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3 Der Rahmen der Landschaft theoretische Zugänge

Im Folgenden wird unter Rückgriff auf das Differenz-Modell der Ästhetik untersucht, welche Spezifika das Konstrukt Landschaft im Vergleich zu dem allgemeinen Konstrukt Raum aufweist (vgl. Hall 1997). Zudem gilt es, in der Tradition des kritischen Modells der Ästhetik die sozialen Funktionen von der und die Bedingungen für die Wahrnehmung von Landschaft zu eruieren. Die Modelle der Kontemplation und der Pragmatik werden hingegen lediglich gestreift bzw. in ihrer sozialen Bedeutung hinterfragt.

Der Begriff der Landschaft ist mit einem großen semantischen Hof (Hard 1969: 10) aus Assoziationen, Emotionen, Evokationen (Hard 1983: 178; vgl. auch Hasse 2000) versehen und lässt sich wie Ipsen et al. (2003: 13) feststellen als kompositorischer Begriff fassen. Im Begriff der Landschaft mischen sich territoriale, soziale, politische, ökonomische, ökologische, geographische, planerische, ethnologische, philosophische und insbesondere ästhetische Bezüge (vgl. z. B. Shepard 1967, Appleton 1975, Zube 1984, Sancar 1985, Bourassa 1991, Carlson 1993, Gobster1999, Kirchhoff/Trepl 2009, Dutton 2010). Zugleich lässt sich Landschaft mit Hauser/Kamleithner (2006: 74) als eines der zentralen, vielfach verwendeten und daher äußerst unklaren Konzepte der europäischen Politik- und Geistesgeschichte des letzten Jahrtausends beschreiben, das wie Shepard (1967: 132) feststellt zum allgemeinen kulturellen Gepäck der modernen (wie auch postmodernen) Zivilisationen zählt [1]. Wie alle komplexen Begriffe unterliegt auch der Begriff der Landschaft einem sozialen Evolutionsprozess sowie einem individuellen, sozial vermittelten Aneignungsprozess (Kühne 2008a). Insbesondere der Wechsel von moderner Weltsicht zu postmodernen Weltsichten ist mit einer Aktualisierung des Themas Landschaft verbunden (Fuller 1988), bedeutet er doch u. a. eine verstärkte Zuwendung zu ästhetischen Zugängen zu Welt.

Bevor auf den Vorschlag eines konstruktivistischen Landschaft egriff eingegangen wird, seien einige positivistische Landschaftsbezüge aus Geographie und Planungswissenschaften dargestellt, um daran die konstruktivistische Landschaftssichtweise zu kontrastieren und um eine Grundlage für die an späterer Stelle stattfindende kritische Reflexion eines positivistischen Landschaftsbegriffs zu schaffen.

  • [1] Meinig (1979) benennt zehn Perspektiven in Bezug auf das kulturelle Gepäck Landschaft: Demnach repräsentiert Landschaft Natur (als Bedingung für menschliches Leben), Habitat (als Bezug zu Natur), Artefakt (als Einfluss des Menschen auf Natur), System (als wissenschaftlicher Zugriff), Problem (als Herausforderung), Wohlstand (als Folge von Nutzung), Ideologie (als Ausdruck unterschiedlicher Muster der Welterklärung und des Weltwollens), Geschichte (als Einschreibung sozialer Prozesse), Ort (als Identität bestimmter räumlicher Arrangements) und Ästhetik (als Ausdruck von Geschmacksurteilen; vgl. auch Conzen 2010a, Meyer 2010).
 
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