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17 Familien-/Gruppen-Konferenzen

Mediation, die jedoch nicht nur Opfer und Beschuldigte involviert, sondern auch Familienmitglieder und andere Personen, die sich aufgrund des Vorfalls als Betroffene bezeichnen, sowie professionelle Moderatoren oder Moderatorinnen.

Keiner der Partner berichtete über Familienoder Gruppenkonferenzen als Teil des Sanktionssystems. In Deutschland wurden Familien- und Gruppenkonferenzen, unter dem Namen Gemeinschaftskonferenzen (GMK) als ein Modellprojekt für Jugendliche in Elmshorn eingeführt.[1] In Belgien gab es eine entsprechende Praxis für Jugendliche, die schwere Straftaten begangen hatten.[2]

18 Circles of Support and Accountability

Freiwillige unterstützen, unter professioneller Aufsicht, (Sexual-)Straftäter bezüglich der Reintegration in die Gesellschaft nach ihrer Entlassung aus der Strafhaft.

Im Rahmen eines im Jahr 2011 durchgeführten Pilotprojekts, welches durch die Europäische Kommission unterstützt wurde (Daphne III), wurden COSA in Belgien eingeführt. Das Modellprojekt findet unter der Beteiligung des Justitiehuis Antwerpen (Antwerpener Haus der Justiz) statt, welches eine Partnerschaft mit einer auf die Behandlung von Sexualstraftätern spezialisierte Wohlfahrtsorganisation [3] (Personal für Koordinierungsaufgaben), sowie eine mit der Universität von Antwerpen (Studie zur Risikobewertung) eingegangen ist. Daraufhin wurde eine nationale Medienkampagne durchgeführt, um 20 Freiwillige zu rekrutieren und auszubilden. Die COSA sind für verurteilte Sexualstraftäter entwickelt worden, die ein mittleres bis höheres Rückfälligkeitsrisiko haben und aus dem Strafvollzug oder einer Behandlungsmaßnahme entlassen werden. Es handelt sich hierbei um einen für Belgien völlig neuen Ansatz der Unterstützung und Überwachung dieser speziellen Gruppe von Straftätern.[4] Bisher wurden drei COSA eingerich-tet und von der Abteilung für Kriminalpolitik des belgischen Justizministeriums evaluiert.[5] Auf Grundlage der Ergebnisse soll über eine mögliche Ausweitung des Pilotprojekts auf die ganze Region Flandern sowie auf nationaler Ebene entschieden werden.

In Bulgarien sind COSA nicht gesetzlich vorgesehen, aber sie könnten dennoch informell von NGOs durchgeführt werden. Es gäbe in diesem Fall allerdings keine Verpflichtung zur Teilnahme.

  • [1] Hagemann 2009
  • [2] Vanfraechem und Walgrave 2005; Vanfraechem 2002
  • [3] cawantwerpen.be/cosa-cirkels-voor-ondersteuning-samenwerking-en- aanspreekbaarheid
  • [4] Es sollte hierbei angemerkt werden, dass angesichts mangelnder spezifischer Therapiermöglichkeiten für Sexualstraftäter in belgischen Justizvollzugsanstalten und der geringen Anzahl an Behandlungseinrichtungen für inhaftierte Sexualstraftäter eine Behandlung oftmals erst nach der bedingten Haftentlassung beginnt. In den vergangenen Jahren zogen es Sexualstraftäter vor, ihre Haftstrafe bis zum Ende zu verbüßen anstatt einen Antrag auf frühzeitige Entlassung zu stellen, um einer zwangsweisen Behandlung und langfristiger staatlicher Überwachung zu entgehen
  • [5] Sivri und Taeymans 2013
 
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