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Start arrow Pädagogik arrow Was ist Unterricht?

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6 Fazit

Es handelt sich bei dieser Stunde um Unterricht in einer besonderen Ausdrucksgestalt des Pädagogischen. Diese ist durch die drei Herausforderungen bestimmt, denen sich die Lehrerin als Unterrichtende und denen sich die Schüler als Unterrichtete gegenüber sehen. Die Schüler werden mit dem Film als Mittel zu einem Zweck konfrontiert. Er dient dazu, eine Aufgabe einzuüben. Diese besitzt eine widersprüchliche Einheit aus erzieherischen, didaktischen und bildungsbezogenen Motivierungen. Beobachtung soll zur Konzentration des Schauens bewegen. Sie wird mit dem Resultat kontrolliert und ggf. sanktioniert. Lernen bedeutet damit solche Aufgaben zu erledigen. Die Aufgaben werden didaktisch bestimmt mit Rückgriff auf das im Film zu Sehende wie auf die Unterrichtseinheit als Ganze. Sie sind unmöglich, werden aber nach der Logik pragmatischer Kooperation von den Schülern gelöst. Mit letzterer zeigen sich die Schüler als anpassungsbereit und erzogen, mit ersterem zeigt sich die didaktische Überforderung der Lehrerin, sinnvoll zwischen Film und Generalthema zu vermitteln. Ihre Unsicherheit resultiert nicht zuletzt aus der Tatsache, dass der Film als Gegenmittel kompensieren soll, was die Stoffhuberei an anderer Stelle anrichtet. Dieses Dilemma wird offen angesprochen, aber damit noch nicht transparent gemacht, geschweige denn in eine sinnvolle neue Aufgabe überführt. Die Möglichkeit, den Film zu zeigen, ergibt sich aus der vorhandenen Kompetenz zur Medienaufnahme wie aus der Unterstellung der Zugänglichkeit der Sache im Sinne der dreifachen Thematisierung von ästhetischer, moralischer sowie kognitiv historischer und psychologischer Deutungsmächtigkeit.

Zwar setzt die Lehrerin in ihrem Unterrichten dieses Bildungspotenzial voraus, aber es wird nicht genutzt oder auch nur ernsthaft in Anspruch genommen.

Es wird nur hier und da rhetorisch beschworen. Faktisch wird es sofort wieder nivelliert hin zu Aufgabenroutinen, die die Schüler im Nachgang dennoch als besser empfinden denn als Unterricht: Denn immerhin wurden sie unterhalten und glaubten, mit ihren Aufzeichnungen spielend leicht Leistungen erbracht zu haben, die sie in der Schule weiterbringen. Daraus kann der korrumptive Charakter der Nivellierung der Ansprüche entnommen werden, den die schlechte pädagogische Kompromissbildung einer Didaktik nach sich zieht, die mit erzieherischen Mitteln Kooperationsverhalten als Dienst betreibt, die Schüler damit aber von einer bildenden Auseinandersetzung mit dem Sinn des Inhalts abhält.

 
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