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5.1.2 Strategisches Change Coaching

Sulz beschreibt auf der Ebene des Individuums die Notwendigkeit von Plastizität für große Veränderungen, d.h. ist die Fähigkeit des Gehirns seine Strukturen zu verändern. Bei kleinen Änderungen sind eine kognitive Bearbeitung und ein

„Durchdenken“ ausreichend. Bei tiefgehenden Veränderungen ist die Einbindung von Emotionen und Motiven unumgänglich. Die Informationsverarbeitung erfolgt durch zwei parallel geschaltete Systeme – die rationalen kontrollierten Denkprozesse und die Intuition. Rationale Prozesse arbeiten langsamer, basierend auf Logik und Ursache-Wirkungs-Mechanismen. Sie sind im Bewusstsein und daher über die Sprache erschließbar. Die Intuition arbeitet dagegen schnell und generiert assoziativ Reaktionen auf Basis grob umrissener Wirklichkeit. Dies kann dazu führen, dass die Intuition unpassende Reaktionen auf neue Situationen liefert. Bestimmte Strategien für das Überleben wurden im Lauf der Entwicklung generalisiert und in emotionale Überlebensstrategien übersetzt, die das Verhalten meist unbewusst steuern. Die Ziele in solchen Coaching Prozessen sind gegen das eigene „Basisprogramm“ vorzugehen und neue Reaktionen anzulegen. Dieses Vorgehen ist dann zu wählen, wenn Anpassungen an eine Situation basierend auf den bisher gemachten Erfahrungen (Adaption) das Problem nicht lösen. Dann ist eine neue Lösungsfindung basierend auf der Änderung der Wahrnehmung der Welt, wie sie gesehen wird, vorzunehmen (Akkommodation). Das Bewusstsein und die rationalen Prozesse können tief abgespeicherte emotionale Wirkungsprozesse des Erlebens nicht erreichen, weshalb ein Brückenschlag auf besondere Weise gestaltet sein muss. Im Change Coaching wird trotzdem zuerst in einem rationalen Prozess auf die durch dysfunktionalen Verhaltensstrategien eingegangen. Das motivatonal-emotionale System ist nicht kognitiv über die Sprache erreichbar, daher werden diese emotionalen Strukturen in der Therapie oder im Change Coachings durch szenische Erinnerung über die Körperebene und durch körperliches Erleben abrufen und erkennbar machen. Es wird in weiterer Folge die zur Szenischen Rekonstruktion passende Emotion wahrgenommen und ein erstes Verstehen erarbeitet. Abschließend wird die Bedeutung der Emotion reflektiert. Am Ende eines erfolgreichen Change Coaching Prozesses steht die Umsetzung der neuen Verhaltensweisen, die zu Beginn noch wesentlich mehr Willenskraft verlangt. Nach dem wiederholten Einüben kommt es zur Strukturierung von neuronalen Bahnen und der Automatisierung.

Gössler hingegen sieht Coaching als nicht dienlich sogar potentiell gefährlich, wenn jenseits von bewussten beruflichen Fragestellungen gearbeitet wird, und einem Coach entsprechende umfassende und fundierte Ausbildungen dazu fehlen.

 
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