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4.7 Neue Räume

Die postmoderne Konstruktion des Stadtlandhybriden basiert in der Gegenwart nur noch eingeschränkt auf der phänomenologischen individuellen Aneignung physischer Objekte in ästhetisierter Zusammenschau als Stadt, Landschaft, Stadtlandschaft u. a. So lässt sich das Konzept der Dreiteilung der Lebenswelten in den traditionellen ganzheitlichen Raum, den verinselten Raum[1] sowie den synthetischen Raum (dem Cyberspace bzw. den Landschaften des Films) von Lothar Bertels (1997) auf Stadtlandhybride spezifizieren (vgl. Kühne 2006a): Neben die traditionelle, ganzheitliche Erfahrung von Stadtlandschaft als weitestgehend zusammenhängendes aus persönlicher Anschauung erfahrenes Raumgebilde (als individuell aktualisierte gesellschaftliche Landschaft) tritt die verinselte individuell aktualisierte gesellschaftliche Landschaft. Sie basiert auf der Nutzung technischer Hilfsmittel der Fortbewegung (insbesondere Flugzeuge und Untergrundbahnen, aber auch Autos, Busse, Straßenbahnen etc.). Der landschaftliche Kontext des verinselten Raumes wird hier nicht mehr oder nur ausschnitthaft wahrgenommen (vgl. auch Löw 2001, Kaufmann 2005). Die virtuellen individuell aktualisierten gesellschaftlichen Landschaften des Cyberspace und des Films entstehen virtuell mit Hilfe der Computertechnologie bzw. durch filmische Inszenierung. Dabei sind sie bereits wie Hasse (1993: 82) feststellt in ihrer Genese doppelt codiert, indem sie einerseits auf ein ingenieurwissenschaftliches Planungsinstrument reduziert, andererseits als Entsublimierungsmaschine konfiguriert werden. Zwar sind sie prinzipiell unabhängig vom physischen Raum, doch wird bei der Konstruktion virtueller Räume (und als ästhetisierter Sonderfall virtueller Landschaften) immer wieder auf stereotype Raum- und Landschaft arrangements zurückgegriffen, die wiederum spezifi che soziale Stereotype symbolisieren; wie die idealisierte ländliche Idylle, die ein wesentlicher Antrieb sich suburbanisierenden Lebens darstellt (vgl. Nicolaides 2001, Hardinghaus 2004). Virtuelle Räume tragen dabei trotz prinzipiell unterschiedlicher technischer und physischer Grundlage (vgl. Abbildung 20) rekursiv über die Konstruktion gesellschaftlicher und individuell angeeigneter physischer Stadtlandschaft zur Modifikation

Abbildung 20 Charakterisierung urbaner Orte und virtueller Räume (nach: Graham 1997).

der angeeigneten physischen Landschaft und ihrer physischen Grundlagen bei. So sieht Murdock (1993: 534) einen Zusammenhang zwischen der Produktion des Zitadelleneffektes postmoderner Bürogebäude und der Ausbreitung privaten Datenraumes in kollektiv kontrollierten Netzwerken als Ausdruck eines andauernden Kampfes zwischen Claims des öffentlichen Zugangs und Gebrauch und den Bemühungen von Unternehmen, Eigentumsrechte immer weiter in die Räume der Information und Symbolisierung auszudehnen.

  • [1] Diese Verinselung von Raum ist auch als Verinselung von Lebenswelten interpretierbar (vgl. Zeiher/ Zeiher 1994).
 
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