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2 Die Stellung von Fußballanleihen im Finanzierungsmix von Fußballunternehmen

Anleihen sind bereits seit Jahrhunderten ein probates Mittel der langfristigen Refinanzierung von Unternehmen. Im Gegensatz zum klassischen Bankkredit sind Anleihen in der Regel unbesichert und weisen mit fünf bis zehn Jahren längere Laufzeiten auf. Auch strengen financial Covenants wie beim Bankkredit muss sich der Emittent nur selten unterwerfen, wohl aber qualitativen Covenants, die das Management in seinem Gestaltungsspielraum indes kaum einschränken. Die Tilgung der Anleihe erfolgt meist erst mit Endfälligkeit, während bei Bankkrediten die Amortisierung während der Laufzeit die Regel ist. Weitere Unterschiede zum Bankkredit ergeben sich aus den Anleihebedingungen, dem Wertpapierprospekt und dem Rating. Ihre Charakteristika, Ausstattungs- und Abgrenzungsmerkmale werden zum Verständnis der Fußballanleihen im Folgenden kurz zusammengefasst.

2.1 Anleihebedingungen und Termsheet

Die Anleihebedingungen legen das Rechtsverhältnis zwischen dem Emittenten einer Anleihe und seinen Gläubigern fest. Aus diesen lassen sich die den Anlegern zustehenden Zahlungsansprüche (auf Zins- und Rückzahlung) und – sofern vorhanden – weitere Verhaltensoder Unterlassungspflichten des Emittenten ablesen. In den Anleihebedingungen werden also sämtliche, für die Einschätzung einer Anleihe relevanten Charakteristika beschrieben. Sie sind während der Laufzeit der Anleihe für alle Anleger bindend und können nur durch gleich lautenden Vertrag mit allen Gläubigern (Einstimmigkeitsprinzip) oder durch einen zustimmenden Mehrheitsbeschluss der Gläubiger (Mehrheitsprinzip) geändert werden. Die Anleihebedingungen sind für zudem alle Anleger gleich, was bilaterale Änderungen zwischen dem Emittenten und einzelnen Gläubigern nicht zulässig macht. Selbst nachdem Änderungen von Anleihebedingungen vorgenommen wurden, dürfen einzelne Gläubiger nicht benachteiligt werden.

Da Anleihebedingungen gewissermaßen die allgemeinen Geschäftsbedingungen einer Anleihe darstellen, gilt für ihre Ausgestaltung die grundsätzliche Vertragsfreiheit einer Privatwirtschaft. Da überraschende Klauseln sowie den Anleger unangemessen benachteiligende Regelungen ohnehin rechtlich nicht zulässig sind, haben sich in der Praxis einige Merkmale herausgebildet, die an den Kapitalmärkten Standardfunktionen eingenommen haben.

Die typischen Bedingungen für eine Unternehmensanleihe bestehen aus folgenden Bestandteilen[1]:

• Nennbetrag der Anleihe, Stückelung, Ausgestaltung und Verbriefung;

• Status bzw. Rang der Forderungen aus der Schuldverschreibung;

• Status bzw. Rang von Besicherungen;

• Negativverpflichtung;

• Zinsklauseln;

• Vorzeitige Rückzahlung der Anleihe (Call);

• Vorzeitige Sonderkündigungsrechte der Anleihegläubiger (Put);

• Covenants;

• Möglichkeiten des Emittenten zur Aufstockung der Anleihe;

• Regelungen zur Änderung der Anleihebedingungen oder der Restrukturierung der Anleihe durch Mehrheitsbeschluss der Anleihegläubiger;

• Bestellung eines gemeinsamen Vertreters gemäß SchVG.

Anleihebedingungen sind zur Gänze im Wertpapierprospekt (siehe folgendes Kapitel) wiederzugeben. Aus Vermarktungsgründen – der Wertpapierprospekt umfasst nicht selten mehrere hundert Seiten – werden die Anleihebedingungen zusätzlich häufig in sogenannten Termsheets wie dem folgenden zusammengefasst (Abb. 2.1):

  • [1] Vgl. bspw. Hasler P T (2013) Unternehmensanleihen simplified, München, Finanzbuchverlag
 
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