Desktop-Version

Start arrow Betriebswirtschaft & Management arrow Change Leadership

< Zurück   INHALT   Weiter >

5.3.2 Umgang mit Angst

Angst ist ein Gefühl, das in unbekannten oder gefahrvollen Situationen zu höherer Aufmerksamkeit und Vorsicht führt. Sie kann aber auch Aggressionen oder den Impuls zu flüchten auslösen. Mit Ängsten konstruktiv umzugehen, heißt diese zunächst bewusst wahrzunehmen. In weiterer Folge sollten positive Erfolgsgeschichten zu bestimmten beängstigenden Situationen ins Bewusstsein gerufen werden.

Angst kann im organisationalen Kontext auch durch die Furcht vor dem Unbekannten entstehen. Eine Aufgabe, die im Raum steht, zu der es aber weder Information noch emotionale Einordnung oder Einschätzung gibt. Es ist unklar, wie diese Aufgabe zu bewältigen ist, wodurch sich Abwehr oder Widerstand bilden können. Eine Bewältigungsstrategie ist es, mit Zuversicht und Vertrauen nach vorne zu schauen, und den Prozess der Zukunftsentstehung bewusst zu erleben und zu gestalten, während er voranschreitet. Es gilt hier die Fähigkeit zu verstehen, Unsicherheiten und Ungewissheit aushalten zu können und auf den eigenen Umgang damit zu vertrauen.

Unvorhergesehene Ereignisse, Veränderungen oder Krisen verursachen bei Menschen Betroffenheit und machen Orientierung notwendig.

Ängste und Krisen können in Menschen mehrere Reaktionen auslösen. Zunächst wird auf bekannte Verhaltensmuster zurückgegriffen, um eine Lösung herbeizuführen, wie weinen, streiken oder protestieren. Wird eine Situation als unabwendbare Bedrohung eingestuft gibt es nur noch drei Reaktionen, die vom Gehirn aktiviert werden Kampf, Flucht oder der Totstellreflex. Die Aufgaben von Führungskräften verändern sich in Krisensituationen. Es ist zunächst Orientierung zu vermitteln und es sind notwendige Maßnahmen zu setzen, um auf Ängste einzugehen und Konflikte oder Widerstand zu bearbeiten.

Auch Führungskräfte haben Angst in Veränderungsprozessen. Angstreaktionen aufgrund von Risiken sind normal, nur gilt es mit diesen umzugehen. Es ist erforderlich, sich diese bewusst zu machen. Geschieht dies nicht, werden sie lediglich verdrängt, bleiben unterbewusst bestehen und werden nach außen ausgestrahlt.

Führungskräfte in Veränderungsprozessen sind emotional aus zwei Richtungen berührt. Einerseits sind sie selbst Betroffene im Wandel, die in ihrer eigenen Situation zurechtkommen müssen, andererseits sind sie selbst für die Steuerung von Veränderungen verantwortlich.

Veränderungen können Angst in Organisationen auslösen, wenn Beteiligte ihre Existenz in Gefahr und keine Kontroll-, Eingriffsoder Mitgestaltungsmöglichkeiten für sich sehen. Die Aufgabe von Führungskräften ist es daher, den eigenen Ängsten und jenen der Organisationsmitglieder entgegenzutreten, und diese konstruktiv zu bewältigen. Die Führungskräfte bearbeiten dabei zwei Perspektiven. Einerseits werden die Unternehmensumwelt und deren Auswirkung auf die Organisation analysiert. Andererseits richtet sich die Aufmerksamkeit auf die internen Prozesse in ihrem Verantwortungsbereich. Wichtig ist es für Führungskräfte in einem Change, sich nicht von Angst lähmen zu lassen, sondern diese als Ressource für Reflexion und Aufmerksamkeit zu nutzen, Konsequenzen zu erkennen und die Kontrolle über Handlungen zu behalten. Zum Umgang mit Angst gehört es auch, diese von den MitarbeiterInnen zu sehen und aufzunehmen. Auch die eigene Angst vor dem Scheitern oder Versagen darf nicht verdrängt werden. Die aus Ängsten entstehenden Impulse sind aufzunehmen, da sie eine emotionale Reaktion auf Unsicherheiten in Bezug auf die Zukunft sind, und das Hinterfragen wichtiger Aspekte für das Unternehmen fördern. Es wird die Sicht auf Risiken sowie auf das Management dieser Risiken gelegt. Angst kann der Vorsicht dienen, vorauszuschau- en und künftige Entwicklungen und Konsequenzen des eigenen Handels abzuschätzen, anstatt impulsgesteuert und unüberlegt zu agieren..

Manche Führungskräfte setzen Angst gezielt ein, um bestimmte Ergebnisse zu erzielen. Diese Vorgehensweise kann kurzfristig zur Erreichung der gewünschten Resultate führen. Auf längere Sicht gesehen kann jedoch eine aggressive und angsterfüllte Arbeitsatmosphäre entstehen.

Abgesehen von der menschlichen Komponente, repräsentiert Angst auch eine Managementaufgabe aus ökonomischer Perspektive. Aufgrund von Absentismus, Fluktuation, arbeitsverursachtem Medikamentenkonsum oder Alkoholmissbrauch entstehen jährlich hohe Kosten für die Wirtschaft und die Gesellschaft.

 
Fehler gefunden? Bitte markieren Sie das Wort und drücken Sie die Umschalttaste + Eingabetaste  
< Zurück   INHALT   Weiter >

Related topics