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4.1 Verpflichtung zu regelmäßigem Rating

Kernstück bei der Emission einer Mittelstandsanleihe stellt – wie bei einer „gewöhnlichen“ Unternehmensanleihe auch – die Einschätzung der Unternehmensbonität durch eine unabhängige, EU registrierte Ratingagentur dar. Anhand des Ratings soll eine Aussage über die zukünftige Fähigkeit und rechtliche Verpflichtung des bewerteten Unternehmens zur termingerechten und vollständigen Erfüllung von Zins- und Tilgungszahlungen getroffen und die Nachhaltigkeit des Cashflows des Unternehmens zur Bedienung der Kapitaldienste überprüft werden. Darüber hinaus soll das Rating Informationslücken zwischen dem Unternehmen und potenziellen Investoren bzw. Gläubigern schließen.

Die Schalke 04-Anleihe wurde zum Börsengang mit einem Rating von BB eingestuft. Die Ratingagentur Creditreform bescheinigt dem Verein damit eine befriedigende Bonität. 2013 erfolgte eine Herabstufung des Ratings um einen Notch auf BB-. Auf Sicht von einem Jahr war mit diesem Rating eine Ausfallwahrscheinlichkeit von ca. 2,0 % verbunden.

4.2 Quasi Ad-hoc-Pflicht und Debt Relations

Im Gegensatz zum unregulierten Freiverkehr, wo die Informationsbereitstellung durch die Emittenten freiwillig ist, verpflichten sich die Emittenten von Mittelstandsanleihen zu regelmäßiger Informationsbereitstellung. Von besonderer Bedeutung dabei ist die sogenannte „Quasi Ad-hoc-Publizität“, die Unternehmen dazu anhält, wichtige Informationen, die für die Kursentwicklung der Anleihe und die Investitionsentscheidung in sie bedeutsam sind, unverzüglich einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Dies entbindet die Anleger zwar nicht, die Entwicklung des Unternehmens selbst kontinuierlich zu verfolgen, verschafft ihnen aber die Möglichkeit, auf Ereignisse, die für die Finanz-, Vermögens- und Ertragslage wesentlich sind, unverzüglich zu reagieren.

In eine ähnliche Richtung zielt die Forderung nach einer stringenten Debt Relations-Politik, wenngleich diese in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Börsen nicht explizit formuliert ist. Unter Debt Relations versteht man die Kommunikation mit den Gläubigern. Aufgabe der Debt Relations bei Fußballvereinen ist es, Anleihegläubiger regelmäßig mit Informationen über den Verein und seine sportlichen und wirtschaftlichen Erfolge zu versorgen. Ihr Ziel ist es, das Fußball-Unternehmen bekannt zu machen und vorhandenes Vertrauen in dessen wirtschaftlichen Erfolg zu festigen. Wegen der breiten Streuung der Anleihen auf eine Vielzahl von Kleinanlegern und Fans muss die Debt Relations-Arbeit eines Vereins auf einen relativ breiten Personenkreis ausgerichtet werden. Da Anleihen ausschließlich in Form von Inhaberschuldverschreibungen begeben werden, bleiben die einzelnen Gläubiger, sofern die Zeichnung über eine Börse erfolgt, für den Emittenten anonym. Damit ist die Zielgruppe der Privatanleger kommunikativ nur schwer zu erreichen, selbst wenn es sich dabei – trotz fortschreitender Internationalisierung der jeweiligen Marken – vornehmlich um inländische Investoren handeln dürfte. Nur wenn die Zeichnung über die Homepage des Vereins erfolgt ist, kann in der Kommunikation auf Adressoder E-Mail-Listen zurückgegriffen werden, anhand derer die Gläubiger regelmäßig mit Jahres-, Halbjahresoder Quartalsberichten oder weitergehendem Informationsmaterial versorgt werden können. Soweit die Theorie; analysiert man die gelebte Debt Relations-Politik der meis ten Fußballvereine, bekommt man allerdings schnell den Eindruck, dass die Vereine vor dieser Arbeit unmittelbar nach Zeichnungsschluss kapitulieren und die Kommunikation einstellen. Bereits bei der Beantwortung der Frage, ob und in welchem Umfang Gläubiger mit Finanzinformationen versorgt werden sollen, für Investoren also ein klassischer Hygienefaktor, stehen nicht wenige Vereine im kommunikativen Abseits: Mit Ausnahme von Schalke 04 ist es aktuell bei keinem Verein möglich, in einem speziell für Anleihegläubiger eingerichteten E-Mail-Verteiler aufgenommen zu werden. Andere Vereine wie der HSV haben bereits am Tag nach der Vollplatzierung ihrer Anleihe sämtliche Hinweise auf die für die Zeichnung erforderlichen Dokumente, Wertpapierprospekt, Anleihebedingungen oder Geschäftsberichte, von ihrer Homepage getilgt. Dass diese Einstellung kurzfristig ausgelegt ist, zeigen die Vereine, die eine Zweitanleihe platziert haben. Ihre Platzierungsquoten liegen ausnahmslos unter denen der Erstemission. Da man aber davon ausgehen kann, dass die Erstemission mit wesentlich höheren Unsicherheiten verbunden ist und ein Verein bei der Zweitemission auf die regelmäßige Zinszahlung und die erfolgreiche Rückzahlung der ersten Anleihe verweisen kann, muss

dieses Ergebnis enttäuschen.

 
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