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2.1.1 Allgemeine Aufgaben

Wie bereits erwähnt, hat die Jugendwohlfahrt das Wohl des Kindes zu gewährleisten. Im Tiroler Jugendwohlfahrtsgesetz wird dies im ersten Abschnitt zu Beginn genauer erläutert. Die Entwicklung Minderjähriger soll durch eine Erziehung sichergestellt werden, welche auf die Individualität des Einzelnen Rücksicht nimmt und Eigenverantwortlichkeit fördert. Die Jugendwohlfahrt soll durch verschiedene Methoden wie Beratung, Betreuung, Gewährung von Hilfestellungen und anderes, eine solche Erziehung ermöglichen, wenn die Erziehungsberechtigten dazu ohne Hilfe nicht in der Lage sind. Dabei gilt dies für werdende Mütter und Väter genauso wie für Minderjährige und deren Eltern,11 wenn sich ihr gewöhnlicher Aufenthalt in Tirol befindet.12 In Ausnahmefällen können Maßnahmen der Jugendwohlfahrt auch über die Volljährigkeit hinaus gewährt werden, wenn dies zum Wohle der betroffenen Person erforderlich ist.13

In Tirol gibt es neun Verwaltungsbezirke mit Bezirkshauptmannschaften. In jeder Bezirkshauptmannschaft findet man auch eine Jugendwohlfahrtsbehörde; außerdem gibt es das Stadtjugendamt in Innsbruck. Welche Jugendwohlfahrtsbehörde im einzelnen Fall zuständig ist, hängt dem Gesetz nach vom Wohnort laut Melderegister des/der Minderjährigen ab. Bei Gefahr in Verzug14 hat jene Jugendwohlfahrtsbehörde zu handeln, in deren Bezirk das Begebnis sich ereignet hat. Im weiteren Verlauf wird der Heimatbezirk der Erziehungsberechtigten des/der betroffen Minderjährigen zuständig.15

Bei Tätigwerden der Jugendwohlfahrt ist vor allem zu beachten, dass angewandte Methoden und Arbeitsweisen so wenig als möglich in das Familienleben oder in ein familienähnliches Zusammenleben eingreifen, was als die Anwendung des „gelindesten Mittels“ bezeichnet wird. Die Familie soll nach Möglichkeit als Ganzes erhalten bleiben und mit Hilfe der Jugendwohlfahrt eigenverantwortlich die Aufgaben einer „gewaltlosen Erziehung“ selbst erfüllen und wahrnehmen. Zudem hat die Jugendwohlfahrt bei der Wahl der Methoden auf individuelle Entwicklungsmöglichkeiten, der Sprachzugehörigkeit, sowie jeweilige Lebensverhältnisse der Minderjährigen Rücksicht zu nehmen.16

Die Jugendwohlfahrt hat auch die Aufgabe stationäre Einrichtungen für den Zweck der dauerhaften Aufnahme von Minderjährigen zu errichten und zu betreiben.17

Das fachlich ausgebildete und geeignete Personal der Jugendwohlfahrt18, zumeist Sozialarbeiter/innen, ist zur Verschwiegenheit über alle ihm aus der Tätigkeit bekannt gewordenen Gegebenheiten verpflichtet, wenn daran ein „schutzwürdiges Interesse“ der Betroffenen besteht.19

Auch gilt es Fortbildungen zur Vertiefung und Weiterbildung des Wissens und der eigenen Kompetenz zu besuchen. Supervision durch eine dafür geeignete Person soll dem Austausch und der Verarbeitung beruflicher Themen und Vorkommnissen dienen.20

Gelangt eine Meldung über Gefährdung des Kindeswohls etwa durch Vernachlässigung, Misshandlung, (sexuellen) Missbrauch oder sonstigem bei der Jugendwohlfahrt ein, so ist es die Aufgabe der dort tätigen Mitarbeiter/innen diese Meldung auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen und anschließend Schritte zu planen und durchzuführen, welche zur Besserung/Beseitigung der Situation beitragen sollen. Alle unternommen Handlungen müssen chronologisch dokumentiert werden.21

Außerdem obliegt der Jugendwohlfahrt die Organisation und Abwicklung von Pflegeverhältnissen in Pflegefamilien22 sowie der „Vermittlung der Annahme an Kindes Statt“, worunter man eine Adoption versteht.23 Auch Bewilligungen für „sozialpädagogische Einrichtungen und sonstige Einrichtungen für Minderjährige“ werden nach jährlicher Überprüfung erteilt bzw. entzogen. Die Jugendwohlfahrt ist dafür verantwortlich, dass das Wohl der Kinder und Jugendlichen während ihres Aufenthalts in diesen Einrichtungen gewährleistet ist.24

Die Handlungsmöglichkeiten der Jugendwohlfahrt zur Hilfestellung von Familien und Sicherung des Kindeswohls werden gesetzlich unter dem Begriff „Hilfen zur Erziehung“ zusammengefasst. Im nächsten Teil dieser Masterarbeit soll explizit auf diesen Abschnitt des Tiroler Jugendwohlfahrtsgesetzes eingegangen werden.

 
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