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3.1.1.2 Babylonische Kosmologie

Aus der Periode nach 1500 vor Chr. finden sich kaum noch mathematische Texte. Greifbar wird die Entwicklung der mesopotamischen Mathematik dann wieder in spätbabylonischer und persischer Zeit, die insbesondere auch durch die dann erfolgende Adaption der

Abb. 3.6 Mathematischer Text aus Tell Harmal bei Bagdad zur Darstellung von Flächengrößen und Streckenverhältnissen in einem rechtwinkeligen Dreieck

Abb. 3.7 Tontafeln zur Berechnung von √; Keil-schrifttext YBC 7289 aus der Babylonischen Sammlung Yale, mit der Übertragung nach Resnikoff (b) und der Übertragung in arabische Zahlen im Sexagesimalsystem (c)

mesopotamischen Tradition im Mittelmeerraum für uns eine besondere Bedeutung gewinnt.

Bekannt sind aber die eng mit der Entwicklung des Mathematischen verknüpften astronomischen Vorstellungen und Berechnungen aus dem mesopotamischen Kulturraum. Bis heute setzen wir in unserer Zeitmessung und in der Darstellung der Raumkoordinaten auf das in Mesopotamien entwickelte Hexagesimalsystem. Das Jahr wurde hier in 12 Monate eingeteilt, die Verschiebung des Mondmonat von 29 1/2 und des aus der Sonnenbahn berechneten Jahreszyklus war bekannt und führte dazu, dass etwa alle drei Jahre ein Monat doppelt gezählt wurde, um die Verschiebung zwischen der Mond- und der Sonnenphase auszugleichen. Venusbeobachtungen sind aus der Zeit kurz vor 1500 bekannt, hier herrschten schon zumindest ungefähre Vorstellungen über die relative Verschiebung der Periodik der Venus zur Sonnenbahn. Weitere spärliche Nachrichten haben wir dann aus der Zeit um 1300. Hier sind Tafeln bekannt, auf denen jedem Monat ein Sternbild zugeordnet ist. Damit verbunden sind Vorstellungen vom Lauf des Mondes und den Veränderungen der Position von Sonne und Wandelsternen zueinander. Die so gewonnenen Darstellungen von Fix- und Wandelsternen führen zu einer genauen Festlegung des Tierkreises und der Identifikation der noch für uns gültigen 12 Tierkreiszeichen mit einem Abstand von jeweils 30 Grad. Die ältesten Texte, die dies zweifelsfrei aufweisen, stammen allerdings erst aus der Zeit um 450 v. Chr. Jedoch zeigen neuere Befunde zur Astronomie der Sumerer, dass diese Vorstellungen schon vor 2000 in ihren wesentlichen Zügen fixiert waren. Schon die Sumerer registrierten umfassende periodische Veränderungen von Himmelserscheinungen.

Abb. 3.8 Skizze des Babylonischen Weltbildes

Aus Babylon sind Tafeln, die entsprechende Beobachtungen dokumentieren, dann wieder ab 600 vor Chr. bekannt. Die aus den gewonnenen Aufzeichnungen und den Mythen ermittelten Vorstellungen lassen sich – insbesondere auch nachdem eine Tontafel aus dem 7. Jahrhundert vor Chr. gefunden wurde, die eine entsprechende Vorstellung in Form einer Weltkarte fixiert hat – zumindest grob umreißen. Demnach erscheint die Erde als eine runde, von einem Weltmeer umschlossene Scheibe mit Babylon im Mittelpunkt der Erdscheibe. Das Ganze ist überwölbt von einem Sternenhimmel mit Fixsternen, Sonne, Mond und den Wandelsternen, und schwimmt dann seinerseits in einem Urozean (Abb. 3.8). Das hier skizzierte Bild entspricht damit den Fehlvorstellungen, die wir bis vor kurzem – wieder besseres Wissen, aber unterstützt durch entsprechende malerische Darstellungen, wie sie etwa ein Hieronymos Bosch hinterlassen hat – vom mittelalterlichen Weltbild meinten formulieren zu können.

 
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