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3 Volle Erziehung

Gemäß dem Tiroler Jugendwohlfahrtsgesetz 2002 ist „die volle Erziehung zu gewähren, wenn die Erziehungsberechtigten nicht in der Lage sind, die zum Wohl eines Minderjährigen erforderliche Erziehung zu gewährleisten und die Unterstützung der Erziehung nach §13 nicht ausreicht.“40

Nicht immer reicht die Maßnahme der Unterstützung der Erziehung aus um eine positive Entwicklung der Situation zu erzielen. Kann trotz Umstrukturierung, Intensivierung oder Umgestaltung der Unterstützungsmaßnahme kein Erfolg in absehbarer Zeit erwartet werden, wird eine Unterbringung des/der Minderjährigen in geeigneten Einrichtungen, sowie bei Pflegefamilien oder bei anderen dafür in Frage kommenden Personen (zum Beispiel Verwandten) notwendig.

Wie die Maßnahmen zur Unterstützung der Erziehung, kann auch volle Erziehung aufgrund einer „gerichtlichen Entscheidung gewährt werden“, wenn die Erziehungsberechtigten nicht freiwillig dazu bereit sind. Bei bestehender Freiwilligkeit wird eine „schriftliche Vereinbarung zwischen dem Land Tirol und den Erziehungsberechtigten“ getroffen.41

Die Gründe für eine Fremdunterbringung sind, wie auch die Gründe für die Jugendwohlfahrt überhaupt in einer Familie aktiv zu werden, sehr verschieden. Meist sind jedoch Konflikte zwischen den Eltern, Überforderung in verschiedenen Bereichen mit enormen Auswirkungen auf die Versorgung und Erziehung der Kinder, Gewalt in jeglicher Hinsicht (körperlich, sexuell, psychisch) oder gutachterlich festgestellte mangelnde Erziehungskompetenz der Eltern, welche ebenso oft Missstände und Gewalt hervorruft, ausschlaggebend für eine Fremdunterbringung.42

Ursachen für eine Maßnahme im Rahmen der vollen Erziehung können der Erfahrung nach jedoch nicht nur auf Schwierigkeiten und die Situation der Kindeseltern zurückgeführt werden. Wenn Kinder und Jugendliche aus verschiedensten Gründen ein Verhalten an den Tag legen, auf welches Eltern auch mit professioneller Unterstützung nicht mehr adäquat reagieren können, kann eine Fremdunterbringung für alle Beteiligten entlastend und förderlich sein.

Eine Fremdunterbringung kann absehbar sein und daher geplant werden oder es kann zu einer Krisenunterbringung aufgrund von Gefahr in Verzug kommen. Im Folgenden werden diese zwei Möglichkeiten genauer erläutert.

 
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