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5.3.4 Durchführung der Interviews

Nach Erhalt der Daten wurde telefonisch Verbindung mit den Betreffenden aufgenommen und Termine vereinbart.

Bei der Wahl des Ortes betont Helfferich die Wichtigkeit der Ungestörtheit. Sie weist daraufhin, dass es vorteilhaft sein kann, die Interviewpartner/innen selbst bestimmen zu lassen, wo das Interview stattfinden soll, da sie sich dann mit großer Wahrscheinlichkeit an diesem Ort auch wohl fühlen. Es kann jedoch auch ein Nachteil sein, je nachdem welcher Ort gewählt wird. Vor allem ist genügend Zeit einzuplanen und hilfreich sei es auch, mit den Teilnehmer/innen zu klären, dass während des Interviews Störungen durch zum Beispiel Dritte vermieden werden sollen.181

Hinsichtlich der lokalen Bedingungen wurde es den Interviewpartner/innen, der hier zugrunde liegenden Forschung, freigestellt, selbst einen Ort zu wählen, wobei jedoch darauf geachtet wurde, dass keine öffentlich zugänglichen Plätze wie etwa Lokale, im Sinne von Gastbetrieben, ausgesucht wurden. Es wurde ein neutraler, ruhiger Ort angeboten, falls die Teilnehmer/innen dies wollten. Zwei Interviewpartner/innen bestimmten ihre Wohnung als geeignet, die drei Weiteren nahmen das Angebot einer neutralen Örtlichkeit an. Dafür boten sich Besprechungsräume in diversen Einrichtungen an, welche großzügig zur Verfügung gestellt wurden.

Den forschungsethischen Vorgaben in Helfferichs Ausführungen wurde entsprochen, indem die Interviewpartner/innen anfangs über den Grund und das Ziel der Forschung Bescheid bekamen. Eine Aufklärung über die Verwendung von Tonbandgeräten sowie die anschließende notwendige Anonymisierung aller Daten, welche Rückschlüsse auf Personen oder Orten ermöglichen, fand ebenfalls statt. Außerdem wurden die Teilnehmer/innen über die eigene Berufstätigkeit als Jugendwohlfahrtssozialarbeiterin informiert, um einem authentischen Auftreten nicht entgegenzuwirken. Alle Interviewten waren ausnahmslos mit der Durchführung der Interviews und der Weiterverwendung der Informationen einverstanden.182

Für alle Interviews wurde genügend Zeit eingeplant, nur bei einem musste hin und wieder auf das bevorstehende Ende hingewiesen werden, da der/die Interviewte häufig abschweifte und befürchtet werden musste, dass das Interview nicht in der eingeplanten Zeit beendet werden kann. Außerdem musste bei einem Interview auch einmal gestoppt werden, da die zweijährige Tochter des/der Interviewten in den Raum kam, jedoch vom anderen Elternteil gleich wieder zu sich geholt wurde. Die Unterbrechung wirkte sich aber nicht auf den Erzählfluss aus und das Gespräch konnte unmittelbar fortgesetzt werden.

Die Atmosphäre bei den Interviews war vorwiegend angenehm und durch die Offenheit der Interviewten geprägt. Wie bereits erwähnt, wurden die Gespräche nach Absprache mit den Teilnehmer/innen mittels Diktiergerät aufgezeichnet. Diese Methode wird auch von Mayer empfohlen, da sich der/die Interviewführende somit gut auf das Gespräch einlassen und den Interviewleitfaden dem Verlauf anpassen kann.183

Helfferich betont in ihren Ausführungen auch die Notwendigkeit der Beherrschung verschiedener Techniken der Gesprächsführung. Vor allem „aktives Zuhören“ wird von ihr als grundlegende Eigenschaft für Interviews genannt. Dabei geht es vor allem darum, dem/der Erzählenden Raum und Zeit zu geben sich mitzuteilen und die Aussagen nicht mit eigenen Ansichten zu kommentieren oder zu bewerten. Eigene Einstellungen müssen in den Hintergrund gedrängt werden, da sie in der Interviewsituation nicht erwähnt werden oder die Angaben der Interviewpartner/innen korrigieren sollen.184

Aufgrund der im Studium erworbenen Fähigkeiten zur Gesprächsführung, aber auch der im Berufsleben in Klient/innengesprächen vertieften Erfahrungen, konnten gesprächsführende Techniken hilfreich angewandt und die Interviews mit innerer Sicherheit durchgeführt werden. Manche Interviewpartner/innen formulierten einige Sätze auch informierend bezüglich der Vorgangsweise oder Gesetzeslage der Jugendwohlfahrt, wobei eine Zurückhaltung betreffend eine Korrektur notwendig wurde, was aber nicht weiter schwer fiel.

Der Leitfaden stellte sich als passend vorbereitetes Instrument heraus, da er zwar helfend eingesetzt wurde, den Gesprächsfluss jedoch nicht störte. Die meisten Bereiche des Leitfadens wurden von den Interviewten selbständig angesprochen. Konkret formulierte Fragen in der zweiten Spalte des vorbereiteten Interviewinstruments wurden als sehr hilfreich erlebt, da Übergänge und Ausformulierungen von Fragen erleichterten und das Interview somit flüssig weitergeführt werden konnte.

 
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