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4.1 Swing Musik im Nationalsozialismus

Swing ist eine Musikrichtung, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem in den großen Städten gehört wurde. Die Begeisterung für Swing-Musik (eine Form des Jazz) und das Hören und Tanzen zu dieser Musik in den zwanziger und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde unter dem Hitlerfaschismus zunehmend verfolgt. Die Musik wurde als „Nigger-Musik“, als „jüdische Musik“ abgelehnt und verboten. Swing begeisterte Jugendliche hörten diese Musik; sie waren durch ein bestimmtes Outfit zu erkennen. Sie trugen lange Haare und orientierten sich an einem eigenen Dresscode: Hut mit breiter Krempe, Schlaghosen, weite Hemden, zweireihiger Sakko, doppelsohlige Schuhe, Regenschirme als „Zeichen der Solidarität mit Großbritannien“ (Beyer und Ladurner 2011, S. 34), resp. kurze Röcke für die Mädchen. Sie besuchten Tanzveranstaltungen und tanzten – trotz Tanzverboten – Shimmy, Charleston, Lindy Hop, Jitterburg. Swing-Jugendliche gab es in Deutschland (u. a. in Hamburg, Berlin, Hannover, Düsseldorf), in Österreich (Wien), in der Tschechoslowakei und in Frankreich. In Hamburg als weltoffener Stadt, die lange Verbindungen nach Großbritannien hatte, gab es die größte und aktivste Szene, die später besonders harter Repression unterlag (vgl. ebd., S. 119f). Dabei können unterschiedliche Phasen des Umgangs der Nationalsozialisten mit den Swing Kids unterschieden werden: „1. Die erste Phase bis Herbst 1939 ist durch Diffamierung, verschiedene Disziplinierungen und eine spätestens ab 1937 erfolgende Observierung durch die Gestapo gekennzeichnet. 2. Die zweite Phase beginnt mit der Jahreswende 1939/40 und ist durch Vorbereitung von Verfolgungsmaßnahmen, erste Razzien, Einzelverhaftungen sowie eine ab Oktober 1940 einsetzende Verhaftungsserie gekennzeichnet, begleitet von vermehrten Schulverweisen und Arreststrafen. Diese Repressionsphase dauert bis zum Spätsommer und Herbst 1941. 3. Die dritte Phase der verschärften Verfolgung von Swingjugendlichen bis hin zu Einweisungen in KZs, wird zwischen August 1941 und Januar 1942 zwischen Propagandaminister Goebbels, der Hamburger Gauleitung und dem Leiter des Reichssicherheitshauptamtes, Reinhard Heydrich, vorbereitet. (…). Die sprunghafte Steigerung der Repression durch die NS-Behörden Anfang 1940 und Anfang 1942 korrespondiert mit Phasen der NS-Kriegsmobilisierung und der Entwicklung der Kriegslage“ (Barber-Kersovan und Uhlmann 2002, S. 14 f; vgl. umfassend Ritter 1994). Wolfgang Beyer und Monica Ladurner verweisen auf Razzien im Jahr 1940 und 1941, bei der mehr als dreihundert Jugendliche Opfer wurden; viele wurden ins Polizeigefängnis nach Fuhlsbüttel oder ins Konzentrationslager gebracht (vgl. ebd., S. 165f). Die Geschichte der Swing-Jugendlichen im Nationalsozialismus wird inzwischen als „Geschichte einer (fast) vergessenen Rebellion“ (ebd., S. 11), die „archetypisch werden sollte für viele jugendliche Subkulturen“ (ebd., S. 15) rezipiert.

 
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