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2.2 Subjektive Unternehmensbewertung

Der Durchbruch und Siegeszug der subjektiven Unternehmensbewertung gelang Mitte der 1960er Jahre (Busse von Colbe 1958; Sieben 1963; Jaensch 1966; Münstermann 1966; Sieben 1968).

Die subjektive Unternehmensbewertung wurde in Frontstellung zur ursprünglichen objektiven Unternehmensbewertung entwickelt. Sie wollte erfassen, was das Unternehmen unter Berücksichtigung der subjektiven Planungen und Vorstellungen eines konkreten Bewertungssubjekts für dieses wert ist. Die Verfechter der subjektiven Unternehmensbewertungstheorie vertraten einen zur objektiven Konzeption konträren Standpunkt: Unternehmenswerte sind subjektiv. Für jedes Bewertungssubjekt kann das Unternehmen einen verschiedenen Wert haben. Das Unternehmen hat nicht einen einzigen Wert, wie es der Idee der objektiven Konzeption entspricht, sondern nach der subjektiven Konzeption für jedes Bewertungssubjekt einen grundsätzlich verschiedenen Wert. „Den“ Unternehmenswert gibt es nicht, lautet die Kernaussage (vgl. weiterführend Matschke und Brösel 2013, S. 18–21).

Die subjektive Unternehmensbewertungskonzeption ist in Opposition zur damals herrschenden objektiven Lehre entstanden und aufgrund dieser Entstehungsgeschichte durchaus einseitig. Diese Einseitigkeit ist darin zu sehen, daß die subjektive Konzeption ausschließlich die Situation einer einzigen Konfliktpartei betrachtet und daß die Aufgabenstellung eines Unparteiischen, der zwischen mehreren Konfliktpartei moderieren oder vermitteln soll, weder in ihrer theoretischen noch in ihrer praktischen Bedeutung richtig wahrgenommen und gewürdigt wird.

2.3 Funktionale Unternehmensbewertung

Mit dem Paradigmenwechsel zum Konzept der funktionalen Unternehmensbewertung Mitte der 1970er Jahre wurden die kontroversen Anschauungen objektiver und subjektiver Lehre überwunden. Zentraler Aspekt dieser Konzeption ist die Zweckabhängigkeit des (subjektiven) Unternehmenswertes (vgl. zum Überblick über Vertreter der funktionalen Bewertungslehre Matschke und Brösel 2013, S. 22–25).

Die funktionale Unternehmensbewertung betont die Notwendigkeit einer Aufgabenanalyse und die Abhängigkeit des Unternehmenswertes von der jeweiligen Aufgabenstellung (Zweck, Funktion). Ein Unternehmen hat nicht bloß für jeden Bewertungsinteressenten einen spezifischen Wert, sondern kann auch je nach Aufgabenstellung einen durchaus unterschiedlichen Wert haben. Die Bewertung erfolgt zweckabhängig: „Den“ Unternehmenswert kann es nicht geben.

Die funktionale Unternehmensbewertung kennt Haupt- und Nebenfunktionen, wobei die Hauptfunktionen (Entscheidungs-, Vermittlungs- und Argumentationsfunktion) im Vordergrund der Betrachtung stehen. Ihr Gemeinsames ist ihre Orientierung auf interpersonale Konfliktsituationen, die auf eine Änderung der Eigentumsverhältnisse des Bewertungsobjekts zielen. Erfolgen Bewertungen nicht mit der Absicht, die personellen Eigentumsverhältnisse zwischen den Konfliktparteien zu verändern, liegen Nebenfunktionen vor (vgl. Brösel 2006; Matschke und Brösel 2013, S. 66–80).

 
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