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4.1.3.2 Unsicher-vermeidende Bindung

Kinder mit diesem Bindungsstil machen laut der Forscherin die Erfahrung, dass ihre Bindungspersonen schnell überfordert sind wenn sie mit Bindungsbedürfnissen von Kindern konfrontiert werden. Ihre Eigenständigkeit wird bevorzugt und daher würden diese Kinder es häufig vermeiden ihre Bedürfnisse zu offenbaren, aus Angst vor Enttäuschungen, auch wenn sie sehr wohl einen Bindungswunsch verspüren. Ainsworth und ihre Studienerkenntnisse verhelfen zu einem besseren Verständnis dieses Bindungsstils. Kinder mit unsicher-vermeidendem Bindungsstil lassen sich zum Beispiel kaum durch die Trennung von der Mutter beeinflussen und setzen ihre Tätigkeiten unbeeindruckt fort. Sie zeigen keinerlei Interesse, weder für das Verlassen der Mutter, noch bei deren Rückkehr. Auch wird der Kontakt zu fremden Personen nicht als unangenehm beobachtet. Man kann davon ausgehen, dass diese Kinder ihr Bindungsverhalten aufgrund gemachter Erfahrungen nicht mehr zeigen.99

Überträgt man dies wiederum auf fremd untergebrachte Kinder in Einrichtungen, auf deren Bedürfnisse der Annahme nach auch nicht immer unverzüglich reagiert werden kann und deren Eigenständigkeit daher teilweise bevorzugt wird, so führt dies zur Überlegung, ob diese Kinder vielleicht auch eher einen unsicher-vermeidenden Bindungsstil entwickeln.

4.1.3.3 Unsicher-ambivalente Bindung

Dieser Bindungsstil bedeutet enorme Anstrengung für Kinder. Sie können kaum lernen die Verhaltensweisen der Bezugsperson vorherzusehen und nachzuvollziehen, da diese sich sehr stark von der eigenen Befindlichkeit beeinflussen lassen würde. Fühlt sich die Mutter gut, könne es durchaus sein, dass sie ihr Kind wahrnimmt und angemessen auf Bindungsbedürfnisse reagiert, ist dies jedoch nicht der Fall, müsse das Kind sich besonders anstrengen um das Bindungsverhalten der Mutter zu aktivieren. Schreien und Anklammern, das Suchen der Nähe zur Mutter und die Kontrolle dieser, verhindere bei diesen Kindern eine natürliche Neugier und Explorationsverhalten. Oft würden sie auch die Nähe der Mutter suchen um ihre eigene Wut und Enttäuschung an dieser auszulassen. Ainsworth konnte beobachten, dass unsicher-ambivalent gebundene Kinder bei Abwesenheit der Mutter, es nicht schafften sich zu beruhigen und fortdauert weinten und die Rückkehr der Mutter herbei warteten. Exploration oder Beschäftigung mit Spielzeug war nicht anzudenken. Auch wenn die Mutter nach einer Trennung zurückkommt, würden diese es kaum schaffen das Kind zu beruhigen. Solche Kinder klammern sich gemäß den Beobachtungen Ainsworths ängstlich an die Mutter und sind gleichzeitig verärgert und böse auf sie, was sie auch zum Ausdruck bringen.100

Auch dies lässt sich vermutlich auf die Situation von Kindern in Einrichtungen mit mehreren Betreuungspersonen umlegen. Hier sind es nicht die verschiedenen Befindlichkeiten der Mutter welche eine Vorhersage des Verhaltes kaum möglich machen, sondern die verschiedenen Verhaltensweisen unterschiedlicher Personen. Jedoch ist hierbei zu berücksichtigen, dass das Betreuungspersonal im Normalfall geschult und somit kompetent genug ist, um einfühlend und den Bedürfnissen der Kinder entsprechend zu handeln. Daher kann davon ausgegangen werden, dass Kinder nicht mit absolut unvorhersehbaren Verhaltensweisen rechnen müssen und sich wahrscheinlich auch bald an die verschiedenen Reaktionen der einzelnen Betreuungspersonen anpassen können.

 
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