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7 Argumentationsfunktion und Argumentationswert

Der Argumentationswert ist das Ergebnis einer Unternehmensbewertung im Sinne der Argumentationsfunktion (vgl. Matschke und Brösel 2013, S. 607–758).

7.1 Grundlagen der Argumentationsfunktion

Als Argumentationswert wird nicht eine einzelne Wertgröße, sondern die Gesamtheit von Begründungen bezeichnet, die eine Verhandlungspartei mit dem Ziel der Verbesserung der eigenen Verhandlungsposition (konstruktive Argumentationsstrategie) oder der Schwächung der Position des Verhandlungspartners (destruktive Argumentationsstrategie) selbst vorträgt oder auch vortragen läßt, um ein für sie günstig(er)es Verhandlungsresultat zu erreichen. Es geht darum, die Verhandlungsgegenseite von der „Richtigkeit eines präsentierten Unternehmenswerts zu überzeugen“ (Barthel 2005, S. 36). Auch in dominierten Konfliktsituationen kommt Argumentationswerten eine große Bedeutung zu, wenn es etwa darum geht, ein vorgelegtes Bewertungsgutachten eines – von einem Verhandlungspartner, einem Gericht oder einer Staatsanwaltschaft – bestellten Gutachters in seiner Glaubwürdigkeit und Brauchbarkeit zu erschüttern. In diesem Zusammenhang dürfte der destruktiven Argumentationsstrategie eine größere Bedeutung zukommen.

Der Aspekt, mit Hilfe einer Unternehmensbewertung das Verhalten oder die Sichtweise des Bewertungsadressaten (Verhandlungspartner, Gericht, Staatsanwaltschaft) zu ändern, um Vorteile zu erlangen oder Nachteile abzuwenden, dürfte mit ein wichtiger Grund sein, weshalb die Argumentationsfunktion bisher am wenigsten theoretisch durchdrungen ist und das IDW sie sogar leugnet. Das ist um so erstaunlicher, weil die Aufgabenstellung, Argumentationshilfe zu leisten, wahrscheinlich am häufigsten praktiziert wird, gerade auch von Wirtschaftsprüfern als Vereinsmitgliedern des IDW. In Verhandlungen sowie vor Gerichten wird man geradezu von einer Dominanz der Argumentationsfunktion sprechen müssen. Anzunehmen, daß es „den“ Unternehmenswert geben könnte, ist wegen der Argumentationsfunktion geradezu abstrus!

Wird in einer Verhandlung eine Einigung angestrebt, möchte jede Partei die Eigentumsänderung zu Bedingungen realisieren, die möglichst fern von der eigenen Konzessionsgrenze und möglichst nahe an der vermuteten Konzessionsgrenze der Gegenseite liegen. Die Kenntnis des eigenen Entscheidungswertes ist bei einer konstruktiven Argumentationsstrategie vonnöten, weil sie auf ein bestimmtes, günstiges Einigungsresultat abzielt. Aber auch im Falle einer destruktiven Argumentationsstrategie, mit der gegnerische Absichten verhindert werden sollen, sollte der eigene Entscheidungswert die Meßlatte sein, anhand der zu messen ist, ob eine solche Strategie letztlich (noch) den eigenen Interessen dient.

 
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