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2 Zur Konzeption der vorausgegangenen Arbeitstagung

Vorbereitet wurde die vorliegende Publikation durch eine öffentliche Arbeitstagung [1], bei der die Beteiligten ihre jeweilige Position auf der Basis des identischen empirischen Materials, das von allen bearbeitet wurde, dargelegt haben. Zuvor wurde es in einem gemeinsamen Abstimmungsprozess ausgewählt. Ziel war es, solche Dokumente anbieten zu können, die für alle interessierten KollegInnen gleichermaßen akzeptabel sind, ganz gleich, ob sie mit einem ethnographisch-beobachtenden, rekonstruktiven oder interpretativen Zugang forschen. Mit dem ausgewählten Material konnten sich die Beteiligten auf eine Unterrichtsstunde einigen, die Zugriffe mittels verschiedener Medien erlaubte. Sie lag nämlich sowohl in Form von Videos als auch in Gestalt eines vollständig transkribierten Interaktionsprotokolls vor. Auch wenn aus Sicht der ethnographischen Forschung auf eine teilnehmende Beobachtung eigentlich nicht hätte verzichtet werden können, stimmten die beteiligten EthnomethodologInnen ebenso der Auswahl zu. Über die genannten Dokumente hinaus lagen allen auch noch Hefteinträge der Schüler sowie Transkripte von Interviews mit diesen vor. Das Thema der gewählten Geschichte/ Sozialkunde-Stunde lautete „Nationalsozialismus/ Swing-Kids“ und sie fand an einem österreichischen Bundesrealgymnasium in der Klasse 4, also dem achten Schuljahr, in einer fünften Stunde im November 2008 statt [2].

Das entsprechende Material wurde den Beteiligten im Vorfeld zur Verfügung gestellt, so dass ihnen vor der Arbeitstagung möglichst genügend Zeit blieb, die jeweilige Bearbeitung und Interpretation bzw. Rekonstruktion vorzubereiten und deren Ergebnisse schriftlich festzuhalten. Dabei sollte weniger der Schwerpunkt darauf gelegt werden, die Unterschiede in methodischen Zugängen als solchen deutlich zu machen, als vielmehr diese Unterschiedlichkeit in Bezug auf die gemeinsam untersuchte Sache „Unterricht“ fruchtbar werden zu lassen. Ein etwaig zu befürchtender „Methodenfetischismus“, bei dem bloß das methodische Vorgehen abgrenzend zum anderen konzipiert wird und damit letztlich methodische Fragen sachliche dominieren, sollte unbedingt vermieden werden, indem umgekehrt angestrebt wurde, die Methode als sachlich angemessene in Bezug auf Unterricht produktiv werden zu lassen.

Die auf diesem Wege entstandenen Texte wurden den jeweils anderen Unterrichtsforschenden vor Beginn der Tagung zur Verfügung gestellt, damit sie auf dieser dann wechselseitig dazu Stellung nehmen konnten. Dort wurde das konkrete Vorgehen in einem Vortrag nur noch einmal pointiert vorgestellt und mit dem Fokus reflektiert, auf welchem Wege man zu welchen Ergebnissen gelangt ist. Im Anschluss daran erhielten die Anderen Gelegenheit, auf Grundlage der ihnen zuvor zugegangenen Texte die Vorträge ihrerseits zu kommentieren. Die Beiträge schlossen jeweils mit einer Diskussion, zu der auch das weitere anwesende Publikum aufgerufen wurde, sich daran zu beteiligen; so wurden noch weitere Perspektiven auf die Frage, was Unterricht sei, eingebracht als diejenigen, die die Vortragenden eingenommen haben.

  • [1] Sie fand am Zentrum für Schulund Bildungsforschung an der Martin-Luther-Universität in Halle/Saale im September 2013 statt. Angesichts der Konzeption der Tagung haben wir im Vorfeld gezielt KollegInnen angesprochen, ob sie sich an dem Vorhaben beteiligen wollen, statt einen call for paper zu initiieren, da sich die nötige inhaltliche Abstimmung in einem überschaubaren Zeitrahmen nur dadurch sicherstellen ließ, dass die Teilnehmenden schon früh in die Entscheidung über das zu untersuchende Material und die Gestaltung der Tagung eingebunden wurden
  • [2] S. die Liste der betreffenden Protokolle am Ende der Einleitung. Diese stehen Ihnen im „Archiv für pädagogische Kasuistik“ unter apaek.de zur Verfügung. In den Beiträgen des Bandes wird allein durch die Angabe der entsprechenden Zeilen auf das Transkript der Unterrichtsstunde verwiesen
 
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