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4.8.2 Merkmale optimistisch-postmoderner Stadtlandhybride

Die vorigen Abschnitte von Kapitel 4 stellen wesentliche Merkmale postmoderner Entwicklungen in Stadtlandhybriden vor. In weiten Teilen weist diese Darstellung einen (mehr oder minder deutlichen) Bezug zur pessimistischen Lesart der Postmoderne auf. An dieser Stelle soll aus den Leitgedanken von Toleranz, Pluralität und Chancengerechtigkeit heraus eine optimistische Lesart postmoderner Entwicklungen in Stadtlandhybriden entwickelt werden. Konstitutiv verbunden mit der optimistischen Entwicklung von Stadtlandhybriden ist die Anerkenntnis von Hybridität im Allgemeinen und stadtländlicher Hybridität im Besonderen, sowie deren Wertschätzung in der gesellschaftlichen wie der individuell aktualisierten gesellschaftlichen Landschaft (Thayer 1989). Neben den sozialen Bezügen sind auch die physischen Grundlagen der angeeigneten physischen Landschaft relevant für die optimistische Deutung von postmodernen Stadtlandhybriden:

t Sie sind physischer Ausdruck von Chancengerechtigkeit: Bildungsinfrastrukturen, grüne Infrastrukturen (Parks, Grünzüge) und Sicherheit stehen allen Teilen der Bevölkerung zur Verfügung.

t Sie sind Ausdruck der Ästhetik der Toleranz: keine hegemonialen ästhetischen Deutungen werden in den physischen Raum eingeschrieben; auch Elemente der sekundären angeeigneten physischen Landschaft als offene Narrative (Potteiger/ Purinton2002: 137) sind für unterschiedliche Interpretationen, vielfältige Autorenschaften, unterschiedliche gesellschaftslandschaftliche Diskurse und Veränderungen offen (Potteiger/Purinton2002)

t Sie verbinden emotionale Zugänglichkeit mit kognitiver Verständlichkeit.

t Sie sind offen für die Darstellung von Individualität und die individuelle Auseinandersetzung mit Gemeinschaft und Gesellschaft.

t Sie nehmen die Wertschätzung des Historischen ernst, ohne dass sie sich der Totalität des Historischen unterwerfen (wie dies häufig von Vertretern des Paradigmas der Wiederherstellung angeeigneter physischer Landschaft gefordert wird; vgl. Kühne 2006a).

t Sie bringen ökologischen Bedingtheiten Wertschätzung und Anerkenntnis entgegen; sie errichten sich nicht (in modernistischer Tradition) gegen regionale ökologische Bedingungen, unternehmen nicht (den ohnehin vergeblichen) Versuch, Natur zu exkludieren, sondern erkennen ihre Kultur-Natur-Hybridtät an. Biodiversität wird damit zu einem wesentlichen Merkmal intergenerationeller Chancengleichheit (Mozingo 1997)[1].

t Sie sind dort, wo es nötig erscheint, durch langlebiges Design und physische Anordnungen geprägt, dort, wo die sozial defi te Nutzungsdauer einen kurzen Nutzungshorizont vorsieht, durch nicht unnötig lange Bindung von Ressourcen geprägt[2].

t Sie sind geprägt durch Wiedernutzungen in Form von vielseitig nutzbaren Gebäuden bzw. die Rezyklierung von nicht mehr genutzten Flächen (Engler 1997, Fayet 2003).

t Sie konzipieren sich nicht als Große Erzählung. Vielmehr verstehen sie sich als ein Pastiche von Kleinen Erzählungen. Die Entwicklung von Stadtlandhybriden gestaltet sich dadurch als vorsichtiger partnerschaftlicher Suchprozess von allen Personen auf dem Experten-Laien-Kontinuum, in dem Bürgerbeteiligungen eine konstitutive Bedeutung für räumliche Entwicklungen haben (siehe Brown 1989, Laclau/Mouffe 2000, Hartz/Kühne 2007).

  • [1] Dies impliziert auch die Reflexion der Grenzen der Belastbarkeit der Naturkulturhybriden: Regenerative Energieträger, Energiesparen, ÖPNV, kompakte Strukturen u. a. lassen sich als Beiträge zur Verringerung des Stresses von Naturkulturhybriden charakterisieren (Calthrope/Fulton 2001).
  • [2] So erscheint die Errichtung von Wohngebäuden für die Ewigkeit in Boom-Towns sicherlich hinsichtlich Opportunitäts- und Remanzenzkosten ebenso suboptimal, wie die (vielfach architektonischen Moden geschuldete) häufige Revision von Leichtwohngebäuden (infolge des hohen Ressourcenverbrauchs für Revision, Heizung bzw. Kühlung).
 
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