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2.3.2 Vier Weisen der Annäherung an ästhetisierte Objekte

Die ästhetische Erfahrung lässt sich anhand von vier Näherungsweisen an das ästhetisierte Objekt systematisieren (Schweppenhäuser 2007, vgl. auch Seel 1996): Die Haltung der ästhetischen Kontemplation, das pragmatische Modell der ästhetischen Erfahrung, das Modell der Kritik und das Differenz-Modell.

2.3.2.1 Die Haltung der ästhetischen Kontemplation

In der ästhetischen Haltung der Kontemplation widmen sich die Betrachtenden ohne Handlungsziele und vorgefasste Intentionen ganz den Objekten bzw. den Prozessen oder Ereignissen, die sie anschauen bzw. erleben (Schweppenhäuser 2007: 22). Ohne Erwägung von Nützlichkeit oder bestimmten Zwecken (Schweppenhäuser 2007: 22), z. B. hinsichtlich des Standortes für Einfamilienhäuser oder als Jogging-Kulisse, erfreuen sich die Betrachter an der bloßen Anwesenheit der Landschaft (Schweppenhäuser 2007: 22). Die Kontemplation ist der Versuch, alles am Gegenstand wichtig zu nehmen, auch und gleichermaßen das, was eine theoretische oder pragmatische Beziehung zum Gegenstand als unwichtig ansehen würde (Seel 1996: 39). So wird bei kontemplativer Einstellung der See weder als ein Symbol für etwas anderes noch als Zeichen oder ein Fall von etwas aufgefasst, er wird nicht als ein so und so beschaffener klassifiziert, wir verfolgen seine Beschaffenheit in der Fülle und im Spiel der Erscheinungen, in denen er sich für die Zeit dieser Anschauung gibt (Seel 1996: 39; zur Diskussion kontemplativer Erfahrung in der Postmoderne siehe 10.1.1 Vorbemerkungen zur Kontemplation: theoretischer Kontext und Überlegungen zu ihrem Ort und ihrer Zeit). Dabei spielt sich die Kontemplation so Seel (1996: 61) zumeist irgendwo zwischen den Polen der reinen Versenkung und der extatischen Erschütterung ab. Die Kontemplation bietet also Raum für ein Oszillieren des Erlebens zwischen den Polen des Schönen und des Erhabenen. Dabei ist in dem Verständnis von Seel (1996: 70) die ästhetische Kontemplation eine ganz profane Angelegenheit. Sie hat die Verbindung zur sakralen Feier oder Andacht abgebrochen und ist zum Fest der ungebundenen Sinne geworden. Dadurch unterscheidet sie sich von der theoretischen Kontemplation, deren Ziel in der Generierung von Erkenntnis besteht und gleichermaßen durch die Betrachtung der äußeren wie der inneren Welt angeregt sein kann (Seel 1996).

 
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