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3.1.1 Organisationen und Komplexität

Organisationen werden aus systemischer Sicht anders verstanden, als in der klassischen Betriebswirtschaftslehre. Die klassische Betriebswirtschaftslehre besagt, dass Menschen gemeinsam in rationalen Abläufen rationale Ziele verfolgen. Die systemische Sichtweise erweitert diese Auffassung um Aspekte wie Komplexität, Dynamik, Ambivalenz, Prozesshaftigkeit und Konfliktträchtigkeit. Komplexität ist unter anderem als nichtlinearer, nichtmechanistischer, mehrdimensionaler Zusammenhang zwischen den Prozessen innerhalb eines Systems und seiner Umwelt beschreibbar.

MitarbeiterInnen in diesen Organisationen sind soziale Elemente mit Bedürfnissen, Ängsten, Vorlieben, Qualifikationen, Visionen und Erfahrungen. Diese füllen eine bestimmte Rolle im Unternehmen aus, welche getrennt von den privaten Personen zu sehen und zu gestalten sind. Um Komplexität zu reduzieren, bilden Menschen

Muster des Denkens, Verhaltens und Handelns aus. Stereotype Zuschreibungen, Klischees, Vorurteile und Sinnkonstrukte werden dazu ebenfalls eingesetzt.

Bereits in frühester Kindheit bilden Menschen Muster aus, die später bei der Verarbeitung der Wahrnehmung, zur Ordnung und Strukturbildung herangezogen werden.

Krizanits versteht als Kernmerkmal komplexer Systeme, die Veränderung des Zustands in ihrem Inneren. Die Komplexität von Systemen geht über die Diversität der Elemente und die Ausführung von Mustern hinaus. Es ist jedoch die Abfolge

von Mustern dafür verantwortlich, dass sich kleinere Störungen zu großen Abweichungen aufbauen.

Innerhalb des Systems ergibt sich Komplexität auch aufgrund der großen Menge von zusammenhängenden Elementen, da es nicht mehr möglich ist, dass diese jederzeit mit allen anderen Elementen verbunden sind. Mit dieser Komplexität gilt es mittels Strukturierung umzugehen, was wiederum Komplexität generiert.

Ein anderer Erklärungsansatz für Organisation aus systemisch konstruktivistischer Sicht ist die Organisation, als Koordination einer Differenz, nicht einer Einheit. Es geht um den Unterschied von Entscheidungen, zielgerichteten Handlungen und die Bearbeitung bestimmter definierter Aufgaben und Erreichung von Zielvorgaben in Abgrenzung davon, was in einem Unternehmen sonst noch konstruierbar und beobachtbar ist, wie persönliche Beziehungen und opportunistische Ziele. Gleichzeitig wird an der Unterscheidung und Abgrenzung der Organisation von ihrer Umwelt gearbeitet. Die Organisation sichert Kommunikation, da diese für die Organisation mit allen ihren Elementen, im Rahmen der Selbstorganisation überlebensnotwendig ist.

Komplexität in einem System bedeutet, dass ein System sich aus einer großen Anzahl von verschiedenen Elementen zusammensetzt, welche sich über den Zeitverlauf ändern können und zwischen denen verschiedene Verbindungen bestehen. Aufgrund der hohen Anzahl von Elementen ergibt sich für das System ein Zwang, bestimmte Verbindungen und Konstellationen einzurichten, und über diese zu entscheiden. Komplexität kann so reduziert und gesteigert werden.

Komplexität ist nach Baecker in sachlich, sozial, zeitlich, operativ und Hyperkomplexität kategorisierbar.

• Sachliche Komplexität ergibt sich aufgrund der Vielzahl und Verschiedenheit der Elemente in einem System, wie diese selektiv auf einander einwirken und einander gegenseitig beeinflussen.

• Soziale Komplexität in Organisationen entsteht durch die verschiedenen MitarbeiterInnen, deren Rollen und Positionen, Beziehungen untereinander, durch Arbeitsteilung, Spezialisierung und aufgrund von Abhängigkeiten von den Umwelten.

• Zeitliche Komplexität schließt Zukunftserwartungen, Versprechen, Hoffnungen und Befürchtungen ein. Eine zeitliche Komponente wird auch durch Prozesse und Strukturen gegeben, welche sich ändern können und auch jene die gleich bleiben sollen. Eine Unterscheidung richtet sich auch danach, welche Prozesse Anfang und Ende haben oder haben sollen.

• Operative Komplexität ergibt sich aufgrund des Zusammenwirkens von sozialer, zeitlicher und sachlicher Komplexität. Dadurch wird das System nicht-trivial, es reagiert auf Umwelteinflüsse, koppelt sich rück und kann anders reagieren als erwartet.

• Die Hyperkomplexität ist dann gegeben, wenn das System eine Beschreibung von sich selbst abgibt und sich dabei als komplex beschreibt.

Ab einer gewissen Komplexität differenzieren sich Systeme. Sie bilden zu ihrer Erhaltung und Stabilität Subsysteme aus. Das Subsystem ergibt sich durch eine Ausbildung von Grenzen zu den umgebenden Systemen, welche als starr, klar oder diffus beschrieben werden können. Grenzen von Systemen ermöglichen eine

Unterscheidung zur Umwelt, sind identitätsstiftend und unterstützen die Regulierung von Kommunikation.

Unternehmen, Abteilungen oder Teams sind aus systemischer Sicht somit eigene Systeme und herausgebildete Subsysteme, die eigene Eigenschaften, Vereinbarungen, Kommunikationsweisen und Kommunikationsstörungen oder andere Probleme konstruieren können. Es gibt persönliche und emotionale Beziehungen und es bilden sich informelle Spielregeln heraus, die für vorgegebene Ziele förderlich aber auch hinderlich sein können.

In einer Organisation sind überdies nicht Personen in ihrer Gesamtheit mit ihren privaten Anteilen und allen Charakteristika, die sie ausmachen, vertreten, sondern nur mit manchen Aspekten. Es sind daher auch nicht nur alle Unternehmenbzw.

Systembereiche zu unterscheiden, sondern auch alle Umwelten, die auf ein Element – also ein/e MitarbeiterIn – einwirken.

 
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