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6.4 AIDS Jaago: Migration (2006)

6.4.1 Zum Inhalt des Films

Migration beginnt mit der rituellen Verbrennung der Leiche eines Mannes am Rand eines Dorfs in der indischen Provinz. Am Scheiterhaufen haben sich die trauernden Angehörigen und Dorfbewohner versammelt, unter ihnen ein junger Mann namens Birju (Shiney Ahuja) und sein Vater (Tinnu Anand). Aus einem Gespräch zwischen den Beiden geht hervor, dass sich der Verstorbene das Leben genommen hatte, weil ihm als Bauer die Dürre zu schaffen machte. Birju wirkt verbittert über die Umstände. Die Dürre ist auch dafür verantwortlich, dass er die Provinz verlassen und sich Arbeit in der Stadt suchen will. „Verlass das Land nicht!“ fleht sein Vater ihn an. „Die Erde ist unsere Mutter. Die Dürre ist ein Fluch, der vorübergehen wird.“ Doch Birju ist nicht aufzuhalten. Er verabschiedet sich von seiner Frau Yamuna (Raima Sen), die Zuhause im Dorf auf ihn warten wird. Als sie wissen will, ob er in der Stadt eine Geliebte hat, müssen sie beide lachen. Sie vertrauen einander und sind glücklich.

In der Stadt ist das Wetter schlecht und alles scheint grau. An den Abenden ist Birju allein unterwegs, manchmal schaut er sich Kinofilme an. Tagsüber arbeitet er in einem Bautrupp, der Renovierungsarbeiten an einer imposanten Stadtvilla mit Blick aufs Meer ausführt. In dieser Stadtvilla leben Divya (Sameera Reddy), ihr Ehemann Abhay (Irrfan Khan) und dessen Mutter. Trotz des Luxus ist die junge Frau sehr unglücklich: Ihre bettlägerige Schwiegermutter scheucht sie herum, kritisiert ihre Kleidung als zu freizügig und will ihr ihre große Leidenschaft, das Modedesign, ausreden. Sie solle lieber ein Baby bekommen, ermahnt sie sie. Doch das ist nicht so einfach für Divya. Abhay geht ihr nach Möglichkeit aus dem Weg. Grund dafür ist seine heimliche Homosexualität. Während sie viele einsame Stunden Zuhause verbringt, trifft er seinen Liebhaber Imran (Arjun Mathur), der zunehmend ungeduldiger wird: Er kann die Heimlichtuerei nicht mehr ertragen und er hat Mitleid mit der unwissenden Divya. Doch diese scheint eines Tages einen Ausweg aus ihrer Misere gefunden zu haben – es ist eine Begegnung mit Birju, die ihrem Leben eine Wendung gibt. Er entdeckt sie, als er eine Fensterscheibe des Hauses säubert. Sein Blick fällt sofort auf sie. Während sie Perlen auf einen leuchtend rot-orangefarbenen Seidenstoff stickt, lauscht sie den lieblichen Klängen einer Spieluhr, die ein verliebtes Ehepaar darstellt. Sie trägt einen ebenfalls rot- und orangefarbenen Sari, der ihren Rücken frei lässt. Kurz darauf wird Divya von ihrer Schwiegermutter herbeizitiert. Sie befiehlt ihr, den Rollladen herunter zu lassen, damit der fremde Mann sie nicht beobachten könne. Für Sekunden stehen Birju und Divya jedoch dicht an dicht gegenüber. Einige Zeit später schimpft die alte Frau wieder vor sich hin und macht Divya Vorwürfe. Wenn sie doch nur ein Baby hätte, dann würde sich Abhay auch mehr um sie kümmern, jammert sie und prophezeit, dann würde er sich Tag und Nacht „in die Falten ihres Saris kuscheln.“ Doch dafür müsse sie unbedingt mit dem Modedesign aufhören! In diesem Moment verlässt Divya den Raum, packt den orange-roten Seidenstoff, an dem sie zuvor gestickt hatte, und wirft ihn mit Schwung aus dem Fenster. Das Stoffstück landet direkt vor Birjus Füßen. Er eilt die Fassade empor, um es ihr zurückzugeben. Divya bittet ihn daraufhin auf ein Glas Wasser herein. Dann beginnt sie, ihn zärtlich an seinen Händen zu berühren. Im nächsten Moment schon befinden sie sich in einer intimen Situation. Nachdem sie miteinander geschlafen haben, verschwindet er sofort wieder über das Baugerüst nach draußen. Die ganze Zeit über sprechen sie kein Wort miteinander.

Wenig später eröffnet Divya ihrem Ehemann Abhay, dass sie sich ein Baby wünsche. Er ist einverstanden. Sie schlafen miteinander und Divya wird schwanger. Von wem sie das Kind tatsächlich erwartet, wird nicht klar. Birju kehrt währenddessen zu seiner Frau Yamuna aufs Land zurück und auch sie bekommen bald ein Baby. Yamuna strahlt, als ihr die Krankenschwester im Geburtshaus den Säugling in die Arme legt. Doch ihr Glück währt nicht lange. Man habe sie positiv getestet und möglicherweise sei auch das Baby infiziert, erklärt man ihr. Birju wird ebenfalls aufgefordert, einen Test zu machen. Yamuna versteht nicht, wovon die Krankenschwester spricht. Er jedoch bricht weinend an ihrem Bett zusammen und bittet sie um Verzeihung. Als letztes Bildelement wird ein Insert auf schwarzem Hintergrund eingeblendet, das lautet: „Protect those you love. Wear a condom“.

 
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