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2.3 Überblick über das Spektrum theoretischer Erklärungsansätze

Wie im vorherigen Kapitel dargelegt, ist die Organisationsforschung weitgehend durch eine Geschlechtsblindheit charakterisiert. Die „gendered organizations“Debatte wiederum thematisiert zwar den Zusammenhang von sozialer Ungleichheit, Geschlecht und Organisation, doch handelt es sich hier um ein sehr weit gefasstes Forschungsfeld, in dem mittlerweile eine Fülle an thematisch unterschiedlich gewichteten empirischen Studien vorliegt. [1] Die Vergleichbarkeit vorhandener Studien erweist sich jedoch als eingeschränkt, da unterschiedliche Methoden und Begrifflichkeiten zugrunde gelegt werden (vgl. Körner/Günther 2011). Die Forschung über Frauen im Management setzt zwar an der breiten Debatte an, ist aber ein noch relativ junges Forschungsthema mit explorativem Charakter. Aufgrund der interdisziplinären Ausrichtung kann zwar auf eine Vielzahl an wissenschaftlichen Arbeiten zurückgegriffen werden, doch handelt es sich nicht um ein thematisch begrenztes Forschungsgebiet, da soziale und gesellschaftliche Veränderungen ständig neue Forschungsperspektiven eröffnen und zur Themenvielfalt beitragen. Gegenstand des Forschungsthemas „Frauen im Management“ sind i. d. R. organisationale Strukturen und Prozesse, der Managementprozess und die Frau selbst. Erklärungsansätze für den geringen Frauenanteil in Führungspositionen umfassen die Biologie, Psychologie, Soziologie und Ökonomie und spannen einen weiten Bogen von akteurtheoretischen und interaktionsorientierten Ansätzen bis zur umfeldbezogenen Ebene. Häufig diskutiert werden die unterschiedlichen Sozialisationserfahrungen von Männern und Frauen, deren Führungsfähigkeit bzw. die Führungseignung oder spezifische Persönlichkeitsmerkmale wie Risikobereitschaft, Durchsetzungsvermögen, Karriereorientierung etc. Die symbolische Ebene mit geschlechtsbezogener Diskriminierung und Stereotypisierung sowie kulturelle und strukturelle Barrieren oder die Trennung von Produktion und Reproduktion mit den klassischen Karrierebremsen Haushalt und Kinder sind ebenfalls Gegenstand der Diskussion. Neben dieser Vielzahl an Phänomenen kommt hinzu, dass diese sich wechselseitig beeinflussen und es somit keine eindeutige Wirkungsrichtung gibt. Insgesamt mangelt es an einem breiten Theoriegerüst, und die Interdisziplinarität und Themenvielfalt erschwert eine systematisch ausgearbeitete theoretische Konzeption mit ganzheitlicher Sichtweise. Für eine umfassende Erforschung der Geschlechterungleichheit und -hierarchie in Organisationen bedarf es daher einer Auswahl an Theorien, die im Rahmen organisationsgebundener Chancenungleichheit aussagekräftig sind (vgl. Wilz 2001).

Bevor im Folgenden ausführlich auf ausgewählte Theorien der Organisationsforschung eingegangen wird, werden die gängigsten Erklärungsansätze systematisch zusammengefasst. Ziel ist es, einen Überblick über die Vielzahl an Erklärungen zu geben und diese für die weitere Diskussion zugänglich zu machen. Die Zuordnung der Erklärungsansätze zu den unterschiedlichen Ebenen erfolgt vor dem Hintergrund der Forschungsfrage dieser Arbeit.

  • [1] Z. B. für Deutschland: Alemann 2007; Autenrieth/Chemnitzer/Domsch 1993; Bernardoni/Werner 1987; Bischoff 1990, 2005; Bischof-Köhler 2002; Domsch/Regnet 1990; Heintz/Nadai/Fischer/ Ummel 1997; Preuss 1987; Schlapeit-Beck 1991; Schneider 2007; Sordon 1995; Wunderer/Dick 1997; für den anglo-amerikanischen Raum: Cockburn 1993; Helgesen 1991; Mills/Tancred 1992; Reskin 1988; Schein 2001.
 
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