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9.2 Was man über Pflegebedürftigkeit wissen sollte?

Es wurde bereits mehrfach erwähnt, dass jeder davon ausgehen kann, dass entweder er selbst oder seine Angehörigen irgendwann der Pflege bedürfen. Das ist auf den demografischen Wandel und den technisch-medizinischen Fortschritt zurückzuführen. Die Regierung hat zu diesem Zweck eine neue Säule der Sozialversicherung initiiert: die Pflegeversicherung.

Die Pflegeversicherung wurde 1995 in Deutschland eingeführt. Angesichts des demografischen Wandels wurde jeder Bundesbürger verpflichtet, den Fall der Pflegebedürftigkeit versicherungstechnisch abzusichern. Die Pflegeversicherung bildet somit neben der gesetzlichen Unfall-, Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung die fünfte Säule der Sozialversicherung. Das bedeutet, dass jede gesetzliche Krankenkasse und jede private Krankenversicherung verpflichtet sind, eine Pflegeversicherung anzubieten.

9.2.1 Was ist Pflegebedürftigkeit?

Das Bundesministerium für Gesundheit definiert Pflegebedürftigkeit folgendermaßen:

Pflegebedürftig sind Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen. Nach der Definition des Pflegeversicherungsgesetzes sind damit Personen erfasst, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung im Bereich der Körperpflege, der Ernährung, der Mobilität und der hauswirtschaftlichen Versorgung auf Dauer – voraussichtlich für mindestens sechs Monate – in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen. (Bundesministerium für Gesundheit 2014a)

Die Definition zeigt, dass sich die Pflegebedürftigkeit nicht nur auf körperliche Krankheiten beschränkt. Auch seelische Erkrankungen (z. B. Depressionen) können eine Pflege erforderlich machen. Zudem wird deutlich, dass Pflegebedürftigkeit kein Stigma bzw. endgültiges Urteil ist. Pflegebedürftigkeit kann eine vorübergehende Angelegenheit sein, besonders in jüngeren Jahren. Im Alter allerdings ist davon auszugehen, dass die Pflegebedürftigkeit auf Lebenszeit besteht.

Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass sich Pflegebedürftigkeit in der Realität viel differenzierter zeigt, als dies mit der derzeitigen Einordnung erfasst wird. So wurde im Koalitionsvertrag vom November 2013 eine Neudefinition von Pflegebedürftigkeit beschlossen, die den zahlreichen Facetten der Pflegebedürftigkeit gerecht werden soll. Dadurch soll die konkrete Lebenssituation der Betroffenen stärker in die Betrachtung einbezogen werden. Im Zuge dessen wird ein neues Begutachtungsverfahren in Kraft treten (Bundesministerium für Gesundheit 2014a). In diese Neudefinition fließen auch Einschränkungen ein, die bei Demenzkranken vorkommen. Bevor das neue Begutachtungsverfahren gesetzlich festgeschrieben wird, erfolgt eine Erprobungsphase. Die Ergebnisse sollen Anfang 2015 vorliegen.

 
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