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8.2 Wie hoch ist unsere Lebenserwartung?

Ein kluger Spruch, den man manchmal an Geburtstagen hört, lautet „Jeder Mensch möchte alt werden, keiner möchte alt sein.“ Wir haben also Angst vorm sterben und möchten am liebsten den gesundheitlichen Veränderungen dieses Prozesses aus dem Weg gehen. Im Idealfall möchte man quasi gesund sterben. Ohne Vorerkrankung, ohne Komplikationen. Realistisch ist das natürlich nicht. Diese unbewusste Erwartung steht sogar im Gegensatz zu dem, was die moderne Medizin zweifelsohne erreicht hat: eine deutlich erhöhte Lebenserwartung. Dieser Erfolg war maßgeblich möglich, durch die Erkenntnisse auf dem Gebiet der Virologie und Bakteriologie. Epidemien, die im Mittelalter die statistische Lebenserwartung deutlich gesenkt haben, sind selten geworden. In den Industrieländern sind sie nahezu undenkbar. Man denke an die erfolgreiche Prävention des Ebola-Virus in 2014, zumindest in Europa und Amerika.

Wir sterben also vor allem später und darum auch an anderen Krankheiten als die Menschen vergangener Epochen. Krankheitsverläufe können durch die moderne Medizin allerdings sehr stark in die Länge gezogen werden. Dies dient dann nicht immer dem Patienten. Die Lebenserwartung wird aber statistisch erhöht. Heute Neugeborene schaffen es damit auf eine Erwartung von über 90 Jahren Lebenszeit

– im Durchschnitt! Auch Fortschritte im Bereich der Hygiene und Ernährung dürften ihren Teil dazu beigetragen haben.

Nach wie vor sterben Männer aber etwas früher als Frauen, was seine Ursachen in einer ungesünderen Lebensweise und gesundheitlich belastenderen Berufen des sog. starken Geschlechts haben dürfte. Markant ist dabei, dass die verkürzte Lebenserwartung der Männer durch eine höhere Sterblichkeit vor dem 60. Lebensjahr entsteht. Es ist also nicht so, dass alle Männer ein bisschen kürzer leben, sondern einige Männer viel kürzer als die meisten Frauen. Dies spricht für eine größere Neigung der Männer zur Entwicklung schwerer, nicht alterstypischer Erkrankungen, die wiederum teilweise durch den Lebensstil erklärbar sind. Man bedenke, dass die Lebenserwartung von Männern in Russland bei unter 65 Jahren liegt.

8.3 Wie kann man körperlichen Krankheiten vorbeugen?

Angesichts der ermittelten häufigsten Krankheiten im Alter sollte die Krankheitsprävention vor allem den Herzerkrankungen und den Erkrankungen des Bewegungsapparats gelten. Hier bestehen riesige Potenziale in der Steigerung der körperlichen Aktivität, der Senkung des Körpergewichts und dem Nichtrauchen (Saß et al. 2009, S. 40). Raucher besitzen generell eine höhere Sterblichkeit im Alter. Eine Umstellung der Ernährung hat Einfluss auf das Körpergewicht. Übergewicht ist bei älteren Menschen weit verbreitet:

Laut Telefonischem Gesundheitssurvey 2003 waren 85 % der Männer und 79 % der Frauen im Alter von 60 bis 69 Jahren übergewichtig oder sogar adipös mit einem BodyMass-Index (BMI) von 25 und mehr (Quotient aus Körpergroße in m und dem Gewicht (quadriert) in kg). Bei den 70-Jährigen und Älteren betraf dies immerhin noch 81 % der Männer und 78 % der Frauen. (Saß et al. 2009, S. 40)

Sowohl Ernährungsumstellung als auch Steigerung der körperlichen Aktivität beugen Übergewicht vor. Dadurch wird das Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen automatisch vermindert. Laut ärztlichen Empfehlungen sollte mindestens dreimal in der Woche Sport getrieben werden, sodass der Sportler leicht ins Schwitzen gerät. Noch besser ist eine halbe Stunde Sport täglich. Da mit dem Alter die Muskelmasse zurückgeht, sollte zusätzlich ein Muskeltraining erfolgen. Dieses beugt zahlreichen Erkrankungen des Bewegungsapparats vor bzw. verbessert bestehende Erkrankungen. Heute sind die meisten Fitnessstudios auf ältere Kundschaft eingerichtet. Die Fitnesstrainer stellen ein genaues Programm zusammen, das den Körper nicht belastet. Gesunde Ernährung und Bewegung regulieren den Blutdruck ganz ohne Medizin. Hoher Blutdruck ist einer der wichtigsten Einflussfaktoren für Herz- und Kreislauferkrankungen. Beinahe die Hälfte der 70-Jährigen in Deutschland leidet unter hohem Blutdruck (Saß et al. 2009, S. 40). Dabei ist der Anteil unter Frauen höher. Der Fettstoffwechsel lässt sich durch eine Senkung der schädlichen Cholesterinwerte beeinflussen. Auch hier sind die Werte besonders bei Frauen zu hoch. Durch die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ 2) wird die Gefahr der Arterienverkalkung erhöht. Dabei unterliegen besonders die über 60-Jährigen einem erhöhten Risiko unterliegen (Saß et al. 2009, S. 40). Auch hier gilt, dass gesunde Ernährung, Bewegung und

Nichtrauchen die besten Vorbeugemethoden sind.

Problematisch ist das gleichzeitige Auftreten mehrerer Risikofaktoren (Saß et al. 2009, S. 41). Diese stehen miteinander in Wechselwirkung, was bedeutet, dass sich die Wirkungen potenzieren:

Mehr als die Hälfte der 70bis 84-jährigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Berliner Altersstudie wiesen mindestens vier kardiovaskuläre Risikofaktoren auf. Die Anzahl der Risikofaktoren ist unter den 85-Jährigen und Älteren geringer, da ein Teil der Personen mit zahlreichen Risikofaktoren vermutlich schon verstorben ist. (Saß et al. 2009, S. 41).

Erkrankungen des Bewegungsapparats benötigen nochmals eine gesonderte Prävention, denn diesen Erkrankungen liegen verschiedene Ursachen zugrunde:

[…], beispielsweise spezielle Belastungen im Berufsleben, Lebensstilfaktoren, hormonelle Ursachen und eine genetische Disposition (Veranlagung). Oftmals wirken mehrere Faktoren zusammen, und nicht für alle Erkrankungen sind die Entstehungsmechanismen im Einzelnen geklärt. (Saß et al. 2009, S. 44)

Der Osteoporose (verstärkte Knochenbrüchigkeit) kann durch eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D vorgebeugt werden (Saß et al. 2009, S. 41). Die verstärkte Einnahme sollte mit dem 50. Lebensjahr beginnen. Doch auch bei Osteoporose ist körperliche Aktivität wichtig. Zudem senken Alkohol in Maßen sowie Nichtrauchen das Risiko.

Ältere Menschen haben eine größere Neigung zum Stürzen. Das ist auf das Nachlassen der Beweglichkeit und der Motorik zurückzuführen. Auch äußere Einflüsse wie bestimmte Medikamente oder nachteilige Umweltbedingungen (glatter Fußboden) erhöhen die Gefahr. Sportliche Übungsprogramme verbessern Motorik, Gleichgewichtssinn und Muskulatur.

Bereits in jungen Jahren klagen viele über Rückenschmerzen. Natürlich sind hier die Arbeitsbedingungen ein großer Einflussfaktor. Wer viele Jahre schwer hebt, bekommt fast zwangsläufig Rückenprobleme. Und doch ist die soziale Lage in unserer Gesellschaft der stärkste Risikofaktor für Rückenschmerzen (Saß et al. 2009, S. 45). Dies zeigt, wie sehr gerade diese Schmerzart mit der Psyche verbunden ist. Zur sozialen Lage gehören der Beruf, Bildung und das Einkommen. Der Verlauf dieser Krankheit ist abhängig von der Psyche. Depressionen, Ängste und negative Einstellungen begünstigen Rückenschmerzen.

Bei Krebs steigen die Neuerkrankungen mit dem Alter an. Die häufigsten Krebsdiagnosen betreffen bei Frauen die Brust oder die Lunge. Bei Männern sind es die Prostata, Darm, Lunge und Harnblase (Saß et al. 2009, S. 48). Prävention ist von überragender Bedeutung. Ärzte bieten hierfür Vorsorgeuntersuchungen an, die regelmäßig besucht werden sollten. Dabei gilt die Devise: Lieber einmal zu viel zum Arzt als einmal zu wenig. Auch das Nichtrauchen besitzt immense Bedeutung bei der Vermeidung von Krebs.

Besorgniserregend ist der massive Anstieg von Darmkrebsfällen, der zunächst bei unter 50-Jährigen in Amerika beobachtet wurde. Amerikanische Verhältnisse sind längst in Deutschland angekommen. Der Anstieg der Fälle wird auf den übermäßigen Genuss von Fast Food, rotem Fleisch (Rind-, Schweine- und Lammfleisch), Nikotin und Alkoholkonsum zurückgeführt. Der Verzicht auf diese Einflussfaktoren und der Verzehr von frischem Obst und Gemüse wirken dem Darmkrebsrisiko entgegen.

Die Ausführungen zeigen, dass die Lebensweise einen hohen Einfluss auf die Entstehung von Alterskrankheiten hat. Und weil jeder seines Glückes Schmied ist, kann jeder seine Lebensweise entsprechend umstellen. Bequemlichkeit kann hier wertvolle Lebensjahre kosten.

 
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