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4.3 Modelle der Wahrnehmung und Interaktion

Im folgenden Abschnitt sind das BRUI-Modell nach Edgar Schein sowie die drei Empfangsvorgänge nach Schulz von Thun und die intrapsychischen Prozesse der personzentrierten Systemtheorie beschrieben und miteinander in Verbindung gebracht.

Für die Kommunikation und Gestaltung von Beziehungen sowie für das Verständnis der eigenen Handlungen und auch der Handlungen anderer ist es wichtig, eine Vorstellung darüber zu haben, wie intrapsychische Prozesse funktionieren, wodurch Kommunikation misslingen kann oder Handlungen ineffektiv sind. Intrapsychische Prozesse sind komplex und zeichnen sich dadurch aus, dass Daten aufgenommen und verarbeitet werden, und dass darauf eine Handlung folgt. Zur Vereinfachung dieser komplexen Abläufe hat Edgar Schein das BRUI-Modell (Beobachtung, Emotionale Reaktion, Urteil, Intervention) für die Prozessberatung und Organisationsentwicklung formuliert. Der erste Schritt dabei ist das Beobachten (B), worauf eine emotionale Reaktion (R) folgt. Diese wird analysiert, verarbeitet und es werden die Beobachtungen und Gefühle beurteilt (U). Danach wird eine Handlung bzw. eine Intervention (I) gesetzt.

Durch die Kenntnis des Ablaufes von Wahrnehmung, Bewertung und Interaktion wird Führungskräften eine Reflexionsperspektive auf das eigene Verhalten und das der MitarbeiterInnen aufgezeigt.

Darstellung 5: BRUI-Modell142

Schulz von Thun zeichnet ein ähnliches Bild und beschreibt es als drei Empfangsvorgänge. Die Reaktion eines/r Empfängers/in ist darauf begründet, was dieser/e wahrnimmt, interpretiert und fühlt. Diese drei Vorgänge werden jedoch in anderer Reihenfolge dargestellt, als der Ablauf, der im Modell von Schein beschrieben ist.

Darstellung 6: Drei Empfangsvorgänge144

Beim Vergleich der beiden Modelle bzw. Abläufe wird deutlich – und darauf wird in weiterer Folge in den Unterkapiteln eingegangen – dass die Reihenfolge zwischen den Schritten des BRUI-Modells und den drei Empfangsvorgängen unterschiedlich ist. Am Beginn steht das Beobachten bzw. Wahrnehmen, das inhaltlich in beiden Modellen dasselbe beschreibt. Als weiterer Schritt folgen dem BRUI-Ablauf entsprechend, die emotionale Reaktion und dann das Urteil. Diese Abfolge ist nach den drei Empfangsvorgängen nach Schulz von Thun umgekehrt. Nach dem Wahrnehmen kommt es zur Interpretation des Wahrgenommenen und erst, wenn eine Interpretation und etwaige Zuschreibungen vorhanden sind, erfolgt ein Gefühl. Das Gefühl wird diesem Verständnis nach nicht von der Wahrnehmung, sondern von der Bewertung ausgelöst. Nach dem BRUI-Modell erfolgt eine emotionale Reaktion nach der Beobachtung, welche eine Beurteilung auslöst. Die Bewertung folgt also auf die Emotion, während nach Schulz von Thun sich das Gefühl aufgrund der Bewertung ergibt.

Die Beschreibung von Wahrnehmungs-Reaktions-Abläufen nach Buchinger/Schober zeigt, dass aus dem Umfeld Reize auf die Wahrnehmung von Menschen einströmen, die im Gehirn als selbstreferenzielles autopietisches System verarbeitet werden. Das Gehirn nimmt Impulse auf und reagiert darauf durch ein Zusammenspiel von Kognitions- und Verhaltensmustern oder Programmen. Denken, fühlen und handeln greifen dabei ineinander. Durch die Wiederholung von bestimmten Reizen oder Vorgängen in einem bestimmten Zusammenhang kommt es zur Ausprägung von Wahrnehmungs- und Verhaltensmustern, die dann durch ähnliche Erlebnisse ausgelöst werden. Bei dieser Darstellung wird das Zusammenwirken von Denken, Fühlen und Handeln gezeigt, aber kein serieller Ablauf beschrieben.

Dem Brückenschlag von intrapsychischen Prozessen in WahrnehmungsReaktions-Modellen zur personzentrierten Systemtheorie folgend, treten Individuen aus selbstorganisierten sozialen Systemen miteinander in Interaktion. Kriz zeigt ein komplexeres Bild der Interaktion, das auf verschiedenen Prozessen beruht und verschiedene Ebenen miteinbezieht.

• Wahrnehmung beschreibt nach Kriz die Aufnahme, Verarbeitung und Bewertung sowie das Verhalten, mit dem eine Person mit anderen in Verbindung tritt. Es ist nicht möglich nicht-wahrzunehmen oder sich nicht zu verhalten. Eindrücke, die von einer Person aufgenommen werden, werden verarbeitet und bewertet.

• Bewusstseinsprozesse machen es dem Menschen möglich, über seine Wahrnehmung, Bewertung und sein Verhalten nachzudenken und sich über diese Selbstreflexion bewusst zu werden.

• Gedächtnisprozesse umfassen u.a. das Speichern und Wiederabrufen von Erfahrungen und Information.

• Durch interpersonelle Prozesse treten Menschen mit anderen in Kontakt und bauen Kommunikationsprozesse auf.

• Kulturelle und gesellschaftliche Prozesse, bilden den Rahmen und Hintergrund für Interaktionen.

Effektive Kommunikation heißt in diesem Zusammenhang auch, die Emotionen zu steuern und Botschaften inhaltlich und emotional zu gestalten, um etwas bewegen zu können.

 
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