politischer Bedeutung und sie sind im politischen Kontext gegenüber den Landentwicklern im strategischen Vorteil, dasie ihre Interessen in Wahlergebnissen manifestieren können, während die Developer (neben ihren eigenen Interessen der Steigerung ihres ökonomischen Kapitelbestandes) die noch nicht in Wahlergebnissen manifestierbaren Interessen künftiger Eigenheimbesitzer in bestimmten Teilräumen vertreten[2]. Das rationale Kalkül von Developern ist also weniger auf die Erweiterung bestehender Siedlungen, als auf die Errichtung neuer Siedlungen ausgerichtet, hier ist der Widerstand der Homeowners Associations verhaltener und insbesondere politisch weniger wirksam. Eine Einschränkung des Widerstandes gegen neue Siedlungen durch die Homeowners Associations entsteht dann, wenn die Steigerung der Immobilienpreise deutliche Steuersteigerung nach sich zieht, die bei einem mittleren Einkommen die traditionelle Haushalts-Rechnungsführung aus den Angeln hebt (Davis 2004: 182; vgl. auch Gottdiener/Nieman 1981, Gayk 1995, Purcell 1997) wie in den Zeiten der südkalifornischen Bodenpreisinflation Ende der 1970er Jahre (vgl. auch Cuff 2001).

Deutlicher noch als gegen den Bau neuer Eigenheimwohnanlagen richtet sich der Widerstand der Homeowners Associations gegen die Anlage von Strukturen, die unmittelbar von einer geringeren Ausstattung symbolischen Kapitals geprägt sind oder davon zeugen. Während die Errichtung von Gebäuden für Personen mit einem hohen Ausstattungsgrad an symbolischem Kapital zu einem steten Zuwachs an Gebäuden außerhalb der Innenstadt von Los Angeles führt, stagniert der Wohnraumzuwachs für Personen am unteren Ende der Skala der Verfügbarkeit symbolischen Kapitals bzw. geht infolge von Gentrifizierungstendenzen sogar zurück. Sozialwohnungsbau bleibt in Los Angeles (wie auch andernorts in Kalifornien) weitgehend unpraktiziert, weil ein Zusatzartikel zur Verfassung aus dem Jahre 1952 die Verpflichtung vorsieht, dass die Anwohner dem Bau von Sozialwohnungen mit Zweidrittelmehrheit zustimmen müssen (Davis 2004: 136), eine Mehrheit die schwerlich zu finden war und ist, so lehnten im Sommer 1952 die Einwohner von Los Angeles Proposition B mit dem Ziel der Errichtung öffentlichen Wohnraums mit 379 050 Neinzu 258 777 Ja-Stimmen ab (Buntin 2009). Das Unterfangen, öffentlichen Wohnungsbau durchzusetzen, löst bis in die Gegenwart angesichts der LULU-Einstufung von Sozialwohnungsbau in der Nähe von Siedlungen von Personen mit einem höheren Ausstattungsgrad an symbolischem Kapital in den betroffenen Gebieten NIMBY- und BANANA-Reflexe aus. Somit bleiben Konzepte zur Errichtung von Sozialsiedlungen in den spezialisierten und homogenisierten administrativ-territorialen Einheiten in der Agglomeration von Los Angeles weitgehend ohne Chance auf Umsetzung. Die Unterstützung der Ziele der Homeowners Associations durch die Repräsentanten der lokalen Politikvollzieht sich aus dem Kalkül der Sicherung von Machtressourcen heraus, wobei euphemistisch von lokalen Politikern als Repräsentanten der lokalen Politik als Stimme der lokalen öffentlichen Interessen gesprochen wird (Gottdiener/ Nieman 1981, Marchand/Scott 1991, Wolch/Pincetl/Pulido 2002, Starr 2006): die Anhänger der Homeowners Associations sind aktuell wahlberechtigt, Zuziehende lediglich möglicherweise und dann bei bereits gewachsenen Siedlungen in vergleichsweise geringerer Zahl. Dabei dient auch der Slow Growth-Bewegung in der Agglomeration von Südkalifornien New York als Gegenstand der Abgrenzung, so nennt sich ein Bündnis

Not Yet New York. New York symbolisiert alles, was die WASP-Mittelschicht der Agglomeration ablehnt (Purcell 1997, Davis 2004): Urbanität, ethnische Mischung, Mietwohnungsbau, öffentliche Verkehrsmittel und Intellektualismus. Die rekursiv mit dem Ausgreifen von Siedlungen in bislang unoder schwach besiedelte Gebiete rückgekoppelte Erschließung des Stadtlandhybriden von Los Angeles mit einem System breiter Straßen kommt der Sicherheitsfixierung der gegenwärtigen amerikanischen Gesellschaft entgegen: Die Überwachung des öffentlichen und halböffentlichen Raumes lässt sich vom Streifenwagen der Polizei (oder vom Auto des privaten Sicherheitsdienstes) sicherstellen, das Verwinkelte und Geheimnisvolle der vormodernen Stadt (Siebel 2004) ist durch großzügige (wenig fußgängerfreundliche) Asphaltflächen ersetzt.

In Anbetracht der vielfach ökonomisch, kulturell, sozial und ethnisch segregierten Wohnungsmärkte, dem ständigen Zuzug (vielfach illegaler) armuts- und hoffnungsbedingter Zuwanderung (zu den Mechanismen der Migration zwischen Lateinamerika und den USA siehe Berndt 2009) und der Gentrifizierung innerstädtischer Quartiere, stiegen die Mietpreise im innenstadtnahen unsanierten, erdbeben- und feuergefährdeten Altbaubestand an. Die Wohnungsarmut in der Nähe des Stadtzentrums sowie mangelnde Substitutionsmöglichkeiten hinsichtlich des Wohnstandortes (nicht nur infolge von Diskriminierungen von Schwarzen, Hispanos u. a., sondern auch infolge der Automobilzentrierung des Pendelverkehrs) werden durch steigende Belegungszahlen innerstädtischer Wohnquartiere zu kompensieren versucht, was wiederum die Brandgefährdung erhöht (Davis 2004, Starr 2006). Privat finanzierte, durch bundesstaatliche Steuerbefreiungen und durch einen veralteten Bebauungsplan zusätzlich lukrativ gemachte Neubauprojekte in den innenstadtnahen Stadtteilen seit den 1980er, die Davis (2004: 144) als dreistöckige Gipsbaracken bezeichnete, die nur von ihren dazugehörigen Garagenbauten mehr schlecht als recht abgestützt wurden, brachten nur eine marginale Entspannung auf dem Wohnungsmarkt und keine Verbesserung der Erdbeben- und Feuersicherheit mit sich (ähnl. Starr 2006).

Die Ästhetik der Angst manifestiert sich im physischen Raum besonders deutlich in den Sicherungsbauwerken des Stadtlandhybriden Los Angeles. Begründet liegt die Errichtung von Gated Communities, die Überwachung des privaten, halböffentlichen und öffentlichen Raumes mit Kameras, Einlasskontrollen in Shopping Malls und Bürogebäuden etc. in der Angst vor Unsicherheit und der damit verbundenen Sehnsucht des mittleren Geschmacks nach Ordnung; sie lassen sich einerseits als Imitation der Handlungsmuster des legitimen Geschmacks durch den mittleren Geschmack interpretieren, schließlich greifen sie ein Handlungsmuster der herrschenden Klasse in den Vereinigten Staaten auf: sich zu separieren Wyckoff (2010: 386) spricht sogar von den Reichen als der enklavenproduzierenden Klasse. Andererseits machen sie Angst unmittelbar greifbar (Bauman 2008: 18; vgl. hierzu auch Blakely/Snyder 1997, Phillips 2000, Glasze 2003, Gold/Revill 2003). Ein Aspekt der Angst ist jene des Verlusts des stereotyp Schönen: Insbesondere suburbane Gated Communities weisen Gestaltungsmerkmale von Landschaftsgärten mit eingelagerten Sportstätten auf, die es aus Perspektive der Bewohner vor Übergriffen zu schützen und hinsichtlich ihrer distinktiven Funktion (ein-

Abbildung 60 Suburbane Idylle, hier in einer Gated Community in Irvine, Orange County, als Ausdruck der Sehnsucht nach dem entkomplexisierten Leben im Stile eines Urlaubsresorts, in der Repräsentanzen des sozial Unerwünschten invisibilisiert werden: Symbol derguten Nachbarschaft ist der Verzicht auf Zäune innerhalb der Anlage (durch deren Kumulation an der Außengrenze) sowie die relativ dichte Bebauung aus Parzellen, die kleiner sindals es für Landsitze und suburbane Residenzen der Oberschicht als angemessen galt (Herget 2001: 43; Aufnahme: März 2006)

geschränkte Zugänglichkeit) zu erhalten gilt (Wyckoff 2010; siehe auch Frantz 2001). Sie lassen sich einerseits auch als physische Manifestationen der Flucht aus Angst vor der

chaotischen Intimität des Großstadtlebens (Bauman 2009b: 67) in der Sehnsucht nach Gemeinschaft interpretieren, andererseits auch als Sehnsucht nach dem zeitlich unbegrenzt erscheinenden Leben in einem Urlaubsresort (Culver 2010; Abbildung 60).

Davis (2003) beschreibt für die so entstandenen angeeigneten physischen Stadtlandschaften der Festungen interne und externe Effekte: Intern sieht er eine Verstärkung der Paranoia derjenigen, die sich aus einem Sicherheitsbedürfnis heraus absondern, eine Paranoia, die weitere Sicherheitsbedarfe intendiert (womit ein rekursives Verhältnis zwischen Sicherheitsbedürfnissen, Paranoia und physischen Sicherungsmaßnahmen beschreiben ist; im Sinne der Systemtheorie lässt sich hier auch von einer positiven Rückkopplung sprechen). Extern führt die Ausprägung von Festungslandschaften zur Exklusion und Repression gegenüber großen Teilen der städtischen Bevölkerung. Diese finden sich in den Residualsegregationsvierteln, deren Organisationsfähigkeit zur Formulierung ihrer eigenen Interessen abnimmt, weil Personen mit höherem kulturellen Kapital abwandern und Personen mit geringerem kulturellen Kapital zuwandern (Arias 2010), den Ghettos, ausgesperrt (vgl. auch Clark 1996, Blakely/Snyder 1997, Phillips 2000,

Shirlow 2000, Frantz 2001, Davis/Monk 2007, Arias 2010). Die Paranoia der Träger des mittleren Geschmacks erfährt durch die Sicherheitszentrierung der Politik in Los Angeles eine Offizialisierung. Durch eine hohe Präsenz an Sicherheitsdiensten (insbesondere an den Grenzen der Festungen) und Polizei (insbesondere außerhalb der Festungen in den Resten des öffentlichen Raumes) wird das paranoide Sicherheitsbedürfnis der Träger des mittleren Geschmacks auch auf öffentliche Räume und deren Grenzen projiziert und macht die Erhabenheitsästhetik der Angst nahezu omnipräsent.

Ein wesentlicher Grund für die residuale Segregation zahlreicher innerstädtischer Wohnviertel in Los Angeles (insbesondere South L. A.) ist auch in der Sicherheitsparanoia der Träger des mittleren Geschmacks zu suchen: Infolge der präexistenten baulichen Strukturen und Infrastrukturen und der dispersen Eigentumsstrukturen widerstehen diese Viertel den physisch zu manifestierenden Sicherheitsansprüchen der Träger des mittleren Geschmacks stärker als bei Greenfieldinvestitionen (z. B. in Gated Communities), bei denen diese Artefakte, resultierend aus den aktuellen sozial vermittelten paranoiden Sicherheitsansprüchen potenzieller Bewohner, weniger technisch und ohne Probleme ökonomisch effizienter werden können (Soja 1996, vgl. auch Phillips 2000, Sherman 2009). Die Angst vor physischen Übergriffen manifestiert sich nicht nur in den Refugien der Mittel- und Oberschichtmilieus, sondern auch in den (ethnisch segregierten) abstiegsgefährdeten Milieus der oberen Unterschicht: Vergitterte Fenster oderWarnhinweise auf den beabsichtigten Schusswaffengebrauch gegen Eindringlinge gehören in innerstädtischen und innenstadtnahen Quartieren zu den alltäglichen Symbolen objektvermittelten Handelns (vgl. Abbildung 56). Diese Entwicklungen lassen sich mit Zygmunt Bauman (2008: 84) als Secutitarism, ein Neologismus, gebildet aus Security und Totalitarism, bezeichnen. Gated Communities, zu Festungen ausgebaute Bürohochhäuser, vergitterte Fenster, Warntafeln vor bissigen Hunden bis hin zum Schusswaffengebrauch u. a. lassen sich als Folge der Deregulierung und Subsidiarisierung von Angst infolge der neuen Unsicherheiten deuten (Bauman 2008: 103; vgl. auch Blakely/Snyder 1997, Reese-Schäfer 2002): Das heißt, man hat sie [die Ängste; Anm.

O. K.] lokalen Initiativen und Bemühungen überlassen und größtenteils privatisiert; sie sind in erheblichem Maße in den Bereich der life politics verlagert worden, der letztlich der Sorge und dem Einfallsreichtum des Einzelnen überlassen ist, sowie dem freien Markt, der alle Formen gemeinschaftlicher (politischer) Einflussnahme oder gar Kontrolle zutiefst verabscheut und sich ihnen weitgehend entzieht. Shopping Malls, Gated Communites und durch Schleusen gesicherte Hochhäuser lassen sich in Anschluss an Blakely/Snyder (1997) als physische Manifeste des Willens der Absonderung von einer urbanen Gesellschaft wie auch als Triumph des Privatismus gegenüber dem Öffentlichen interpretieren (vgl. auch Siebel 2007). Sie dokumentieren auch als physische Repräsentationen die Zersplitterung des richtigen Weges in ökonomisch vernünftig, ästhetisch angenehm und moralisch sauber (Bauman 2009a: 14): Sie sind ökonomisch vernünftig, weil sie das Bedürfnis nach Sicherheit kapitalisieren, ästhetisch angenehm, weil sie angenehm kategorisierte Atmosphären, auch der Sicherheit vor unerwünschten Sinneseindrücken, schaffen, hinsichtlich der Dimension moralisch sauber weisen sie jedoch (z. B. vor dem Hintergrund der Chancengerechtigkeit) Defizite auf, da Mindermächtige ausgeschlossen werden.

  • [1] Die Chaparral-Vegetation als eine großräumige Strauchformation im mediterranen Klima Südkaliforniens ist Teil eines Feuerökosystems, das zum Fortbestand auf episodische Feuer angewiesen ist. Die sommerliche Niederschlagsarmut führt zu einem verringerten Feuchtegehalt der Pflanzen (Grüninger 2003). Regionalklimatisch werden die Wirkungen der Niederschlagsarmut noch durch die Santa-AnaWinde verstärkt, deren Wurzeln in den östliche gelegenen Wüsten zu finden sind und trockene, stark erwärmte Luft in Richtung des Los Angeles Beckens transportieren und somit die Feuersaison bis in den Winter verlängern können (Miller/Hyslop 2000, Grüninger 2003).
  • [2] Wobei sich in dem Moment des Erwerbs eines Einfamilienhauses die Interessenlage der erwerbenden Personen schlagartig ändert und nun die Position der Homeowners Associations rational erscheint.
 
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