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6.5 8: How Can It Be? (2008)

6.5.1 Zum Inhalt des Films

Zainab und Arif sind Einwanderer aus einem südostasiatischen Land. Gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn Munna leben sie in einem gemütlichen Haus in der ruhigen Gegend einer amerikanischen Großstadt. Doch das Ehepaar befindet sich in einer akuten Krise: Zainab hat sich in einen anderen Mann verliebt. Obwohl dieser ebenfalls verheiratet ist und wahrscheinlich bei seiner Frau und seinen Kindern bleiben wird, hat sie beschlossen, ihre Familie zu verlassen. Sie liebe diesen Mann, erklärt sie Arif am Morgen ihrer Abreise, nachdem sie beide aufgestanden sind. Er versucht sie zu küssen, doch sie wehrt ihn ab. Er fleht sie an zu bleiben, wenigstens ihrem Sohn zuliebe. Dann beschimpft er sie. Sie würde immer eine Zweitfrau für den neuen Mann sein, nicht mehr wert als eine verdammte Hure, ruft er. Auch Munna ist verzweifelt. Weinend klammern sich Mutter und Sohn zum Abschied aneinander. Sie verspricht ihm, eines Tages wieder zurück zu kommen, doch noch wisse sie nicht, wo und wie sie leben werde. Sein Vater würde so lange bei ihm bleiben. Sie hat ihm eine CD besprochen, auf der sie ihm ihre Gründe darlegt. Wann immer er sie vermisse, solle er auf ihre Wort hören, sagt sie zu ihm. Während Munna ein großes Gemälde anfertigt, das vor allem aus einer kreisförmigen Anordnung der Worte „How can it be“ und „But it is“ besteht, bereitet Zainab ein letztes Mal Tee für sich und Arif zu. Dann hüllt sie sich in ihren Tschador, das heißt einen schwarzen Schleier, der lediglich ihr Gesicht frei lässt und nahtlos in einen langen, weiten Mantel übergeht, nimmt ihren Koffer und geht. Munna legt kurze Zeit später die CD ein. Er hört die Stimme seiner Mutter: Integrität, Mut, Abenteuer und der Glaube an einen Neuanfang seien die Dinge, die im Leben zählen würden. Vielleicht würde er sie eines Tages verstehen.

6.5.2 Zu den Produktionsumständen

Im September 2000 trafen sich Staats- und Regierungschefs aus 189 Ländern zur

55. Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York. Das zentrale, übergeordnete Ziel des sogenannten Millenniumsgipfels war die Organisation der Bekämpfung der extremen Armut in der Welt. In einer Erklärung wurden acht verbindliche Entwicklungsziele formuliert, die bis zum Jahr 2015 erreicht werden sollten. Diesen Zielen widmeten sich acht Filmemacherinnen und Filmemacher aus verschiedenen Nationen. Zwischen den Jahren 2005 bis 2008 drehten Mira Nair, Wim Wenders, Gus Van Sant, Jane Campion, Abderrahmane Sissako, Gaspar Noé, Gael Garcia Bernal und Jan Kouen je einen Kurzfilm, der einem der Millenniumsziele entsprach. Zusammengefasst entstand das Episodenwerk 8, das 2008 auf dem Festival Internazionale del Film di Roma seine Premiere feierte.

So erhielt Mira Nair erneut das Angebot, sich an einem Omnibus-Projekt zu beteiligen. Marc Oberon von der französischen Filmproduktionsfirma LDM schlug ihr vor, einen Film zu dem dritten der acht Millenniumsziele zu drehen,

dem Ziel der Gleichstellung der Geschlechter. Von dieser Themenvorgabe abgesehen, ließ er ihr vollkommene Gestaltungsfreiheit. Nair sagte zu. Neben Oberon und ihr selbst gehörten Lissandra Haulica und Ami Boghani zum Produ-

zententeam. Die Kamera übernahm wieder Declan Quinn, den Schnitt ebenfalls erneut Allyson C. Johnson. Den Soundtrack gestaltete Mychael Danna, der auch schon für den Soundtrack von Monsoon Wedding, Vanity Fair sowie von Migration verantwortlich war. Gemeinsam mit dem Autor Suketo Mehta, bekannt für sein Buch Bombay: Maximum City, und der Autorin Rashida Mustafa entwickelte Nair eine Geschichte, die sich aus verschiedenen, eigenen Beobachtungen zusammensetzte. Sie habe die Diskussionen über das Schleierverbot in Frankreich beschäftigt, in ihren Augen Ausdruck einer anhaltenden Islamphobie, so die Regisseurin im Interview auf dem Bonusmaterial des Films. Damit setzte sie eine Thematisierung fort, derer sie sich bereits sechs Jahre zuvor in ihrem Beitrag zu dem Omnibus-Film 11'09''01 – September 11 gewidmet hatte. Parallel zu ihrer Beobachtung des Weltgeschehens erlebte sie die Brisanz des Themas in ihrem eigenen, privaten Umfeld: Eine Nichte von ihr hatte sich dazu entschieden, sich zu verschleiern, um ihre Identität als Muslima zu leben. Dies hatte innerhalb ihrer Familie zu großen Diskussionen geführt. Ihre Sicht- weise zu verstehen, sei für sie eine wichtige Erfahrung gewesen und habe sie ebenfalls zu dem Film inspiriert, berichtet Nair. Eine weitere Beobachtung, die Einfluss auf den Film hatte, war die Geschichte einer gemeinsamen Freundin von ihr und Mehta, ebenfalls einer Muslima. Sie hatte ihren Mann und ihre Kinder verlassen, um an einem anderen Ort ein neues Leben zu beginnen. So sei es ihr in diesem Kurzfilm um das Vorurteil gegangen, dass eine Frau mit Schleier automatisch eine unterdrückte Frau sei, erklärt Nair in dem Interview auf dem Bonusmaterial weiter.

 
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