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5.2.3 Ermittlung des Bewertungsprogramms

Eine Einigung in der interpersonalen Konfliktsituation beruht auf einer Verständigung der beteiligten Konfliktparteien über die konfliktlösungsrelevanten Sachverhalte S1, .. ., Sn, welche die konkreten Ausprägungen s1, .. ., sn als mögliches Verhandlungsresultat annehmen können. Jede der sich gegenseitig aus-

schließenden Kombinationen (s1, .. ., sn) ∈ S1 × ... × Sn der Extensionen der konfliktlösungsrelevanten Sachverhalte stellt eine mögliche Einigungslösung in der betrachteten Konfliktsituation dar, die durch die konfliktlösungsrelevanten Sachverhalte S1, .. ., Sn näher beschrieben wird. Die Menge aller möglichen Kon-

fliktlösungen ist S := S1 × ... × Sn oder S := f(s1, .. ., sn)|(s1, .. ., sn) ∈ S1 × ... × Sn1. Sie kann inhaltlich als Menge aller möglichen Verträge interpretiert werden.

Nach einer Verständigung auf eine ganz bestimmte Konfliktlösung (s1, .. ., sn) ∈ S, also auf einen konkreten Vertragsinhalt, kann das Bewertungssubjekt unter einer Menge B(s1, .. ., sn) = fb1, .. ., bj, .. ., bp1 von Handlungsmöglichkeiten bj(s1, .. ., sn) wählen, weil sich sein Entscheidungsfeld durch eine solche Einigung ändert. Die Menge B(s1, .. ., sn) umfaßt alle nach einer Einigung auf die Konfliktlösung (s1, .. ., sn) verfügbaren Handlungsmöglichkeiten. Diesen Handlungsmöglichkeiten bj(s1, .. ., sn) kann das Bewertungssubjekt wiederum einen bestimmten Nutzwert N (bj(s1, .. ., sn)) zuordnen. Bei rationaler Handlungsweise entscheidet sich das Bewertungssubjekt bei einer Einigung auf (s1, .. ., sn) für diejenige Handlungsmöglichkeit bj(s1, .. ., sn) aus der Menge B(s1, .. ., sn), deren Nutzwert am größten ist.

Der Nutzwert N (bj(s1, .. ., sn)) dieser bezogen auf die Konfliktlösung (s1, .. ., sn) optimalen Alternative bopt(s1, .. ., sn) ist gemäß der Gleichung N (bopt(s1, .. ., sn)) = max fN (bj(s1, .. ., sn)) |bj(s1, .. ., sn) ∈ B(s1, .. ., sn)1 oder N (bopt(s1, .. ., sn)) := f(s1, .. ., sn) eine Funktion f der Konfliktlösung (s1, .. ., sn). Auf diese Weise kann einer Konfliktlösung (s1, .. ., sn) ein bestimmter Nutzwert f(s1, .. ., sn) eindeutig zugeordnet werden, der gleich dem Nutzwert der besten Handlungsmöglichkeit bopt(s1, .. ., sn) ist, die das Bewertungssubjekt nach einer Einigung auf diese Konfliktlösung (s1, .. ., sn) ergreifen könnte.

Ob eine Konfliktlösung (s1, .. ., sn) aus der Sicht des Bewertungssubjekts freilich akzeptabel ist, d. h. als Einigungslösung aus seiner Sicht überhaupt in Frage kommt,

hängt davon ab, wie groß der Nutzwert N (bopt(s1, .. ., sn)) bei einer Einigung auf (s1, .. ., sn) im Vergleich zum Nutzwert N (aopt) seines Basisprogramms ist:

1. Gilt N (bopt(s1, .. ., sn)) < N (aopt) , ist die Konfliktlösung (s1, .. ., sn) für das Bewertungssubjekt nicht akzeptabel, d. h., sie wird abgelehnt.

2. Gilt hingegen N (bopt(s1, .. ., sn)) ≥ N (aopt), ist die Konfliktlösung (s1, .. ., sn) für das Bewertungssubjekt akzeptabel oder zumutbar. Im Falle

N (bopt(s1, .. ., sn)) > N(aopt) wird die Einigung gegenüber der Nicht-Einigung präferiert; im Falle N(bopt(s1, .. ., sn)) = N (aopt) werden Einigung auf Basis von

(s1, .. ., sn) und Nicht-Einigung indifferent beurteilt. Zumutbar sind also alle Konfliktlösungen mit N (bopt(s1, .. ., sn)) ≥ N (aopt).

Diejenigen Handlungsmöglichkeiten bopt(s1, .. ., sn) im Hinblick auf eine Konfliktlösung (s1, .. ., sn), die dazu führen, daß der Nutzwert N (bopt(s1, .. ., sn)) mit dem Nutzwert N (aopt) des Basisprogramms gerade übereinstimmt oder, wenn die Nut-

zenfunktion f unstetig ist, minimal größer als der Erfolg des Basisprogramms ist, bilden das Bewertungsprogramm B∗ des Bewertungssubjekts:

Das Bewertungsprogramm B∗ ist grundsätzlich eine mehrelementige Menge. Sie umfaßt alle optimalen Alternativen, die zum gleichen oder bei Unstetigkeit der Nutzenfunktion f zu einem minimal höheren Nutzen wie aus dem Basisprogramm führen. Das Bewertungsprogramm B∗ ist zugleich eine Teilmenge der dem Bewertungssubjekt in Abhängigkeit von den Konfliktlösungen S insgesamt offenstehenden Handlungsmöglichkeiten B∗⊂(s1 ,...,sn)∈SB(s1, .. ., sn).

5.2.4 Entscheidungswert, Menge zumutbarer Konfliktlösungen sowie Einigungsmenge und Tauschwert in einer mehrdimensionalen Konfliktsituation

Der Entscheidungswert W ist aus der Sicht des betrachteten Bewertungssubjekts dementsprechend diejenige Menge aller Konfliktlösungen (s1, .. ., sn), für die

der Nutzwert N (bopt(s1, .. ., sn)) gleich dem Nutzwert N (aopt) oder – bei Unstetigkeit der Nutzenfunktion f – minimal größer als der Nutzwert N(aopt) des Basisprogramms ist:

Der ebenfalls grundsätzlich mehrelementige Entscheidungswert W ist eine Teilmenge der Menge S aller Konfliktlösungen, also W ⊂ S. Unter Berücksichtigung des Entscheidungswertes W kann das Bewertungsprogramm auch definiert werden als: B∗ := fbopt(s1, .. ., sn)|(s1, .. ., sn) ∈ W1, d. h. als Menge aller optimalen

Handlungsmöglichkeiten in Abhängigkeit von denjenigen Konfliktlösungen, die den Entscheidungswert bilden.

Die Menge Sz der für eine Konfliktpartei zumutbaren Konfliktlösungen enthält alle Konfliktlösungen, denen diese Partei indifferent gegenübersteht oder die sie präferiert, so daß gilt:

Sz :={(s1, .. ., sn)|f(s1, .. ., sn) ≥f(s´1, .. ., s´n) sowie (s´1, .. ., s´n) ∈W und (s1, .. ., sn) ∈S}.

Der Entscheidungswert W ist folglich auch eine Teilmenge der Menge Sz der zumutbaren Konfliktlösungen, also W ⊂ Sz. Der Nutzwert f(s1, .. ., sn) einer zumutbaren Konfliktlösung ist mindestens gleich dem Nutzwert des Basisprogramms f(s1, .. ., sn) ≥ N (aopt).

Gibt es q am Konflikt beteiligte Parteien, so ist die mögliche Einigungsmenge E als Schnittmenge der Mengen der zumutbaren Konfliktlösungen dieser Parteien definiert: E := Sz1 ∩ Sz2 ∩ ... ∩ Szq. Eine Einigung zwischen diesen Konfliktparteien ist demgemäß in einer nicht dominierten Konfliktsituation bei rationalem

Verhalten aller Konfliktparteien nur dann zu erwarten, wenn die Einigungsmenge keine leere Menge ist, also E /= ∅ gilt. Der Tauschwert T für diese Parteien ist dann diejenige Konfliktlösung (s∗, .. ., s∗ ) aus der Einigungsmenge E, auf die sich die Parn teien verständigt haben, so daß der Tauschwert ein Element der Einigungsmenge ist: T ∈ E.

Beispielhafte Erläuterungen dieses allgemeinen Modells geben Matschke/Brösel (vgl. Matschke und Brösel 2013, S. 152–164).

 
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