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4.3.4 Intervention

Auf die Beurteilung einer Situation und Emotion folgt eine Entscheidung zu handeln bzw. zu intervenieren. Diese kann auf einem emotionalen Impuls beruhen oder auf der Reflexion einer Beobachtung und Emotion. Wird impulsiv reagiert und gehandelt, wird der Reflexionsprozess scheinbar abgekürzt. Dies ist jedoch nicht wirklich der Fall, denn es wird viel mehr einer Beobachtung und emotionalen Reaktion ohne weitere Reflexion ein zu hoher Stellenwert beigemessen, aufgrund derer dann ein Urteil und eine Intervention erfolgen. Eine solche Intervention kann im Falle eines Angriffes und schnellen Gegenangriffs eine angemessene Intervention sein. Wurde allerdings aus einem emotionalen Impuls heraus gehandelt, kann dies zu einem Missverständnis und zur Fehleinschätzung der Aktion führen. Die Intervention erscheint unangemessen und der/die Intervenierende als AggressorIn, was zu Störungen in der Kommunikation führen kann.

Dieser Schritt ist den drei Empfangsvorgängen nachgelagert und wird durch diese hervorgerufen.

Emotionen steuern Prozesse der menschlichen Interaktion an, d.h. sie sind die Basis für Verhalten und die Haltung in einer Interaktion oder in der Kommunikation. Aufgrund des emotionalen Erlebens werden in der Interaktion Reaktionen hervorgerufen. Dazu zählen eine bestimmte Körperhaltung oder ein Gesichtsausdruck, der wiederum bei dem/der InteraktionspartnerIn eine Wahrnehmung und Emotion auslöst.

Die Grundemotionen Angst, Freude, Trauer oder Abscheu sind angeboren. Das sekundäre Emotionssystem verknüpft die Grundemotionen mit erlernten Informationen und eigenen sowie soziokulturellen Erfahrungen. Die Bewertung und Reaktion auf eine Situation sind von diesem Hintergrund abhängig.

4.3.5 Nutzen

Wie zuvor beschrieben, kann es zu Störungen in der Kommunikation und Interaktion kommen. Aufgrund von Erwartungen, Abwehrreaktionen oder divergierenden Interpretationen kommt es zu gefilterten oder gefärbten Wahrnehmungen. Diese sind oft nicht passend zur Intention des/r SenderIn einer Nachricht. Solche Kommunikationsstörungen und darauf aufgebaute Bewertungen und Reaktionen führen häufiger zu Verletzungen und Beziehungsproblemen als negative oder böse Intentionen. Der Nutzen der Kenntnis von intrapsychischen Prozessen im Organisationsumfeld sowie in Beratungs- und Veränderungsprozessen liegt in der Sensibilisierung für den Umgang mit, wie Schein beschreibt, „falscher“ Wahrnehmung.

Simon zeigt jedoch auf, dass auch Prozesse, die als rational beschrieben werden, ebenso konstruiert sind und auf Beobachtungen basieren, und sich weniger als das Ergebnis rein logischen Denkens ergeben. Es sind drei Bereiche zu unterscheiden, nämlich das Beschreiben, Bewerten und Erklären bestimmter Vorgänge. Was in einer Beschreibung resultiert, beruht auf der Wahrnehmung und auf dem Filtern bestimmter Informationen. Die Bewertung ist eine Komplexitätsreduktion und dient der Einordnung, ob etwas als neu, erfreulich oder bedrohlich etc. erachtet wird.

Bei Erklärungen geht es um die Rekonstruktion von Vorgängen, die zu den beobachteten Ergebnissen geführt haben. Diese Erklärungen basieren auf der Vergangenheit, können jedoch auch für zukünftige Ereignisse hervorgebracht werden, wodurch Handlungen überprüft und Handlungsspielräume geschaffen werden. Die Erklärung und Einordnung künftiger Ereignisse oder Vorstellungen basiert auf Erfahrungen, die Menschen heranziehen. Das Bild der Vergangenheit wie auch für Zukünftiges basiert somit auf Konstruktionen und Filtern, je nachdem wohin Aufmerksamkeit gelegt oder was weggefiltert wird.

Auch Schulz von Thun streicht in Zusammenhang mit Interpretationen heraus, dass es nicht darum geht, Interpretationen zu vermeiden, sondern dass diese wahr oder falsch sein können. Interpretationen stellen eine Möglichkeit dar, das Richtige zu verstehen. Der Nutzen liegt aus seiner Sicht ebenfalls darin, den Individuellen Charakter einer Interpretation zu transportieren und zu zeigen, dass diese aufgrund des eigenen Verständnisses und einer Bewertung erfolgt und nicht immer zur Intention des Gegenparts in der Kommunikation passt.

Um für ein System passende, anschlussfähige Interventionen zu finden, bedarf es der Beobachtung einer Situation sowie der Reflexion der dadurch hervorgerufenen emotionalen Reaktion. Dabei kann die Kenntnis des BRUI-Ablaufes, die Aufmerksamkeit auf die eigenen Reaktionen und die Erforschung der eigenen blinden Flecken unterstützen, reflektierte anschlussfähige und passende Interventionen in emotional belastenden Situationen wie in Changeprozessen zu generieren. So können Kommunikationsstörungen vermieden oder aufgelöst werden.

Unpassende Kommunikation oder Intervention können die Folge sein, wenn die Wahrnehmung eines/r BeobachterIn nicht mit der Kultur in einem System stimmig ist. Des Weiteren können Wahrnehmungsfilter aufgrund von persönlicher Abwehr oder Vorurteilen ausgelöst werden. Passen Erwartungen aus dem Erfahrungsgedächtnis nicht zur aktuellen Situation, können sich aus diesen Erwartungen Reaktionen ergeben, die unpassende Interventionen nach sich ziehen.

Es kann hilfreich sein, die Fehlerquellen und Hinterbzw. Beweggründe für unpassende Interventionen aufzuspüren und automatische Reaktionen, die in bestimmten Interventionen münden, zu erkennen, um mit diesen umzugehen. Es ist die Aufmerksamkeit auf die aktuelle Situation zu legen, ohne auf automatische Reaktionen aus ähnlichen Situationen zurückzugreifen. Bestimmtes Verhalten, das eine gewisse emotionale Reaktion in einem gewissen Kontext auslöst, ist zu reflektieren und es ist die Anwendbarkeit in der aktuellen Situation zu prüfen. Das Feedback und die Sichtweisen anderer einzuholen, kann dabei ebenfalls hilfreich sein. Die eigene Wahrnehmung und daraus resultierenden Urteile sowie Interventionen sind mittels entsprechender Reflexionsmethoden zu durchleuchten und zu hinterfragen. Des Weiteren ist es möglich, die Wahrnehmungen mit anderen zu vergleichen und das individuelle Erleben zu besprechen. Auch Schweigen kann eine wirkungsvolle Intervention sein, Räume für Reflexion zu schaffen und Problemlösungen von den Beteiligten entstehen oder erarbeiten zu lassen, ohne den Fluss durch Bewertungen oder Interventionen zu unterbrechen.

Neben den Impulsen aus dem Erfahrungsgedächtnis, die zu unreflektierten Reaktionen bzw. Interventionen führen können, sind auch kulturgeprägte Auffassungen Anlass für unterschiedliche Wahrnehmungen und Bewertungen. Beispielsweise kann ein Gespräch unter vier Augen im kulturellen Kontext einer Person nur hinter verschlossenen Türen geschehen. Für eine andere Person mit anderem unternehmenskulturellen Hintergrund ist bereits eine ruhige Ecke ausreichend.

 
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