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5.1 Erste Einordnung der Schulstunde in den Verlauf der Unterrichtseinheit

In der Zeile 55 formuliert die Lehrerin: „Ihr habt die Folie ja abgeschrieben. Ihr habt eigentlich gesehen, das des relativ schwer is (…) Ähm das war mir schon bewusst. Wir haben vorher über die Ismen geredet. Jetzt hätte i gern, dass alle zuhör'n, bitte.

(.) Äh wir haben vorher über die Ismen geredet, äh, die haben wir ja ein bisschen beleuchtet, und die Folie is eigentlich mehr oder weniger jetzt so eine Art > {lauter werdend:} Inhaltsangabe“.

Die Folie der Lehrerin enthält Kategorien, um das System Nationalsozialismus zu erschließen. Die Lehrerin nutzt die Folie aus der vorhergegangenen Stunde nicht dafür, um den Schüler diese Kategorien zu verdeutlichen und sie für weitere Analysen zu benutzen. Sie vermittelt – mit Blick auf Lernprozesse – die Idee, dass durch das Abschreiben ein Verständnis fundiert worden sei. Eine Verbindung zwischen den vorgestellten Kategorien zur Beschreibung des Nationalsozialismus und ihrem Nutzen für das Erkennen der Ereignisse im Film „Swing Kids“, aus dem weitere Szenen in dieser Stunde gezeigt werden sollen, wird nicht hergestellt. Nach einem Intermezzo der Schüler mit Blick auf bemalte T-Shirt-Ärmel, wobei hier mit einer Farbsymbolik durch die Lehrerin gespielt wird (grün, rot), was die Schüler mit Lachen quittieren und mit Fragen des Bluts in Verbindung bringen (grünes Blut), versucht die Lehrerin, noch einmal einen Bezug zur Funktion der Folie herzustellen. Wird hier indirekt auf die vermutete politische Einstellung der Lehrerin hingewiesen und spielerisch, angesichts kontroverser Sichtweisen, darauf verwiesen?

„Ähm, hört ihr mir bitte weiter zu? Das ist eigentlich nur eine Inhaltsangabe mehr oder weniger gewesen, an der wir uns jetzt wissentlich emporarbeiten (.)“ (Zeile 73-75). Die Lehrerin formuliert hier ein Versprechen und schreibt den gemeinsamen Bemühungen in den nächsten Unterrichtsstunden eine aufklärerische Funktion zu. Die Schüler zeigen unruhiges Verhalten (Z 61-73). Die Lehrerin reagiert zunächst mit einem Verweis darauf, dass sie sich in der vorausgegangenen Unterrichtsstunde gut verhalten haben und lobt sie dafür. Dann wird dem Schüler Claus dabei geholfen, eine Gruppe zu finden, der er sich anschließen kann (Z 88-114). Es werden organisatorische Fragen geklärt. In drei (und nicht in zwei) Wochen sollen die Schüler ihre Referate halten (Z 123), für deren Vorbereitung mehr Zeit als zunächst angekündigt zur Verfügung stehen wird (Z 124-125). Das Erarbeiten der Referate oder die Schwerpunktsetzung in den Referaten sollen durch Arbeitsblätter erleichtert werden. Diese Arbeitsblätter werden für die nächste Woche angekündigt (Z 129-132). Die Formulierung zeigt, dass die Lehrerin bei der Explikation ihrer Anforderungen an die Referate inhaltlich und formal vage bleibt und die Maßstäbe für deren Qualität offen lässt.

 
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