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3.1 Geplante Unterbringung

Wie bereits beschrieben kommt es zur vollen Erziehung, wenn die Erziehungsberechtigten nicht (mehr) in der Lage sind, das Wohl des Kindes zu gewährleisten und auch unterstützende Maßnahmen nicht dazu ausreichen. Besteht Problemeinsicht seitens der Betroffenen, kann dies vorteilhaft für die Organisation und den Prozess der Fremdunterbringung in dafür vorgesehenen Einrichtungen sein. Es können mit den Eltern und gegebenenfalls auch mit dem/der Minderjährigen die Problemlage besprochen, Alternativen abgewogen und Perspektiven sowie Prognosen bei Verbleib in der Familie beziehungsweise bei Fremdunterbringung überlegt werden. Gelingt das Zustandekommen einer Einigung über die weitere Vorgehensweise und somit über die Maßnahme der vollen Erziehung, unterschreiben die Erziehungsberechtigten eine schriftliche Vereinbarung und stimmen somit der Fremdunterbringung zu. Dadurch behalten sie die Obsorge und können ihre Zustimmung jederzeit widerrufen. Minderjährige und ihre Familie können auf die Fremdunterberingung und somit auf die Trennung altersentsprechend vorbereitet werden.43

Kann jedoch keine Einigung erzielt werden, für die Jugendwohlfahrt steht aber fest, dass der Verbleib des/der Minderjährigen in der Familie nicht zu dessen Wohl ist und es liegt eine erhebliche Gefährdung mit schlechter Prognose vor, muss ein Antrag auf

„Entziehung oder Einschränkung der Obsorge“ nach §176 ABGB44 beim zuständigen Pflegschaftsgericht gestellt werden. Der/die zuständige Pflegschaftsrichter/in prüft anschließend den Antrag, lädt Familie und Jugendwohlfahrtsleitung zur Verhandlung ein und verkündet sein Urteil. Entzieht er/sie den Erziehungsberechtigten ganz oder teilweise die Obsorge, so kann die Jugendwohlfahrt die Fremdunterbringung ohne Zustimmung der Erziehungsberechtigten durchführen. Seitens dieser kann Rekurs gegen die Entscheidung eingelegt werden. Auch umgekehrt hat die Jugendwohlfahrt die Möglichkeit Rekurs einzulegen, wenn der/die Richter/in sich gegen einen Obsorgeentzug ausspricht, dies aber aus Sicht der Jugendwohlfahrt dringend notwendig scheint. Meist vergehen mehrere Monate bis eine Entscheidung getroffen wird, was für alle Beteiligten sehr unangenehm und belastend ist.

Bei einer geplanten Fremdunterbringung kann man es als einen Vorteil bezeichnen, dass genügend Zeit bleibt um eine geeignete Einrichtung zu finden, Familie und Minderjährige so gut als möglich darauf vorzubereiten und um die Maßnahme gemeinsam mit allen Beteiligten zu planen und zu organisieren. Im Gegensatz dazu muss bei einer Krisenunterbringung aufgrund von Gefahr in Verzug schnell gehandelt und entschieden werden. Folgender Abschnitt soll mehr Einblick in diese Sofortmaßnahme geben.

 
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