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7 Resümee und Fazit

Es war sehr spannend und interessant diese Forschung durchzuführen, da vor allem aufgrund persönlicher Erfahrungen, aber auch basierend auf der theoretischen Auseinandersetzung mit der Bindungstheorie und möglichen Folgen einer Trennung vom Herkunftssystem, andere Ergebnisse erwartet wurden. Es wurde nicht mit derart positiven Beurteilungen und dankbaren Worten gerechnet.

Nachdem die theoretischen Ausführungen bearbeitet waren, kam es zur Annahme, dass die Interviewpartner/innen vorwiegend gestrandete Persönlichkeiten sein müssten, mit kriminellen Karrieren oder in prekären Lebenssituationen. Der Theorie zufolge, wobei dabei nicht nur auf Bowlby verwiesen wird, haben Menschen, welche als Kinder oder Jugendliche schlechte Bindungserfahrungen machten sowie von der Familie getrennt und fremd untergebracht wurden, relativ geringe Chancen auf einen positiven Lebensverlauf. Daher wird es als beruhigend und ermutigend empfunden, dass die hier durchgeführte Forschung zu dem Resultat führt, dass Fremdunterbringungen nicht zwangsläufig negative Auswirkungen auf das Leben von Betroffenen haben. Zudem konnten die Betroffenen vorwiegend positive Veränderungen auf die Jugendwohlfahrtsmaßnahme zurückführen, was dieses Gefühl der Erleichterung noch verstärkt.

Abschließend als Fazit und gleichzeitig als Ausblick kann zusammengefasst werden, dass es bei einer Fremdunterbringung überaus wichtig ist, alle Betroffenen so weit als möglich in die Planung und Entscheidung miteinzubeziehen und ihre individuelle Situation zu berücksichtigen. Zwar wurde schon ausführlich beschrieben, dass dies gesetzlich verankert ist, aber bedauernswerterweise ist dies nicht immer möglich. Sei es aufgrund fehlender Unterbringungsmöglichkeiten, wodurch eine optimale Einrichtungswahl schwierig wird oder wegen fehlender Kooperation der Kindeseltern. Die hier durchgeführte Forschung zeigt jedoch, dass es vor allem den damals Minderjährigen erleichtert, die Fremdunterbringung zu verarbeiten, je mehr sie sich dazu äußern konnten und ihre Wünsche berücksichtigt wurden oder man dies zumindest versuchte.

Es wird daher außerdem ebenso als überaus wichtig erachtet, die Betroffenen auch nach Durchführung der Maßnahme weiterhin zu unterstützen und zu begleiten. Aufklärende Gespräche über die Notwendigkeit der Fremdunterbringung, Beantwortung offener Fragen und regelmäßiger Kontakt durch die Jugendwohlfahrtssozialarbeiter/innen, scheinen unerlässlich für die Familien und vor allem für die Minderjährigen. Dadurch entwickelte sich bei den Betroffenen das Gefühl, sich auch nach Beendigung der Maßnahme hilfesuchend an die Jugendwohlfahrt zu wenden, was als wünschenswert für das Image dieser Behörde und vor allem für die Jugendwohlfahrtssozialarbeit angesehen werden kann. Die Ausführungen der Interviewten lassen somit klar erkennen, wie wichtig eine transparente Sozialarbeit, vor allem bei Fremdunterbringungen ist.

 
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