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4.3.1 Beobachtung

Beim Beobachten nimmt das Nervensystem über die Sinnesorgane Reize und Daten auf. Diese Reizaufnahme und Verarbeitung entspricht der Wahrnehmung, welche von den Erfahrungen und Erwartungen eines Menschen gefiltert wird. Es wird aus den gebotenen und zur Verfügung stehenden Daten vorselektiert, welche aufgenommen werden. Was nicht den Erwartungen entspricht, dringt nicht durch die Wahrnehmung bis zur Verarbeitung vor, sondern wird weggefiltert. Es wird das aufgenommen, was basierend auf Meinungen, Erfahrungen, Bedürfnissen und der Sprache sowie Kultur zuordenbar ist. Anders formuliert dringt in das Denken des Menschen das vor, was bereits im Denken vorhanden und über die Sprache formulierbar ist. Nicht das Gesehene bestimmt das Denken, sondern das Denken bestimmt das Sehen und Wahrnehmen. Eine Person, die bestimmte Zusammen-

hänge erkennen will oder Hypothesen verfolgt, wird das erkennen, was dieser Betrachtungsweise entspricht aber nicht aufnehmen, was dieser widerspricht.

Erwartungen beruhen auf Erinnerungen und stammen auch aus den gleichen Gehirnregionen. So hat Vergangenes Einfluss auf zukünftige Entwicklungen und beeinflusst die Einschätzungen der Zukunft. Neue Entwicklungen sprechen andere Prozesse im Gehirn an und können zu schwierig zu verarbeitendem Chaos führen,

wenn die Wahrnehmungen nicht einzuordnen sind. Es kann in diesem Zusammenhang hilfreich sein, neue Herangehensweisen mit alten zu verbinden.

Kriz spricht in diesem Zusammenhang auch von Komplettierungsdynamik. Je mehr jemand bei der Wahrnehmung auf Muster zurückgreift und Zuschreibungen aus der Erfahrung macht, desto weniger erlebt diese Person etwas Neues.

Die Wahrnehmung kann folglich verzerrt sein, was sich durch Abwehrmechanismen und Verleugnung äußern kann. Verleugnung kann besonders in einem Veränderungsprozess eintreten, wenn die auf ein Thema oder Verhalten einer Person gerichteten Informationen oder Kommunikation von dieser Person ausgeblendet werden. Andererseits kann es zur Projektion kommen, wenn sich die eigene Wahrnehmung einer Person dahingehend ausrichtet, Vorgänge, Themen und Verhalten bei einer anderen zu sehen und zu interpretieren, die bei dem/r BeobachterIn vorgehen. In Organisationen ist das Wissen über diese Prozesse und Wahrnehmungsfilter hilfreich. Es kann so die eigene Wahrnehmung auf Filter, Klischees, Vorurteile, Stereotypen oder verzerrende Erfahrungen und Interpretationen sowie Projektionen untersucht und reflektiert werden. In weiterer Folge ist es dann möglich, offener und unvoreingenommener an neue Situationen heranzugehen und diese für neue Interpretationen, Urteile, Reaktionen und Handlungen wirken zu lassen.

Dieser Vorgang ist mit dem Wahrnehmen in den drei Empfangsvorgängen nach Schulz von Thun vergleichbar. Beim Wahrnehmen werden Reize von außen über die Sinnesorgane aufgenommen.

 
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